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Steve McQueen:King of Cool

Steve McQueen setzte immer wieder Trends. Sein größter Coup gelang ihm 1968. Als Großstadtcop verschaffte er dem Rollkragenpulli seine Renaissance.

Wahrscheinlich hätte er alles tragen können und hätte gut darin ausgesehen. Tatsächlich hat er fast alles getragen und gut ausgesehen dabei. Selbst im Matrosenanzug spielte Steve McQueen den großen Frank Sinatra als Sidekick an die Wand ("Wenn das Blut kocht") und Yul Brynner hasste die Arbeit mit ihm in "Die glorreichen Sieben": Der Newcomer fuchtelte ständig mit Gewehren, wirkte leicht und lässig im Cowboyoutfit, Brynner dagegen ziemlich griesgrämig.

Steve McQueen Bullitt; Warner Bros.

Großstadt-Eleganz: Frank Bullitt ist glücklich darüber, dass er von Steve McQueen gespielt wird.

(Foto: Foto: Warner Bros.)

Durchschnitt ging nicht, McQueen wollte Star sein. Ende der fünfziger Jahre ließ er sich wie James Dean ablichten, und früh hatte er Allüren: Um ein Haar hätte er die Produktion von "Gesprengte Ketten" platzen lassen, weil er seine Rolle nicht gaubwürdig genug fand. Man einigte sich: danach durfte sein Charakter mit einem Motorrad im weiten Stalag-Pulli über einen Stacheldrahtzaun springen. So viel zur Glaubwürdigkeit.

Authentizität war bei ihm immer auch Stilfrage. Für "Thomas Crown ist nicht zu fassen" und "Getaway" ließ er sich Brillen anfertigen - stilbildende, legendäre Accessoires, mal mit dickem Rahmen, mal ohne.

Die Outfits wechselten beim größten Verkleidungskünstler Hollywoods immer wieder. Die besten McQueen-Filme sind zugleich auch perfekte Stilübungen, allen voran "Bullitt". Als Großstadtcop findet der Schauspieler endgültig zu sich selbst, zu einer ruhigen, virilen Eleganz, das Röhren der frühen Tage überlässt er dem Motor. Rollkragenpulli im Sakko an Ford Mustang - die umwerfende McQueen-Kombi.

In der Mitte des Films findet sich dann eine kleine, entscheidende Szene. Bullitt steigt aus seinem Mustang, rechtes Bein voran, kurze Verzögerung, weitere Schritte, das Bein pendelt aus, die Tür wird zugeschlagen. Alles andere als natürlich ist die Bewegung, nur für die Kamera gedacht. Der Ablauf müsste grotesk wirken, aber Steve McQueen wird hier zur Ikone des Cool - mit federnd sicherem Gang.

Und wenn es dann kurz danach zu einer der wichtigsten Verfolgungsjagden der Filmgeschichte kommt, wird das Stahlnerven-Image vom Rollkragen her gestützt. Natürlich forderte McQueen von seinem Regisseur ein, dass das Fahrerfenster ständig offen bleibt - er lenkte den Wagen über weite Strecken selbst. Und der stets sichtbare Rollkragen wurde zum ruhenden Element der zugigen Extremsituation. In der größten Action noch die unverrutschte Note des Gentleman.

Beinahe könnte man vergessen, dass die Handlung des Films sich auf ein Unfallprotokoll zusammenschnurren ließe. Aber um Handlung geht es nicht, sondern um Haltung: Jede überschüssige Zeile Text hat sich McQueen aus dem Drehbuch entfernen lassen, die langen Blicke waren Statements. Auf dem Filmplakat die Kombi Pullover/Halfter: Die Pistolenhalterung hat er sich von Dave Toschi, dem Jäger des Zodiac-Mörders, abgeschaut und maßfertigen lassen. Danach wollten alle Filmcops hart sein. McQueen setzte sich an die Spitze der Meute.

Rennfahren als Lebensprinzip

Pierre Cardin muss ihm irgendwann dafür gedankt haben, dass er dessen Rollkragen unter Sakko im öffentlichen Leben New Yorks 1967 zeigte - und dann ein Jahr später im Film unsterblich machte. Davor trugen nur Beatniks und Sportsmänner das Modestück.

Aber es steht auch für McQueens Charakter wie kein Zweites: Eine melancholische Eleganz, die die Verletzlichkeit des Stars erahnen lässt, der sensibel und rastlos war. In Rennfahrerfilm "Le Mans", in dem er den Schutzoverall als konsequente Fortsetzung dieses Prinzips trägt, sagt er einen Satz, der zu den Filmen und dem Leben des Schauspielers gleichermaßen passt. "Rennfahren ist Leben, die Zeit zwischen den Rennen ist nur Warten."

Den Loner nahm man ihm ab, den Rebellen, aber er wusste eben auch genau, wie man zur Stilikone wird. Seine letzte Frau Barbara erinnerte sich aber an ein beschauliches Privatleben. "Der Steve McQueen, den ich kannte, war ein Mann mit einem einfachen Geschmack. Er trug Jeans, Holzfällerhemden, Chukka-Boots, Shirts und Fernfahrerkappen." Als McQueen dagegen gefragt wurde, wie er einen Polizisten zu spielen gedenke, zögerte er nicht lange: "Ich werde einen Rollkragenpulli tragen."

Bei Steve McQueen wirkte selbst Wolliges noch männlich. Der klassische Rollkragenpulli-Look ist einen Versuch für Normalsterbliche wert. Nicht zu füllig darf es sein - weder der Körper noch das Accessoire (in allen Preisklassen; ganz oben: schwarzer Cashmere-Pullover, Ralph Lauren Purple Label oder die Ausführung in Wolle und Seide, Boss Black). Statt Halfter empfiehlt sich ein schmales Cord-Sakko. Ach ja, fehlt noch der Mustang: Da gibt es 2008 zum 40. des Films eine Neuauflage - leider nur per Import erhältlich.

Sie haben einen Stil geprägt mit einem Kleidungsstück oder einem Accessoire, das nicht nur sie definiert, sondern Generationen von Menschen beeindruckte: die Unverwechselbaren. sueddeutsche.de stellt in einer Serie diese Personen vor, das Accessoire - und wir sagen, wo man das stilsichere Kleidungsstück heute noch bekommt.

Steve McQueen

Ikone des Cool