bedeckt München 17°

Statistisches Jahrbuch:So tickt Deutschland

Das Statistische Jahrbuch verrät manches über Deutschland.

(Foto: Collage dpa/Jessy Asmus/SZ.de)

Wo scheint am häufigsten die Sonne? Wie gesund ernähren wir uns? Und welche Kriminellen erwischt die Polizei meistens nicht? Deutschland in Grafiken.

Von Anna Fischhaber und Jana Stegemann

Jedes Jahr veröffentlicht das Statistische Bundesamt ein dickes Buch voller Tabellen und Grafiken. Wer sich die Zahlen (hier das komplette Buch) genauer ansieht, erfährt durchaus skurriles: Die meisten Musikschüler beispielsweise gibt es in Baden-Württemberg - 25 pro 1000 Einwohner. Die wenigsten Musikschüler hat demnach Bremen (6 pro 1000 Einwohner). Die Bremer Stadtmusikanten nicht mitgerechnet. Oder wussten Sie, dass jede Legehenne im Durchschnitt 292,6 Eier jährlich legt? Oder dass nur fünf Prozent der etwa 12,4 Millionen Rinder 2013 ökologisch gehalten werden? Was das Jahrbuch (teils stammen die jüngsten Jahresdaten allerdings von 2013) sonst noch über Deutschland und die Deutschen verrät.

Die Deutschen und das Auto

In der Autofahrernation Deutschland sind Fahrräder stärker verbreitet als der private PKW. Im vergangenen Jahr hatten 81 Prozent der Haushalte mindestens ein Fahrrad. Der Großteil der Fahrer setzt auf Muskelkraft als Antrieb - nur in drei Prozent der Haushalte steht ein E-Bike. Mindestens ein Auto gab es in 77 Prozent der Haushalte.

Behördenpräsident Dieter Sarreither sagte bei der Vorstellung des Statistischen Jahrbuchs dennoch: "Das Auto ist mit Abstand das wichtigste Verkehrsmittel der Deutschen." Auf 1000 Einwohner kommen demnach 530 Pkw, Deutschland liegt damit im europäischen Vergleich auf dem fünften Platz. Spitzenreiter ist Italien mit 621 Pkw. Von fast 70 Milliarden Fahrten im Personenverkehr ohne Fahrräder legten die Deutschen 82 Prozent mit ihren Autos, Motorrädern oder Mofas zurück. Für die restlichen 18 Prozent nutzten sie öffentliche Verkehrsmittel wie Busse, Bahnen und Flugzeuge.

Auch Pendler nutzen am liebsten das Auto: Zwei Drittel nehmen den Wagen für den Arbeitsweg, nur 14 Prozent öffentliche Verkehrsmittel und neun Prozent das Fahrrad.

Hier ist Deutschland am sonnigsten

Übers Wetter zu meckern, ist die Smalltalk-Königsdisziplin hierzulande. Doch nicht alle Deutschen haben wirklich Grund dazu. Eine Auswertung der Sonnenstunden zeigt: In Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein war es 2014 am sonnigsten. Mit 2031,3 Sonnenstunden im Jahr ist Arkona auf der Insel Rügen Spitzenreiter, gefolgt von Rostock-Warnemünde und Barth. Platz vier und fünf teilen sich die Inseln Fehmarn und Norderney. Grund zum Meckern haben hingegen die Menschen in Nordrhein-Westfalen. Auf dem Kahlen Asten wurden 2014 die wenigsten Sonnenstunden registriert. Ähnlich sah es in der Stadt Braunlage im Harz aus. Dort schien die Sonne im Jahr 2014 nur 1331, 3 Stunden.

Woran die Deutschen sterben

2013 starben 429 645 Männer und 464 180 Frauen. Bei 20 423 Männern und 13 710 Frauen war dieser Tod nicht natürlich. Die häufigste Todesursache war allerdings: eine Durchblutungsstörung des Herzmuskels. Gefolgt von Lungen- und Bronchialkrebs bei Männern und Herzschwäche bei Frauen. Bei knapp zwei Prozent der Männer konnte die Todesursache nicht eindeutig oder überhaupt nicht geklärt werden. Bei Frauen fanden die Mediziner dahingegen fast immer die Ursache.

214 Eier, zwei Liter Kondensmilch und Tonnen an Fertigkost

Der durchschnittliche Deutsche isst pro Jahr 93 Kilogramm Gemüse und 214 Eier. Er verspeist etwa 57,9 Kilo Kartoffeln, zwei Liter Kondensmilch und einen Liter Honig. 88,2 Kilo Fleisch isst der durchschnittliche Deutsche pro Jahr - am liebsten vom Schwein. Zweitbeliebteste Fleischsorte ist Geflügel, gefolgt von Rind. Der Anteil an Pferdefleisch in der Statistik ist so gering, dass er mit 0 Kilo aufgeführt ist.

Hinzu kommen im Jahr durchschnittlich 99 Liter Bier, 24,7 Liter Wein pro Kopf und 986 Zigaretten. Viele reden von Ernährung und Healthy Living, aber kaum einer scheint mehr frisch zu kochen. Jahr für Jahr essen die Deutschen nämlich mehr Fertiggerichte. Waren es 2005 noch 570.000 Tonnen, aßen die Deutschen 2014 bereits 964.000 Tonnen Fertiggerichte. Na dann, guten Appetit!

Verbrechen, die sich scheinbar lohnen

Wer in Deutschland eine Verbrecherkarriere anstrebt, hat als Taschendieb die größten Chancen, ungestraft davonzukommen. Delikte wie Mord und Totschlag haben eine Aufklärungsquote von 96 Prozent. Allerdings passieren sie auch deutlich seltener: 2122 Tötungsdelikten stehen 2 382 743 Diebstähle gegenüber. Zudem sind Täter und Opfer bei Mord und Totschlag statistisch bewiesen zumeist Verwandte oder Bekannte. Die niedrigste Aufklärungsquote gibt es bei Diebstählen und Einbrüchen. Nur 26 Prozent aller Autodiebstähle und 16 Prozent aller Wohnungseinbrüche können aufgeklärt werden. Noch aussichtsloser scheint die Lage bei Fahrrad (10 Prozent)- und Taschendiebstählen (6 Prozent). Anders bei Ladendiebstahl: Dazu kann in 92 Prozent aller Fälle der Täter gefunden werden.

Insgesamt 756 000 Menschen wurden 2014 in gerichtlichen Strafverfahren verurteilt. Davon bekamen 558 000 Verurteilte eine Geldstrafe, 116 000 eine Freiheitsstrafe, 13 000 eine Jugendstrafe. 69 Prozent der Freiheits- und Jugendstrafen wurden zur Bewährung ausgesetzt - Ende März 2014 saßen dennoch knapp 54 000 Strafgefangene im Justizvollzug ein.

Die Auswanderer

Bundesland wechsel dich: Mehr als eine Million Menschen zogen 2013 zwischen den Bundesländern um. Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Sachsen-Anhalt verloren die meisten Einwohner. Und wo zog es die meisten Bundesbürger hin? Nach Bayern, Berlin und Schleswig-Holstein. Diese drei Bundesländer hatten 2013 die höchsten Bevölkerungszugewinne. Wird die Hauptstadt zu den neuen Bundesländern gezählt, verzeichnete der Osten den Angaben zufolge 2014 erstmals seit der Wiedervereinigung vor 25 Jahren ein positives Saldo gegenüber dem Westen.

797 900 Personen wanderten im Jahr 2013 ins Ausland aus. Darunter waren 18 Prozent Deutsche, die Mehrheit der Auswanderer sind ausländische Staatsbürger. Viele Deutsche zieht es zudem nicht weiter als in die Schweiz - dabei beäugen die Eidgenossen die deutschen Zuwanderer eher argwöhnisch (eine Integrationsbeauftrage erklärt hier, wieso). Das zweitbeliebteste Zielland der Auswanderer sind die Vereinigten Staaten (13.500), gefolgt von Österreich (11.200). Auf Platz vier folgt Großbritannien, auf Platz fünf Polen.

Der Deutschen liebsten Geräte: Kühlschrank und Fernseher

Das in deutschen Haushalten am häufigsten vorhandene Gerät ist der Kühlschrank. Der beliebte Thermomix taucht in der Statistik noch nicht auf. Dennoch bekommt der Kühlschrank ernsthafte Konkurrenz - vom Fernseher. Während 99,8 Prozent aller Haushalte mindestens einen Kühlschrank besitzen, nennen mittlerweile mindestens 97,5 Prozent einen Fernseher ihr eigen. Das Röhrengerät hat ausgedient - 76 Prozent der TV-Geräte sind bereits Flachbildfernseher.

© SZ.de/afis/rus
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema