Stilkritik: Michelle Obama Die Sprache der Mode

Michelle Obama ist längst zur Stil-Ikone geworden. Kein Wunder - jeder Auftritt der First Lady ist eine kleine Modenschau.

Von Ulrike Bretz

Die Mütze tief ins Gesicht gezogen, das Kinn im dicken Schal vergraben und die Hände tief in Mäntel und Daunenjacken gesteckt - so harrten die rund zwei Millionen Obama-Fans am gestrigen Inaugurationstag in Washington aus. Es war zwar ein sonniger, aber frostiger Wintertag.

Endlich ist die Frage aller Fragen beantwortet: Was trägt Michelle Obama zur Inaugurationsfeier?

(Foto: Foto: dpa)

Natürlich warteten sie auf Barack Obama, ihren künftigen und - nun endlich ernannten - Präsidenten, der eine Zeitenwende bedeutet.

Aber viele, sehr viele sogar, warteten auch gebannt auf den Augenblick, da Michelle Obama auf die Bühne treten würde. Denn bereits lange bevor ihr Mann die Hand zum Schwur hob, hatten die Amerikaner sie zur neuen Stilikone, zu ihrer "Michelle O." ernannt. Die Frage aller Fragen lautete schon Wochen vor der Amtseinführung: Was wird sie tragen?

Für die weiblichen Fans bedeutet Michelle Obama eine modische Zeitenwende. Vorbei die Zeiten fader unifarbener First-Lady-Kostüme. Michelle traut sich was. Sie mixt Maßgeschneidertes mit Casual Wear und legt sich auf keinen Designer fest. Wem also würde sie an diesem Abend den Zuschlag geben?

Sie trat auf ganz in ..., ja, in was eigentlich? Mode-Blogs wie mrso.org, die sich ausschließlich mit dem Erscheinungsbild der First Family auseinandersetzen, und Mode-Experten sprechen von Sonnengelb, Lemongrass oder aber Gold.

Isabel Toledo entwarf das Kleid und den verzierten Mantel - sie selbst sagt: "Ich wollte eine sehr optimistische Farbe wählen - die Farbe von Sonnenschein." Miss Toledo, gebürtige Kubanerin, die seit 25 Jahren in New York Mode macht, wollte die neue First Lady in schmeichelndes Tuch hüllen, das "Michelle Obama und die Menschen entzückt". Das Gelb war willkommener Blickfang in der dunklen Menge, und es stand Michelle Obama, wie es einer Hillary Clinton oder Laura Bush nie hätte schmeicheln können.

Das Outfit hatte aber auch eine andere, nicht zu unterschätzende Funktion, außer Fashion-Addicts zu verzaubern: Es musste die Präsidentengattin warm halten. Als Zuschauer fror man ja bereits beim Anblick des offenen Mantels und gerade einmal knielangen Kleides. Doch Isabel Toledo hatte zu Schweizer Wolle und französischer Seide gegriffen - Garanten für Wärme, auch bei Januartemperaturen.

Das Dress entstand während der Weihnachtsferien, chinesische, polnische und spanische Schneiderinnen arbeiteten daran. Wieder ein persönliches Statement, wie es Michelle Obamas Modestil nachgesagt wird? Michelle Obama, die es wie ihr Mann versteht, verschiedene Einflüsse zusammenzubringen?

Am Abend war dann der große Auftritt von Jason Wu. Der 26-jährige, aus Taiwan stammende Designer zeichnete für das Ballkleid der Michelle O. verantwortlich: Er schickte die First Lady im winterweißen, bodenlangen Chiffon auf die Tanzfläche. Sein Clou: Der Stoff fiel weit über der Hüfte, legte eine Schulter frei und war lediglich mit einer Diamantbrosche verziert.

Während ihr Mann redet, lässt Michelle Obama ihre Mode sprechen. Als wolle sie uns sagen: "The mix is the message." Doch sicherlich hat diese Frau künftig noch viel mehr zu sagen.

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