Statistik der Jugendämter:Kindeswohl häufiger in Gefahr

Jugendämter prüften 107 000 Gefährdungen des Kindeswohls

Die meisten der gefährdeten Kinder weisen Anzeichen von Vernachlässigung auf

(Foto: dpa)

Vernachlässigt, misshandelt, missbraucht? Die Jugendämter kontrollieren immer häufiger, ob das Wohl eines Kindes gefährdet ist. Besonders oft geht es um Kleinkinder.

124 000 Mal sind Jugendämter in Deutschland im vergangenen Jahr einem Verdacht auf Gefährdung des Kindeswohls nachgegangen. In 41 000 Fällen sahen die Behörden die Kinder akut oder latent gefährdet. Das geht aus einer Mitteilung des Statistischen Bundesamtes hervor.

Von Gefährdung ist die Rede, wenn das geistige, körperliche oder seelische Wohl des Kindes bedroht ist. Das kann in der Jugendhilfe die Voraussetzung für harte Schritte sein: Herausnahme aus den Familien, Inobhutnahme, Entzug des Sorgerechts. Die Zahl der Fälle, in denen Jugendämter und Familiengerichte einschreiten, steigt seit Jahren - ebenso wie die Sensibilität in der Gesellschaft und die Zahl der Hinweise an das Jugendamt.

  • Im Vergleich zu 2013 stieg die Zahl der Verdachtsfälle um 7,4 Prozent. Besonders häufig wurde die Situation von Kleinkindern unter drei Jahren überprüft. Jungen und Mädchen waren etwa gleich häufig betroffen.
  • Am häufigsten, nämlich bei mehr als einem Fünftel der Verfahren (20,4 Prozent), machten Polizei, Gericht oder Staatsanwaltschaft das Jugendamt auf einen Verdachtsfall aufmerksam. Am zweithäufigsten (13 Prozent) gingen Jugendämter Hinweisen durch Bekannte oder Nachbarn nach, in 12,5 Prozent der Fälle kamen der Verdacht auf eine Kindswohlgefährdung aus Schulen oder Kindertageseinrichtungen. Gut jeden zehnten Hinweis erhielten die Jugendämter anonym.
  • 18 600 der 124 000 Verdachtsfälle bewerteten die Jugendämter eindeutig als Kindeswohlgefährdung mit sofortigem Handlungsbedarf. Das sind 8,2 Prozent mehr als im Vorjahr. In weiteren 22 400 Fällen (plus 4,7 Prozent) konnte eine Gefährdung zumindest nicht ausgeschlossen werden. Insgesamt sind das etwa 41 000 Fälle.
  • In etwa ebenso vielen Fällen kamen die Fachkräfte zum Ergebnis, dass zwar keine Kindeswohlgefährdung, aber ein weiterer Hilfe- oder Unterstützungsbedarf vorliegt (41 500 Fälle, plus 9,8 Prozent). Ein weiteres Drittel der Verdachtsfälle (41 600, plus 7,3 Prozent) stellte sich als unbegründet heraus.
  • Die meisten der gefährdeten Kinder (63,6 Prozent) wiesen Anzeichen von Vernachlässigung auf. In knapp einem Drittel der Fälle wurden Anzeichen für psychische Misshandlung festgestellt. Etwas weniger häufig (23,6 Prozent) waren Anzeichen für körperliche Misshandlung. Hinweise auf sexuelle Gewalt gab es ihn knapp fünf Prozent der Fälle, in denen eine Kindeswohlgefährdung festgestellt wurde. Es gab auch Fälle, in denen mehrere Faktoren zusammenkamen.
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