Sieben Fragen, sieben Antworten:Des Osterrätsels Lösung

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(Foto: SZ)

Welcher Planet hat kein Ü? Welchen Vogel frisst die Frau ohne Mund? Und warum hängt jemand ein Ei an eine Goldkette? Vor zwei Wochen lagen wieder ziemlich knifflige Fragen im Körbchen - hier kommen alle Antworten.

Von Oliver Rezec

Ein tödlicher Schimmelpilz im kommunistischen Polen, eine uralte Schildkröte auf einer einsamen Insel, ein liebestoller Söldnerführer der Renaissance und natürlich viel, viel Buchstabenspielerei: Es gab wieder allerhand zu entdecken in großen SZ-Osterrätsel. Nur das Lösungswort war nicht das Gelbe von Ei, und zwar mit voller Absicht.

1. Die wunderliche Form

Kein Wunder, dass dieser Umriss so fremd wirkte, obwohl man das Objekt "vermutlich schon manches Mal gesehen" hatte: Die Fernsehkameras pflegen nicht die Seitenansicht zu zeigen wie im Rätsel, sondern die Vorderseite. Dort sind auch die erwähnten "35 weißen Bogensegmente" aufgedruckt: Sie bilden das Logo des Europäischen Parlaments, einen Dreiviertelkreis aus stilisierten konzentrischen Sitzreihen nebst einer EU-Flagge. Das gesuchte Objekt war das Redepult im Plenarsaal zu STRASSBURG (oder STRASBOURG, beide Antworten galten gleichermaßen und ergaben später auch dasselbe Lösungswort).

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(Foto: imago images/Future Image)

Das Parlament tagt in Frankreich, jeden Monat für vier Tage am Stück. Zur Vorbereitung treffen sich die Fraktionen und Ausschüsse aber nicht im Nebengebäude - sondern regelmäßig in Belgien. Das Hin und Her mehrerer Tausend Abgeordneter und Mitarbeitender sowie Tonnen von Materialien zwischen Straßburg und Brüssel soll im Jahr mehr als 100 Millionen Euro kosten.

2. Der chemische Kalender

"Jetzt wird's ein bisschen kompliziert", warnte das Rätsel, denn es folgte eine Frage zum Tüfteln. Zu sehen waren achtzehn Bigramme, also Buchstabenpaare: Ad, Aw, Ch, Ds, El ... Diese galt es in zwei gleich große Gruppen zu sortieren - allerdings nicht halbe-halbe, sondern überlappend: Sechs Bigramme gehörten ausschließlich zur einen Gruppe, sechs exklusiv zur anderen. Die übrigen sechs sollten zu beiden Gruppen gleichermaßen gehören, also ihre Schnittmenge bilden.

Die aufgestapelten Rechtecke mit den Buchstaben weckten Assoziationen zum Periodensystem der Elemente. Und tatsächlich fanden sich unter den Kürzeln genau zwölf, die für chemische Elemente stehen, das passte gut. Eines davon, Ds für Darmstadtium, lenkte die Aufmerksamkeit auf die Europakarte mit den sechs markierten Orten. Dort saß ein Kringel an der richtigen Stelle, um Darmstadt zu meinen. Denn dies war die "zusätzliche Gemeinsamkeit": Unter den zwölf Elementen waren sechs nach Orten in Europa benannt. Hafnium, Holmium und Lutetium sind aus den lateinischen (oder latinisierten) Namen von Kopenhagen, Stockholm und Paris abgeleitet, nämlich Hafnia, Holmia und Lutetia. Das schottische Bergwerksdorf Strontian gab dem Strontium seinen Namen. Und nach der Grube des Örtchens Ytterby, ganz in der Nähe von Stockholm, wurden gleich vier Elemente benannt: Yttrium, Ytterbium, Terbium und Erbium. Letzteres tauchte als Er im Rätsel auf.

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(Foto: Alamy Stock Photos/The History)

Sobald der Zusammenhang zwischen Europakarte und chemischen Elementen hergestellt war, ergab sich automatisch die Zusammensetzung der anderen Gruppe: Ad, Aw, Ch, El, Ij, Ki, Ni, Sc, Si, Ta, Te und Ti. Dies sei "eine vollständige Aufzählung", verriet das Rätsel noch. Zu welcher Zwölfergruppe passten diese Kürzel?

Es sind die Anfangsbuchstaben der zwölf Monate des jüdischen Kalenders: In der Abfolge des Jahreskreises heißen sie Tischri, Cheschwan, Kislew, Tewet, Schwat, Adar, Nissan, Ijar, Siwan, Tammus, Aw und Elul. Gesucht waren jene sechs Monate, deren Wortbeginn nicht zugleich ein chemisches Element abkürzt - und von diesen wiederum der "alphabetisch am weitesten hinten" stehende: also der KISLEW.

3. Die sagenhafte Reitfigur

Schon die Silhouette legte nahe, dass hier eine Dressurreiterin zu Pferde saß. Auch die Seitenverhältnisse des Platzes, eins zu drei, entsprachen einer etablierten Norm: Das kleine "Dressurviereck" misst 20 mal 40, das große 20 mal 60 Meter. Unkonventionell benahm sich indes das Pferd: Es exerzierte keine der üblichen Figuren, sondern steuerte einzelne Bahnpunkte an. So nennt man die Unterteilung der Bande in regelmäßigen Abständen, üblicherweise markiert durch Schilder oder Kegel. Schon seit rund einem Jahrhundert sind ihnen feste Buchstaben zugeordnet - aber in sonderbarer Anordnung, deren Grund heute nicht mehr bekannt ist: Auf der einen Längsseite heißen die Bahnpunkte K, V, E, S und H, auf der gegenüberliegenden Seite F, P, B, R und M. Die Mitten der kurzen Seiten bilden A und C. Auf der gedachten Mittellinie längs durchs Feld stehen zwar keine Kegel, aber unsichtbar die Buchstaben D, L, X, I und G.

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(Foto: Sabine Brose/Sorge)

Im Rätsel war nicht verzeichnet, von welcher Seite man aufs Dressurviereck blickte, aber üblicherweise werden die Planken beim Bahnpunkt A geöffnet, um einzureiten. Wenn man also annahm, der Ritt beginne dort, so führte er von A nach L, weiter zum B, machte kehrt in Richtung E ... und buchstabierte so den Namen des germanischen Zwergen- oder Elfenkönigs ALBERICH. Mit der "sagenhaften" war also keine kunstvolle Hufschlagfigur gemeint, sondern - buchstäblich - eine Sagenfigur.

4. Die tödliche Ruhestörung

Eine verdächtige Häufung von Todesfällen, nachdem das Grab eines Königs geöffnet wurde: Das erinnerte an die Schauergeschichten vom Fluch des Pharao. Unsere Geschichte spielte aber nicht in Ägypten, sondern im kommunistischen Polen - und zwar vor genau 50 Jahren: Am Freitag, den 13. April 1973 wagten Wissenschaftler die erste Bohrung ins marmorne Grabmal von König Kasimir IV. Er liegt in der Kathedrale des Wawel bestattet, der Festungsanlage auf dem Hügel in Krakau.

In den folgenden Wochen drangen die Forscher ins Grab des 1492 Verstorbenen vor. Nurmehr ein formeller Akt war dann die offizielle Öffnung im Beisein des Erzbischofs: Karol Woytyła, der spätere Papst Johannes Paul II., war Hausherr über diesen Teil des Wawels, denn auch in den Jahrzehnten des Kommunismus blieb die Kathedrale stets unter kirchlicher Verwaltung. Die Partei blieb auf Abstand zu den Vorgängen innerhalb der Kirchenmauern, entsandte keinen Vertreter zu Ehren des toten Königs, auch die weltliche Presse berichtete kaum. Als dann die seltsamen Todesfälle begannen, gingen zunächst nur Gerüchte um.

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(Foto: picture-alliance/BSIP/SGO)

Erst 1989, also mehr als ein Jahrzehnt später, machte ein Bestseller des Journalisten Zbigniew Święch die Geschehnisse weithin bekannt: In der Grabkammer mit dem verrotteten Holzsarg hatte man erhebliche Mengen des Schimmelpilzes Aspergillus flavus nachgewiesen. Dieser und verwandte Arten erzeugen hochgiftige Stoffe: Aflatoxine sind berüchtigt dafür, selbst in kleinsten Mengen zu Leberkrebs zu führen. Eine hohe Dosis kann aber auch zu Blutungen in anderen Organen und zu Störungen des Nervensystems führen (sogar direkte Pilzinfektionen der Luftwege sind möglich, aber selten). Es wird vermutet, dass einige der fünfzehn Todesfälle mit diesem Aspergillus zu tun hatten.

Sein Gattungsname kommt vom Aspergill, dem liturgischen Gerät, mit dem man Weihwasser versprengt: im schlichteren Fall ein Wedel mit Borsten. Die elegantere Ausführung war im Rätsel abgebildet, eine gelöcherte Metallkapsel am Griffstab, darin ein getränkter Schwamm. Und die Artbezeichnung "flavus" ist das lateinische Wort für gelb.

Neben KRAKAU galt natürlich auch das polnische, ebenfalls sechsbuchstabige KRAKÓW als korrekte Antwort. (Nur ganz am Schluss, auf dem Weg zum Lösungswort, führte allein die erstere Variante zum Ziel.)

5. Die Stadt, die Ziffer, der Planet

Dreierlei Buchstabenspielereien waren hier zusammengestellt. Zuoberst sah man Inseln auf einer Landkarte. Sie waren nicht leicht zu identifizieren, jedenfalls nicht mit gängigen Atlanten, denn nur wenige Druckwerke gönnen diesem Inselstaat einen vergrößerten Kartenausschnitt: Es war Kap Verde, rund 650 Kilometer vor der Küste des Senegal gelegen. Der Diercke-Weltatlas führt nicht mal die Hauptstadt Praia in seinem Register auf. Ersetzt man das i in Praia durch seinen Vorgänger im Alphabet, so erhält man Praha, den tschechischen Namen der Metropole Prag.

Das zweite Bild zeigte eine alte Schlagzeile, worin wir eine Ziffer unkenntlich gemacht hatten: "Hillary Clinton has an ...5% chance to win." Es lag nahe, dass es eine der vielen Fehlprognosen zur US-Präsidentschaftswahl 2016 war, die Donald Trump als Verlierer voraussagten. Zwar konnte man Teile dieser Schlagzeile googeln und fand sie dann auf der Website der New York Times - aber das war gar nicht nötig. Man musste bloß genau hinsehen: Da stand nicht "Clinton has a ...", sondern "Clinton has an ...", und dieses zusätzliche n erscheint im Englischen nur, wenn ein Vokal folgt. Eighty-five war der einzig mögliche Wert, die fehlende Ziffer eine 8.

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(Foto: Reimar Gaertner/imago images)

Und drittens eine Grafik des Sonnensystems, beschriftet in unbekannter Sprache. Noch dazu waren die Namen der Himmelskörper abgedeckt, nur die Anhängsel spitzten heraus: bei Jupiter die Unterlänge des p, im Namen der Erde ein y-Bogen, der letzte Buchstabe der Sonne trug eine Cedille. Doch das genügte, um die Sprache als Türkisch zu erkennen, Sonne und Erde heißen hier Güneş und Dünya.

Eine der wichtigsten Quellen für Lehnwörter im Türkischen war das Französische: Nicht nur allerhand Alltagswörter wie kuaför, otel, tuvalet oder sürpriz stammen dorther, auch die lateinischen Planetennamen wurden mit französischer Vokalfärbung übernommen. Auf Türkisch heißen sie Merkür, Venüs, Jüpiter, Satürn und Neptün. Zum Uranüs gibt es zwar die Variante Uranus, aber gesucht war ja nur ein einziger Himmelskörper ohne Trema, also ohne Pünktchenpaar: Das musste Mars sein, er heißt auch im Türkischen so.

Zusammen enthalten Praia, acht und Mars neun verschiedene Buchstaben. Ordnete man sie alphabetisch und strich dann den zweiten und sechsten (wie es der Hinweis "A→Z •×•••×•••" nahelegte), so konnte man aus den verbleibenden Buchstaben MITHRAS bilden, den indisch-iranischen Ordnungsgott, der später ein römischer Sonnengott wurde.

6. Die verdrehten Verse

Nicht nur, dass der kleine Text verschlüsselt war - zudem stammten diese Lettern aus dem frühen 16. Jahrhundert, als es noch keine normierte Rechtschreibung gab, und sie waren stellenweise unsauber gedruckt. Das alles machte es schwierig, einzelne Wörter zu identifizieren. Dabei standen sie einem fast vor Augen: Der Originaltext war lediglich rückwärts geschrieben - allerdings nicht im Ganzen umgedreht, sondern in Blöcken zu je fünf Buchstaben. Man musste also 5 4 3 2 1 5 4 3 2 1 ... lesen. Die Wortzwischenräume und Satzzeichen wurden dabei nicht mitgezählt, sie verblieben an Ort und Stelle, nur die Buchstaben drumherum waren fünferblockweise umzukehren. Dann gab sich der Text zu erkennen, ein uraltes Rätsel: "Es flog ein vogel federloß/auff einen baum platloß/kam die fraw mundtloß/fraß den vogel federloß."

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(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/picture alliance/dpa)

Diese Verse, die bis heute in Rätselsammlungen und Schulbüchern fortleben, sind mehr als tausend Jahre alt: Die früheste bekannte Fassung entdeckte man in einer Klosterhandschrift aus dem 10. Jahrhundert, damals freilich noch auf Lateinisch. Die Version in unserem Osterrätsel war die erste deutschsprachige, zu finden im "Straßburger Rätselbuch", einer Sammlung von Wissens-, Scherzfragen und Rätselversen, erstmals gedruckt um 1510. (Das Exemplar, dessen Buchstaben wir rätselhalber herumgeschoben hatten, war ein Nachdruck aus Nürnberg, zehn Jahre danach, heute verwahrt in der Staatsbibliothek zu Berlin.)

Der federlose Vogel ist der SCHNEE, der sich auf kahlen Ästen niederlässt. Frau Mundlos meint die Sonne, die ihn hinwegschmilzt. Oder wie es das Straßburger "Ratbüchlein" formuliert: "Der schnee viel auff ein baum on laub/der verzert die Sunn."

7. Der wortkarge Insulaner

Obwohl die Queen aufgeprägt war, konnte diese Münze nicht vom britischen Festland stammen: Dort sahen sie im Ausgabejahr 1998 anders aus. Der retuschierte Teil der Umschrift, von dem im Rätsel nur "A + A" übrig gelassen war, lautete "ST. HELENA + ASCENSION". Diese beiden Inseln bilden (gemeinsam mit einer dritten, Tristan da Cunha) ein eigenes britisches Überseeterritorium, weit draußen im Atlantischen Ozean: Sankt Helena liegt 1800 Kilometer vom nächsten Festland entfernt.

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(Foto: picture alliance/dpa/St Helena/PA Media)

Außerhalb des Königreichs verbindet man mit dieser Insel allenfalls zwei prominente Namen: Der eine ist Napoleon, 1815 dorthin verbannt und sechs Jahre später ebendort verstorben - aber im Rätsel offenbar nicht gemeint. Gesucht war stattdessen der zweitbekannteste Bewohner: die Riesenschildkröte JONATHAN, laut Guinness World Records das älteste lebende Landtier. Dabei ist Jonathans Alter durchaus nicht gesichert: Als er 1882 von den Seychellen nach Sankt Helena verbracht wurde, als Geschenk für den Inselgouverneur, sei er bereits ausgewachsen gewesen, heißt es. Dafür wird ein Alter von mindestens 50 Jahren angesetzt, Jonathan sei also 1832 oder früher geschlüpft, damit wäre er ein Zeitgenosse Goethes.

Obwohl dies bloße Schätzungen sind, zelebrierte man auf Sankt Helena im vergangenen Jahr den genau 190. Geburtstag der Riesenschildkröte, wohl vor allem, um Touristen zu locken. Die Jubiläumsmeldungen gingen durch die internationale Presse, und auch sonst wird immer wieder mal über Jonathan berichtet: etwa, wenn er seinen Panzer geschrubbt bekommt oder sich noch in reifem Alter mit seinen Mitschildkröten Emma und Fred paart. Auch die Regierung zu London war schon mit ihm befasst: 2018 reichte ein Mitglied des House of Lords die Anfrage ein, ob man Jonathans Grauen Star behandeln werde. Doch der Tierarzt auf Sankt Helena riet ab, eine Augenoperation sei zu riskant.

... und das geheimnisvolle Ei

Vor dem Hauptgewinn stand, wie immer, noch ein extraschwieriges Rätsel zum Schluss. Es galt, "ein ganz bestimmtes Ei" zu finden, "das Fachleuten über Jahrzehnte hinweg einiges Kopfzerbrechen bereitet hat". Die einzigen Hinweise waren kleine Zeichnungen bei jeder Frage: ein spitzer Schuh, eine Edelkoralle, eine Gliederkette ... Das wichtigste Indiz war aber der ernst blickende Herr mit hoher Stirn und markanter Nase: Dieses Gesicht hat man doch schon mal gesehen - bloß wo?

Sieben Fragen, sieben Antworten: Dieses Porträt des Federico da Montefeltro gehört zu den berühmtesten der Renaissance - doch es ist nicht das einzige, das ihn zeigt.

Dieses Porträt des Federico da Montefeltro gehört zu den berühmtesten der Renaissance - doch es ist nicht das einzige, das ihn zeigt.

(Foto: Imago/Heritage Images)

Auf einem der bekanntesten Porträts der Renaissance, heute ausgestellt in den Uffizien: Der Mann mit der roten Barett war Federico da Montefeltro, ein erfolgreicher Condottiere (heute würde man wohl sagen: Führer einer paramilitärischen Einheit) und daraufhin Herzog von Urbino. Sein charakteristisches Profil hatte sich bei einem Turnier im Jahre 1450 geformt: Um einer Dame zu imponieren, soll Federico mit offenem Visier geritten sein, eine Lanze zerstörte das Nasenbein und das rechte Auge. Daher zeigen Porträts ihn im Profil - nicht nur das eine in den Uffizien. Der Maler dieses berühmten Werks, Piero della Francesca, verwendete dieselbe Vorlage auch für ein großes Altarbild im Auftrag des Herzogs: die "Pala Montefeltro". Sie zeigt die Muttergottes mit dem Jesuskind, umgeben von Heiligen und Engeln. Davor kniet der Condottiere als Stifter. Doch der eigentliche Protagonist ist ein Ei, das an einer goldenen Kette herabhängt: Ihm allein scheint die obere Bildhälfte zu gehören, während sich sämtliche Figuren in der unteren drängen.

In früheren Jahrhunderten war es nicht unüblich, Straußeneier in Kirchen aufzuhängen, insbesondere über Altären. Aus verschiedenen Teilen Europas sind entsprechende Zeichnungen und Berichte überliefert - wenngleich nicht sicher ist, welche Symbolik damit verbunden war (oder ob sie als bloße Mirabilien dienten, als lockende Wunderdinge). Auf der Pala Montefeltro, so lautet eine Interpretation, wäre das Ei demnach das einzige Objekt, das diesen tempelartigen Raum als Kirche definiert.

Abgesehen vom Ei waren auf dem Gemälde auch die sieben gezeichneten Motive des Osterrätsels zu entdecken: ein Stück Koralle an der Halskette des Jesuskindes, der Schuh am Fuß eines Engels ... Dieses Bild musste also der Schlüssel zum Lösungswort sein.

Ein Strahlenkranz, unterteilt in 18 gleichmäßige Segmente, umgab das Ei im Rätsel. Übertrug man diese Einteilung aufs Gemälde, so kam jedes der sieben Objekte in einem Segment zu liegen. Zu beachten war dabei: Das Ei im Rätsel stand auf seinem stumpfen Pol, sein schmaler zulaufendes Ende wies nach oben - auf der Pala Montefeltro jedoch hängt das Ei kopfüber. Entsprechend war auch der Strahlenkranz herumzudrehen, erst dann war jedes Segment mit der richtigen römischen Zahl bezeichnet. Sie verriet, welcher Buchstabe aus welcher Antwort zum Lösungswort gehörte. Zum Beispiel die deutende Hand bei der Rätselantwort STRASSBURG: Es war die Hand Johannes des Täufers, zu finden im Segment mit einer IV, was bedeutete, den vierten Buchstaben der Antwort zu wählen, also das A.

Sieben Fragen, sieben Antworten: Eva Kraemer aus Hamburg war eine von 716, die das Lösungswort fanden - und hatte Glück bei der Verlosung: Das Naturkundemuseum Bamberg öffnet ihr all seine geheimen Türen. Bei den Gewinnerinnen und Gewinnern der Bücher melden wir uns noch.

Eva Kraemer aus Hamburg war eine von 716, die das Lösungswort fanden - und hatte Glück bei der Verlosung: Das Naturkundemuseum Bamberg öffnet ihr all seine geheimen Türen. Bei den Gewinnerinnen und Gewinnern der Bücher melden wir uns noch.

(Foto: Thomas Hülsenbusch)

Manches schien zunächst uneindeutig. So zeigt das Gemälde nicht nur eine, sondern zwei Gliederketten: An einer hängt das Ei, die andere schmückt ein Engelsgewand. Doch gleichgültig, welche man wählte: Beide Ketten fanden sich in Segmenten mit der Zahl III. Auch blutende Mönche gab es gleich zwei zu sehen: Franz von Assisi soll frömmigkeitshalber Stigmata entwickelt haben, Petrus von Verona mit einer Klinge im Schädel gestorben sein. Der kleine Säbel bei den Blutstropfen im Rätsel deutete an, dass Letzterer gemeint war.

In welche Reihenfolge die Lösungsbuchstaben gehörten, ergab sich bei der digitalen Ausgabe des Rätsels fast von selbst: Sie waren einfach von oben nach unten zu lesen. In der gedruckten Zeitung musste man einmal im Uhrzeigersinn um das Ei herum lesen, beginnend und endend bei seiner gedachten Aufhängung, also unten. So buchstabierte sich ALBUMEN, das biologische Fachwort nicht für das Gelbe vom Ei, sondern für das fast Farblose - gemeinhin Eiweiß oder Eiklar genannt.

Sind noch Fragen offen? Was hat Ihnen gefallen, was sollen wir nächstes Mal verbessern? Wir freuen uns auf Ihre Mail an osterei@sz.de

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