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Studie: Familie im Alltag:Chaos macht Kinder dick

Unstrukturierte, gestresste Eltern können die Gesundheit ihres Nachwuchses beeinträchtigen. Was Kinder stark macht, sind Rituale.

Öffentliche Debatten zu Übergewicht, psychischen Problemen und Lernschwächen bei Kindern haben Eltern zunehmend verunsichert. Sie fragen sich: Was brauchen Kinder, um sich in einer von Materialismus und Medien geprägten Welt zu behaupten? Frühkindliche Förderung, ausgewogene Ernährung, einen guten Kinderpsychologen?

Eltern

Planlose, gestresste Eltern können die Gesundheit ihrer Kinder beeinträchtigen Was eine Familie braucht, sind Rituale und Regeln.

(Foto: online.sdeleben)

Eine mögliche Antwort hat nun eine Studie im Auftrag der AOK gefunden, die beleuchtet, inwiefern sich die Gesundheit der Eltern auf ihren Nachwuchs auswirkt: Was Kinder brauchen, sind ausgeglichene Eltern, Rituale und Regeln.

Wie die Familienstudie belegt, haben Kinder aus Familien, die kaum Rituale und Gemeinschaft pflegen, auch ein entsprechendes höheres Krankheitsrisiko. Ein hektischer, strukturloser Alltag führt demnach auch beim Nachwuchs verstärkt zu psychischen und körperlichen Problemen. "Die Studie zeigt, dass es bei der Gesundheit der Kinder hauptsächlich auf die Einstellung und das Vorbild der Eltern ankommt", sagte Jürgen Graalmann vom AOK Bundesverband.

Nach den Ergebnissen der repräsentativen Studie, bei der bundesweit mehr als 2000 Mütter und Väter zum Alltag mit ihren 4- bis 14-jährigen Kindern befragt wurden, verfügen Deutschlands Eltern zwar über Wissen in Erziehungsfragen. Allerdings wissen sie oft nicht, wie sie es umsetzen sollen - etwa, wenn es um das Thema richtige Ernährung geht.

In jedem Fall legen deutsche Väter und Mütter großen Wert auf gemeinsame Mahlzeiten, Familienrituale und gemeinsame Zeit mit ihren Kindern. Aus gutem Grund: In Zeiten, in denen der familiäre Alltag stark individualisiert ist und immer mehr auseinanderbricht, Traditionen in den Hintergrund rücken und der Druck auf die Kinder steigt, rückt der Wunsch nach Sicherheit und einem geregelten Ablauf immer mehr in den Vordergrund.

Keine Frage des Einkommens

Glücklicherweise ist das Einhalten von Ritualen keine Frage des Einkommens oder der Bildung: "Es sind nicht die besonderen, sorgfältig vorbereiteten Extras im Tagesablauf, die eine gute Gesundheitsbildung sichern, sondern es sind die scheinbar unbeabsichtigten, dauerhaften und regelmäßigen Selbstverständlichkeiten des Handelns, die den Kinder gesundheitlich gut tun", betonte der Leiter der Studie, Klaus Hurrelmann.

Wie der Sozialforscher erklärte, würden sich vor allem regelmäßige gemeinsame Mahlzeiten positiv auf das Gewicht von Kindern auswirken, wobei sich das Frühstück als besonders wichtig erwiesen habe. "Kein regelmäßiges gemeinsames Frühstück mit den Kindern erhöht die Wahrscheinlichkeit des kindlichen Übergewichts um das 1,6-fache", so Hurrelmann. Tägliche Rituale und ein geregelter Tagesablauf reduzieren laut Studie nicht nur das Risiko für kindliches Übergewicht, sondern können auch vor Stressreaktionen wie etwa wiederkehrenden Kopf- und Bauchschmerzen oder Schlafstörungen schützen.

Ein weiteres interessantes Ergebnis hat die Studie ans Licht gebracht: Eltern, die unter starken Belastungen leiden, sind auch in der Erziehung verunsichert - was sich wiederum negativ auf die Kinder auswirkt. Mit anderen Worten: Entspannte Eltern, die sich regelmäßig eine Auszeit gönnen, fördern damit auch die Gesundheit ihrer Kinder.

© sueddeutsche.de/dpa/ddp/AP/vs

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