bedeckt München 29°

Stilkritik: Der Kuh-Mantel:Die Kuh ist vom Eis

Kronprinzessin Maxima der Niederlande gilt schon lange als Trendsetterin. Jetzt trug sie bei der Fußball-WM maßgeblich zur Beseitigung eines niederländischen Problems bei.

Claudia Fromme

Vor Jahren erreichten uns dramatische Nachrichten aus dem Nachbarland: Den Niederländern gehen die Kühe aus. Immer seltener ward das Wahrzeichen auf den Weiden gesichtet. Die EU hat es verbockt, mit der Milchquote und dem folgenden Hofsterben. Hilflos suchten Touristen auf Leihfietsen nach dem traditionell schwarzbunten Milchvieh. Sie beschwerten sich lautstark, worauf sich die Politik der Sache annahm. Der Landwirtschaftsminister schlug eine Prämie für jede Kuh vor, die ein Bauer auf die Weide stellt. Marketingexperten empfahlen Imagekampagnen für das friesische Fleckvieh.

98505103

Kronprinzessin Maxima, hier neben ihrem Gatten Kronprinz Willem-Alexander, liebt Kleidung mit bunten Farben und kräftigen Mustern.

(Foto: afp)

Während sich die Kreativagenturen für Jahre zurückzogen, um ein Bekenntnis zur Kuh zu erarbeiten, kam Hilfe von ungeahnter Seite: aus dem königlichen Palast. Da lebt Kronprinzessin Máxima, ob ihrer Biographie ausgewiesene Expertin für das Problem. Sie stammt aus Argentinien, dem Land, in dem so viele Rinder draußen stehen, dass sie mit ihren Abgasen den Klimawandel beschleunigen.

Weil sie aber auch die Tochter von Jorge Zorreguieta ist, der Landwirtschaftsminister in einer Militärdiktatur war, in der Zehntausende Menschen verschwanden, schwärmt sie öffentlich lieber von der holländischen Kuh als der argentinischen. Neben der königlichen Farbe des Hauses Oranje-Nassau trägt sie daher gern: Kuh. Des öfteren wurde Máxima schon mit Mode im Fleckviehstil gesichtet, was gerade in Friesland, wo die meisten Schwarzbunten leben, bejubelt wird. Und natürlich war es Ehrensache, dass sie zum WM-Halbfinale gegen Uruguay in Kapstadt mit einem Kuhmantel erschien.

Die Imagekampagne scheint zu wirken, offenbar gibt es wieder mehr der niederländischen Wahrzeichen auf den Weiden. Unlängst forderte der Naturkundehistoriker Bert Theunissen sogar, den Löwen im Staatswappen schleunigst durch eine Kuh zu ersetzen. Damit würde wieder jeder die Niederlande verbinden. Die Kuh ist vom Eis.

© SZ vom 07.7.2010/fris

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite