Stilkritik: Die Fußfessel Klotz am Bein

In Strafvollzugskreisen wird bereits von einem "Trend" gemunkelt: die elektronische Fußfessel ziert immer mehr Beine. Höchste Zeit, dass sich die Luxusindustrie des derzeit exklusivsten Accessoires annimmt.

Von Tanja Rest

"Diese Welt ist ein einziges großes Narrenhaus, wo Irre andere Irre in Ketten legen." Das hat Voltaire formuliert, und da kann man nur sagen: Bravo.

Soll nicht länger aussehen wie ein Klotz am Bein: Die elektronische Fußfessel.

(Foto: Foto: ddp)

Betrachten wir beispielsweise die ansonsten gazellengleiche Fußpartie der Schauspielerin Lindsay Lohan, aufgenommen beim Spaziergang durchs frühlingshafte Beverly Hills: die Wade von einem zarten Sommerkleidchen umflattert, der Fuß selbst auf einem farblich tadellos korrespondierenden Peeptoe mit Keilabsatz und Gittermuster ruhend - und dazwischen ein bleigrauer Wulst, in dem der Knöchel festklemmt wie die Bulette im Big Mac.

Was anderes ist dieser Knöchel als ein Schrei nach mehr Feingefühl und Eleganz in einer hoffnungslos irren Welt? Immer langsam, mag man einwenden, 1,8 Promille am Steuer eines spritfressenden Hummer H1 sind jetzt auch nicht unbedingt die feine Art.

Es hilft eben nichts, der Mensch ist schlecht - neben Roman Polanski und Miss Lohan hatten auch Boy George (Sänger), Michelle Rodriguez (Schauspielerin) und Martha Stewart (TV-Hausfrau) die elektronische Fußfessel bereits am Knöchel. In Strafvollzugskreisen wird bereits von einem "Trend" gemunkelt.

Höchste Zeit, dass sich die Luxusindustrie endlich des derzeit exklusivsten Accessoires annimmt, damit es nicht länger aussieht wie ein Klotz am Bein. In der Louis-Vuitton-Ausführung könnten wir uns etwa ein krokoledernes Modell in der Trendfarbe Nude vorstellen, mit ein paar Strasssteinchen, Goldbeschlägen und natürlich dem begehrtem LV-Logo verhübscht. Ein todsicherer Renner! Wenn auch mit begrenzter Reichweite.