Wenn ich Google Maps bitte, mich nach Hause zu lotsen, lande ich in Tübingen, einer Stadt, in der ich seit mehr als zwei Jahren nicht mehr lebe. Weil ich mich aber noch nie irgendwo so zu Hause gefühlt habe wie in der schwäbischen Kleinstadthölle, wo ich mit meinem Freund während meines Master-Studiums gelebt habe, habe ich es bisher nicht übers Herz gebracht, meine neue Adresse als Zuhause einzuspeichern. Seit Kurzem ist meine neue Adresse schon wieder meine alte. Ein paar Tage vor Weihnachten habe ich meine acht Kisten, drei Pflanzen und zwei Ikea-Tüten mit Schuhen und Krimskrams 500 Kilometer weiter nördlich bei meiner Mutter im Keller untergestellt. Noch passt das alles in einen Kleinwagen. Ich mache das immer so, wenn mein Leben im Umbruch ist, meine Mutter nennt ihr Haus in einem 1000-Einwohner-Dorf in Hessen deshalb Base-Camp. Bei meinem letzten Besuch meinte meine Mutter recht beiläufig, dass sie darüber nachdenke, sich zu verkleinern. Natürlich nicht, bevor mein Bruder und ich nicht auf festem Boden stehen, keine Sorge.
Erwachsen werdenAuf der Suche nach einem Zuhause
Lesezeit: 7 Min.

Zehn Mal ist unsere Autorin in den vergangenen zehn Jahren umgezogen. Jetzt stehen ihre Kisten wieder im Keller ihrer Mutter, und mit fast 30 fragt sie sich: Wie findet man eigentlich einen Ort, an dem man bleiben möchte?
