Sternenpark bei Berlin Behüter der Nacht

Der Sternenhimmel wird an vielen Orten vom Licht der Städte getrübt. Nicht so im Westhavelland bei Berlin.

Das Licht der Städte trübt den Blick auf die Sterne. Doch im Westhavelland bei Berlin ist es so dunkel, dass die Region nun erster "Sternenpark" Deutschlands ist. Die Bewohner fühlten sich anfangs aber "wie Eskimos, denen ein Kühlschrank verkauft werden soll".

Von Jens Schneider

Als der Astronom Andreas Hänel sich zum ersten Mal auf den Weg ins Westhavelland machte, trieb ihn die Aussicht auf ein Phänomen, das auf der ganzen Welt sehr selten geworden ist. Er suchte absolute Dunkelheit. Sein Weg führte ihn in den Naturpark westlich von Berlin, 65 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. In diese dünn besiedelte Landschaft ließ er sich vom GPS leiten, hin zu dem Punkt, wo ihm große Dunkelheit versprochen war.

Hänel hatte das Gefühl, ins Nichts zu fahren, "aber es war eine zweispurige Straße, die mich an diesen Punkt zwischen Görne und Witzke führte." Dort meldete sein Messgerät eine Dunkelheit, wie der weit gereiste Astronom, der im Hauptberuf das Planetarium von Osnabrück leitet, sie noch nie erlebt hatte. Ein Paradies für Sternengucker wie ihn, und für jeden, der die Weite des Nachthimmels mit eigenen Augen begreifen will. Denn je dunkler der Himmel, desto heller die Sterne: Im Westhavelland kann man die Milchstraße mit ihren vielen Tausend Sternen erfassen wie an wenigen Orten auf der Welt, auch ohne jede Technik. Deshalb ist der Naturpark in Brandenburg jetzt als erster deutscher "Sternenpark" eingestuft worden.

"Die Nacht schützen"

Weltweit gibt es bislang 24 solche Sternenparks, acht liegen in Europa. Den Titel vergibt die "Internationale Gesellschaft zum Schutz des dunklen Nachthimmels - IDA". Der Nachthimmel werde Jahr für Jahr um drei bis sechs Prozent heller, sagt Christopher Kyba von der IDA. "Wir versuchen, die Nacht zu schützen." Beim Einsatz gegen die "Lichtverschmutzung" geht es auch um die Bewahrung der Natur, etwa den Schutz des Lebensraums nachtaktiver Tiere. Bei schon idealen Bedingungen verpflichteten sich die Gemeinden im 1315 Quadratkilometer großen Naturpark auf eine Beleuchtungsrichtlinie, die besonders schonende, voll abgeschirmte Straßenlaternen vorsieht.

Zu Anfang seien manche skeptisch gewesen, sagt Jens Aasmann, Direktor des kleinen Amtes Rhinow, einer der Gemeinden: Warum sollten die wenigen hier lebenden Menschen sich darauf einlassen, wo doch ohnehin nachts tiefe Dunkelheit herrscht? "Da kommen Sie sich erst mal vor wie der Eskimo, dem ein Kühlschrank angedreht werden soll."

"Hier erleben Sie unendliche Weiten"

Doch es sollte ja nicht dunkler, sondern das Licht zielgerichteter und damit effizienter eingesetzt werden - also auch Energie gespart werden. Und: Keiner wird gezwungen. Die Gemeinden im Naturpark, der ein Refugium für viele bedrohte Arten ist, überzeugte letztlich, dass die Auszeichnung als Sternenpark Gäste anziehen kann. Ein gewisser Zuwachs sei schon zu spüren, heißt es. Naturparkchefin Kordula Isermann spricht von Euphorie - und schwärmt vom Sternenblick als Erlebnis, das so besonders sei, dass es "alles relativiert". Dass es unendliche Weiten gibt, könne man zwar auch auf Fotos sehen: "Aber hier erleben Sie es."

Besonders gut kann der Nachthimmel in einer 40 Quadratkilometer großen Kernzone des Sternenparks beobachtet werden. Der Naturpark bietet Führungen zu besonderen Punkten an. "Es gibt weltweit keinen anderen Sternenpark, der so nahe an einer großen Stadt liegt", sagt Christopher Kyba vom IDA. "Wir hoffen, dass viele Kinder aus den Städten kommen, um den Himmel so zu sehen, wie ihre Großeltern ihn sehen konnten."