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Stilkritik: Catherines Brautkleid:Der Schleier ist gelüftet

Die Hochzeitsrobe? Nun ja, sie ist weiß, lang und hat eine Schleppe - kein Grund, hysterisch zu werden oder in Ohnmacht zu fallen. Mit anderen Worten: Kate hat mit der Wahl ihres Kleids alles richtig gemacht.

Violetta Simon

Na endlich. Nun durften wir es sehen, das Brautkleid. Zur allgemeinen Überraschung ist es weiß, lang und schlicht. Der Schleier ist ebenfalls schlicht, die Schleppe gerade so lang, dass sie als solche bezeichnet werden kann. Das Diadem ist hübsch, auch wenn Kate nicht Dianas "love knots" trägt, die schon Queen Elizabeth bei ihrer Trauung trug. Und ja, bei der Robe handelt es sich, wie vermutet, um einen Entwurf von Sarah Burton aus dem Hause Alexander McQueen.

Britain's Prince William and Catherine, Duchess of Cambridge, walk up the aisle after their wedding ceremony in Westminster Abbey, in central London

Eine Mischung aus Tradition und Moderne: Auf Kate, die von heute an Catherine genannt wird, ist Verlass.

(Foto: REUTERS)

Was hatten wir eigentlich erwartet? Dieses Kleid ist wie Kate: Es gefällt, ohne hysterischen Kreischalarm auszulösen. Ein schöner Anblick, ohne den Atem zu rauben. Für eine Robe von Burton habe Kate sich entschieden, weil sie Tradition mit Moderne kombinieren wolle, hieß es aus dem Buckingham Palast. So ist sie, unsere Kate: Immer auf dem goldenen Mittelweg, eine solide Mischung aus bewährt und jung.

Ebenso ist auch das Brautkleid: Der wallende Stoff bedeckt vieles, doch die transparente Spitze und der körpernahe Schnitt um die Taille zeigen einiges - zum Beispiel, dass die Braut des Prinzen wesentlich dünner ist als noch bei der Verlobung.

Eine schulterfreie Robe wäre undenkbar gewesen für eine Prinzessin. Doch auf einen hochgeschlossenen Kragen hat Kate verzichtet: Arme und Dekolleté sind bedeckt mit Spitze, die an der Royal School of Needlework von Hand gefertigt wurde. Die Spitze mündet durchaus reizvoll in ein V-förmiges Dekolletés - und endet doch genau rechtzeitig.

Und auch wenn die Arme bis zu den Handgelenken züchtig bedeckt sind, so lässt die Spitze zwischen den Blumenmotiven - Rosen, Kleeblatt, Osterglocke und Distel repräsentieren Symbole des Königreichs Großbritannien - genug Haut durchscheinen. Auch wenn der Schleier großzügig über die Schultern der Braut fließt, so verbirgt er doch weder Kates Lächeln noch ihr Haar, das sie auch heute offen trägt.

Ihrem Friseur gegenüber soll Kate nur den einen Anspruch formuliert haben: "William sollte mich wieder erkennen". Genau das ist es, was auch jeder andere von Kate erwarten darf: dass sie sich niemals verstellt.

Auf die Frage, ob sie das Hochzeitskleid für Kate entwerfen würde, hat Vivienne Westwood einmal geantwortet: "Ich hätte wirklich gern ihr Brautkleid entworfen, aber wir müssen abwarten, bis sie in puncto Styling ein bisschen aufholt" - eine Äußerung, die nicht nur wunderbar überheblich klingt, sondern von großer Ignoranz zeugt. "In puncto Styling aufholen" - eben das würde die Frau von Prinz William niemals tun.

Und genau deshalb hat Kate mit der Wahl ihres Kleides alles richtig gemacht. Auch wenn sie von nun an Catherine heißt: Wir werden sie stets erkennen. Auch, und gerade, in einem Brautkleid von Sarah Burton.

© sueddeutsche.de/bgr
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