Streit um Anrede "Mademoiselle" Adieu, Fräulein!

In Frankreich sind ledige Frauen noch immer gezwungen, sich bei Behörden als "Mademoiselle" zu outen. Französische Feministinnen kritisieren die Regelung und rufen zum Kampf gegen die "sexistische und diskriminierende" Anrede auf.

"Haben Sie sich nie gefragt, warum man einen unverheirateten Mann nicht Herrlein (Mondamoiseau) nennt?" - mit dieser provokativen, aber durchaus berechtigten Frage beginnt der Aufruf einer Kampagne französischer Feministinnen.

Auf einem französischen Behördenformular wird noch immer verlangt, dass sich ledige Frauen als "Mademoiselle" outen. Dieser Antrag auf eine Sozialwohnung wäre ungültig, wenn die Antragstellerin sich als "Madame" bezeichnen würde.

(Foto: dpa)

Wenn es nach den Frauenrechtlerinnen geht, sollte das französische Wort für Fräulein besser heute als morgen aus dem Wortschatz der Weltsprache gestrichen werden. Das in Frankreich noch immer weit verbreitete Synonym zum deutschen Fräulein steht ihrer Ansicht nach für die Ungleichheit von Mann und Frau.

Vor allem Behörden und Unternehmen sollten die Unterscheidung zwischen "Madame" (verheiratet) und "Mademoiselle" (ledig) mit sofortiger Wirkung aufgeben. Laut eines Berichts der Daily Mailbezeichnete die EU-Kommission die Unterscheidung in "ledig" und "verheiratet" bereits 2009 als politisch inkorrekt und veröffentlichte entsprechende Richtlinien. Dennoch ist es in Frankreich bis heute üblich, dass ledige Frauen sich auf Behörden- oder Unternehmensformularen als unverheiratet "outen" müssen, indem sie sich als "Mademoiselle" bezeichnen. Schlimmer noch: Wer das Kreuzchen an der falschen Stelle macht, riskiert, dass Verträge wegen falscher Angaben für ungültig erklärt werden.

2007 gab es erstmals eine Klage bei der Antidiskriminierungsbehörde, weil eine Präfektur von einer Frau 145 Euro dafür kassieren wollte, aus der "Mademoiselle" in ihren Fahrzeugpapieren eine "Madame" zu machen. Eine gesetzliche Grundlage für die Unterscheidung gibt es allerdings nicht.

"Seit mehr als 40 Jahren werden Verwaltungen mit Rundschreiben darin erinnert, dass Frauen kein Dokument vorenthalten werden darf, weil sie den Titel "Madame" gebrauchen wollen", schimpfen die Feministinnen. Dennoch hätten es viele Frauen immer noch schwer, ihre Rechte durchzusetzen.

Relikt einer legalisierten Bevormundung

Der Titel "Mademoiselle" erinnere an eine Epoche, in der die Frauen mit der Heirat von der Obrigkeit des Vaters in die Obrigkeit des Ehemannes übergeben wurden, heißt es in ihrem Aufruf zu Protestbriefen an Regierungsmitglieder und Parlamentarier.

In Deutschland ist der Gebrauch des Wortes "Fräulein" auf Behördenformularen bereits seit 1972 tabu. Damals gab das Bundesinnenministerium die Weisung aus, volljährige Frauen auch als solche zu bezeichnen. In Kanada gilt der Begriff sogar als Beleidigung, merken die Gruppen "Osez le féminisme!" (deutsch: Mut zum Feminismus) und "Chiennes de garde" (Wachhündinnen) an.

Amerikanische Feministinnen kämpfen nach wie vor dafür, "Miss" als Anrede abzuschaffen. Mittlerweile hat sich in den USA immerhin durchgesetzt, dass Wörter wie "chairman" durch "chairperson" ersetzt werden und dass auf geschlechtsneutrale Bezeichnungen wie "the teacher" nicht mehr mit "he" sondern mit "he or she" verwiesen wird.

Kompliment, junges Fräulein!

Dass manche Frauen ab 35 den Begriff "Mademoiselle" durchaus als Kompliment für ihre jugendliches Aussehen werten, verstehen die Feministinnen nicht. Auf diese Art Wertschätzung können die Frauenrechtlerinnen gut verzichten: In dem Wort "ledige Frau" schwinge mit, dass eine Frau verfügbar sei. Dies sei keineswegs schmeichelhaft, finden die Aktivistinnen.

In Deutschland werden die Berührungsängste mit dem Wort mittlerweile schon wieder abgebaut. Seit dem vergangenen Jahr nennt sich eine neue Zeitschrift selbstbewusst Fräulein. "Für Frauen, die noch Mädchen sind", heißt es in der Werbung.

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