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SZ-Serie: Freitagsküche:"Eiskugeln föhnt man ein bisschen"

Original oder Fälschung? Foodstylistin Frauke Koops über falsche Löcher im Käse, Rasierschaum als Sahnehäubchen und den Perfektionismus in der Nahrungsmittel-Fotografie.

Seit 40 Jahren arbeitet die Hamburgerin Frauke Koops als Foodstylistin. Als die gelernte Hauswirtschaftsleiterin diesen Job für sich erfand, gab es ihn eigentlich noch gar nicht - der Begriff Foodstyling kam erst später aus England. Frauke Koops aber hat in vier Jahrzehnten einen ganzen Berufszweig geprägt und diverse Kochbücher verfasst. Sie arrangiert zudem Menüs für Gourmet-Fachzeitschriften und wird von Sterneköchen gebucht, um deren Kreationen für Fotografen perfekt in Szene zu setzen. Die sechsfache Großmutter nennt sich übrigens selbst lieber Lebensmittelkosmetikerin und setzt auf Natürlichkeit. Da darf es ruhig einmal krümeln und klecksen.

Hacksteak: Original und Foodfotografie

Hier hat ein Foodstylist ganz Arbeit geleistet. Das Foto stammt aus dem Bildband "Werbung gegen Realität" des Künstlers Samuel Mueller.

(Foto: pundo3000.com)

SZ: Sie tragen immer einen Koffer mit sich herum. Sieht ziemlich schwer aus.

Koops: Mein Requisitenkoffer. 18 Kilo.

SZ: Und was verbergen Sie darin?

Koops: Dazu habe ich eine peinliche Geschichte vom Stuttgarter Flughafen. Es gab Bombenalarm, das Gepäck wurde überprüft. Ich öffnete also den Koffer, und der Kontrolleur klagte: "Oh Gott, das auch noch." Alle Hälse reckten sich. Beschämend! Der Koffer ist voll mit Scheren, Pinzetten, Handschuhen, Klebstoff, Spray, Farbextrakten, Messern, Schaumschlägern oder Tonformgeräten aus dem Künstlerbedarf. Da haben sich natürlich alle gefragt: Was macht die eigentlich?

SZ: Es reist ja auch nicht jeder mit einem Knochenschaber aus der Chirurgie...

Koops: Der ist sehr wichtig für mich, um gezielt zusätzliche Löcher in Käsescheiben zu platzieren.

SZ: Es heißt, in Ihrer Branche würden Lebensmittel so lange optisch manipuliert, bis sie mit Essen kaum noch etwas zu tun haben. Welche Tricks sind besonders unappetitlich?

Koops: Man gibt manchmal etwas Spülmittel in Soßen, um sie aufzuschlagen und damit kleine Schaumkrönchen zu erzeugen. Oft greift man auf Chemie zurück. Etwa, wenn beim Drehen von Fernsehspots mit heißem Licht gearbeitet wird. Das vermeide ich aber nach Möglichkeit.

SZ: Ihr Credo lautet trotzdem: "Immer hübsch ehrlich bleiben." Wie geht das mit dem Ziel optischer Perfektion zusammen?

Koops: Ich löse viele Probleme durch Kochtechnik. Man muss Zeitpunkte abpassen bei der Zubereitung. Egal, ob Stein, Holz oder Lebensmittel - es ist wichtig, sich immer mit den Reaktionen seines Arbeitsmaterials auseinanderzusetzen.

SZ: Kollegen von Ihnen peppen schon mal Fisch mit Haarfärbemittel auf...

Koops: Ja, das sind extreme Hilfsmittel, damit Essen vorteilhafter aussieht als es ist. Unsere Branche hat sich da aber verändert, auch durch die digitale Fotografie. Gerne wird aber weiter Rasierschaum eingesetzt, um etwa Sahnehäubchen zu simulieren, die lange Shootings überstehen.