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Star-Parfums:Der Nebel des Grauens

Viele Menschen besprühen sich mit großen Namen. Sind diese Parfums nur Geldmacherei? Nein. Nicht nur. Sie sagen oft mehr über Stars und ,,Stars'' aus, als man je wissen wollte - dazu muss man aber mal ran an die lustigen Flaschen.

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Spears, AP

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Britney Spears: Curious

Als Curious den Parfummarkt aufmischte, hatte die 21-jährige Lolita gerade einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame erhalten, und "Fed-Ex" hieß noch Kevin Earl Federline, war unbekannt, mittellos und tanzte sich irgendwo im Hintergrund einen Wolf. 2004 war Brits Jahr. Und Curious die Botschaft an ihre Fans: Unbändige Neugierde lässt Träume wahr werden, ja ja!

Lang ist's her, sagt dieser Duft. Der azurblaue Flakon mit dem herzigen pinken Plastikanhänger verkörpert eine junge Frau, deren massentauglicher Look von Mutter und Beratern oktroyiert wird; wie auch ihre öffentliche Rolle, die Unschuld vom Land zu spielen - das suggeriert der Anfangsakkord mit weißer LouisianaMagnolie und süßer AnjouBirne. Dass man als girl irgendwann nicht anders kann als komplett durchzudrehen, auch das prognostiziert das Parfum. Curious heißt nicht nur neugierig, sondern auch: sonderbar.

Das ist es, was am Ende bleibt auf der Haut - ein sonderbares Zuviel von vanillegetränktem Moschus, das nicht aphrodisierend wirkt, sondern so: abgefuckt. Besser könnte dieser Duft einen Engel nicht beschreiben, der sich selber abgeschossen hat - interessante Interpretationsstütze fürs Feuilleton, das Britney ja liebt, seit sie am Ende ist. Österreicher nennen so ein Parfum Nuttendiesel. La vie n'est pas rose.

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Parker, Reuters

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Sarah Jessica Parker: Lovely

Wer in Mode nur reinschlüpft wie in eine Filmrolle, versteht sie nicht. So verwundert es nicht, dass Sarah Jessica Parker, die bald im Kinofilm ,,Sex And The City'' den New Yorker Modesnob Carrie lässig 'runterspielen wird, den Vintage-Trend als einen Haufen Altmodisches missversteht.

Schon der bauchige Flakon bezaubert durch vergilbtes Rosa und zeitlosen Nullachtfünfzehn-Look. Einzig der kannelierte Plastikhut fällt ins Auge: Ja, er könnte wunderbar die Antike zitieren, würde er nicht an Carrie Bradshaws Krähenfüße erinnern. Zum Dufterlebnis: Mandarine, Bergamotte und Rosenholz wollen einfach nicht recht harmonieren; was nahelegt, dass die Namenspatin -

im wahren Leben und ohne Stylistin - es schlicht nicht draufhat, verschiedene Stile zu einem Gesamtkunstwerk zu vereinen. Das kneippartige Lavendelodeur überfährt die filigranen Herztöne von Orchidee und weißem Amber, die alleine, vielleicht, megamodern hätten wirken können. Selbst der Spritzer ,,Apfel Martini'' vermag Lovely nicht zu einem Trendsetter zu machen.

Toll hingegen: Kleidermotten können Lovely sicher auch nicht leiden.

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Moss, AP

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Kate Moss: Kate

Eine olfaktorische Symphonie aus Catwalk, Jetset, Junkie-Rock und wie nicht von dieser Welt: In etwa so muss der Duft sein, den Kate Moss, das begehrteste Über-Dreißig-Model der Jetztzeit, komponiert hat.

Doch alle Erwartungen werden umgehend enttäuscht. Die Verpackung ist, nun ja, eine Verpackung, das Design von gestern - ein Fauxpas, wo die Moss doch virtuos im Sich-selber-Verpacken ist. Über den altrosafarbenen Karton wuchern Rosenranken in pessimistischem Schwarz, oh weh, und der Flakon besticht durch antithetisches Design.

Er trägt eine Vintage-Kappe aus geschliffenem Kristall - schwarz wie eine Raucherlunge, die zwei Schachteln Marlboro Lights täglich, gerechnet auf zwanzig Jahre backstage in Milano, angerichtet haben.

Dass Rosa für Jugend steht und Schwarz für Tod, wird kristallklar, als sich der Duft Luft macht: Pfingstrose, Maiglöckchen, Heliotrop und Magnolie blühen auf, alles Gewächse, die erst unheimlich schön und dann schnell unheimlich welk werden.

Auch drin: Omaeskes Vergissmeinnicht und ein paar Samen der schwarzen Mimose, die, laut Blumenlexikon, für Empfindlichkeiten stehen - im Klartext: Gefühlsschwankungen, mit denen verwirrte junge Liebhaber und jünger machende Haarschnitte einhergehen.

Kate, so mieft was? Die Midlifecrisis.

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Combs, Reuters

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Sean John Combs: Unforgivable

Das Wort Understatement existiert nicht im Vokabular von Sean John Combs, der, wenn er sich nicht gerade als Modeschöpfer und Parfumkreateur versucht, Hip-Hop produziert und sich P. Diddy nennt. Weil Understatement ihm also fernliegt und Images gepflegt sein wollen, hat der Mann mit den tausend Talenten für sein Parfum die luxuriösesten Lockmittel aus den letzten Ecken der Welt herangekarrt:

Der kosmopolitische Kopfakkord mit sizilianischer Zitrone, marokkanischer Tangerine, italienischer Bergamotte und einem Schluck Champagner streift selbst dem üblichen Hinterwäldler eine bemerkenswerte Großspurigkeit über. In der Herznote verweisen Florentinische Iris, Lavendel und Wiesensalbei subtil auf Diddys frühere Leidenschaft für verbotene Kräuter - und verleihen dem Teint des Trägers im Nu eine moccafarbene Natürlichkeit, für die Neureiche auf St. Barth lange brutzeln müssen.

Ganz besonders beeindruckt die explizit vermerkte Note ,,mediterrane Luft'': Manch ein Star ist halt über die Natur erhaben und vermag selbst derart Flüchtiges in Flaschen zu zwingen! Der interessante Fond aus Kaschmir und Amber evoziert einen leichten Würgereflex, ja, am Schluss dunstet um uns herum eine sagenhafte Wolke aus Schweiß, Spirituosen und Körperflüssigkeiten. Einigermaßen zum Reiern.

Unforgivable! Beziehungsweise: schlichtweg absolut unverzeihlich.

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Beckham, dpa

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Victoria und David Beckham: Intimately Beckham Night

Das Ex-Spice-Girl und und der LosAngeles-Galaxy-Kicker machen (wg. Alienhaftigkeit) schon aus der Ferne Angst, da wünscht man sich den Körperkontakt nicht unbedingt. Der Doppelduft aber geht gleich richtig ran: Er verspricht Intimität mit den Beckhams! Nachts! Uff!

Poshs Parfum flirtet anfangs mit Light-Aromen von Mandarine, Orangenblüte und Zimt, dem heißhungerhemmenden Lieblingsgewürz von Size-Zero-Ladys. Und rasch ist klar: Des Duftes ist nur würdig, wer rund um die Uhr dünn und geil ist. Nach einigen Sekunden blüht ein erschlagendes Blumenbouquet auf - eine Atombombe an Reizen, mit denen die Schönen nicht geizen.

Weiße Lilie zeugt dabei von jener Sucht nach Schönheit, die stets vom Tod begleitet ist - heute weiß man eben nie, ob die Brustimplantate vielleicht doch noch platzen. Aber die Dame, die sich an den Duft 'rantraut, sie sorgt sich nicht - sie lebt! Am liebsten in der Nacht - gleich wie die knollige Nachthyazinthe (Tuberose), deren Blüten nachts am intensivsten duften. Und nicht nur das: Ihr wird auch nachgesagt, die sexuelle Umtriebigkeit zu fördern.

So auch die mythologische Myrrhe im Fond: Sie wurde, lange vor Christi Geburt, als Antörner aufs Nachtlager geträufelt. Igitt. Kein Kind von Traurigkeit also, die bleistiftdünne Intimately-Beckham-Night-Trägerin.

Der Herrenduft nun verkörpert einen Mann, der alles hat, aber immer noch mehr haben will. Das Anspiel machen stark geröstete Kaffeebohnen, dann schießen Muskatnuss, Bergamotte und animalische Amber-Aspekte dazwischen, die jeden Schwächling in ein Tier von einem Mann verwandeln. Das Finale bildet Weihrauch, der seit je der Duft der Götter ist und also für Größenwahn steht.

Intimately Beckham Night: Some like it hot. Some not.

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Trump, AP

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Donald Trump: The Fragrance

Er würde seinem Ruf als ,,The Donald'' nicht gerecht werden, wenn nicht auch The Fragrance aussähe wie The Trump Tower: mit Wolkenkratzer-Silhouette und protzigen Golddetails. Weil die Auskleidung eines Glasbehälters mit geschmacklosem roten Marmor - wie im Trump Turm - aber schlecht angelegtes Geld wäre, muss sich der Immobilientycoon bei seinem kleinsten Projekt mit der abgespeckten Version zufriedengeben.

Gewohnt großkotzig indes war die Ankündigung. Sein Duft, so prahlte der Baulöwe im Voraus, sei der beste und unerbittlichste Männerduft aller Zeiten. Sicher ist, wenn Geld stinken würde, käme der Gestank diesem Parfum sehr nah: Pfeffer, den einer wie Donald immerzu im Hintern hat, verbindet sich mit Minze, Ingwer, Vetiver und Holznoten zu einem Gebräu, so altherrenherb, dass alle Umstehenden bis auf die einst auch hier schmerzfreie Ex Carla Bruni sich die Nase zutackern.

Schwarzes Basilikum zeugt vom neureichen Tick, nur exotisch klingende Kostbarkeiten zu konsumieren. Zu dumm auch, dass gepresster Belugakaviar fischelt und sich als Ingredienz gar nicht anbietet. Der Powerduft ist unterlegt von einem seifigsüßlichen Ton, der auf einen ausgeprägten Sauberkeitsfimmel hindeutet; wie man weiß, hat der große Milliardär (sein Spruch ,,Who ever attacks me, I attack him back!'' ist legendär) eine panische Angst vor putzigen Bazillentierchen.

The Fragrance ist so sexy wie eine semmelblond gefärbte Frisur. Wer es trägt, hat es auch nötig.

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Schuhmacher, AP

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Michael Schumacher: World Champion

Wer Michael Schumacher ist - privat! - vermag das Parfum leider oder Gott sei Dank nicht zu klären. Der Mann mit dem davonrasenden Kinn war und ist ohne süffiges Profil - und er wird im öffentlichen Gedächtnis mehr als Rennfahrer denn als Mensch gespeichert bleiben. Das hat man davon, wenn man kaum Privates preisgibt und anderthalb Jahre nach der Abdankung noch immer in den Massenmedien aufkreuzt, aber selten ohne Motorsport-Bezug.

Sein zweites Parfum, das noch während der Ära Ferrari entstanden ist, ist also keine Enthüllungssensation. Der Name subsummiert alle Facetten von Schumacher in einem einzigen Wort: Weltmeister! Optisch erinnert das alles an einen absurden kleinen Benzinkanister ohne Henkel, in Plastikoptik, bepinselt mit den Ferrarifarben Rot und Schwarz, und als Clou: ein praktischer Schraubverschluss.

Die flotten Formel-Eins-Assoziationen, sie ziehen sich nun durch bis zum Fond des Duftes. Im Internetshop wird im RennfahrerJargon gejuxt: ,,Gefühlvoll und anziehend - holen Sie sich die Poleposition!'' Hahaha! Und das Schumi-Parfum ist auch nicht mehr als eine olfaktorische Berufsbeschreibung.

Basilikum und Bergamotte erinnern an den mediterranen Fahrtwind, der einem auf dem Circuit de Monaco um die Nase bläst, und Moschus im Finalakkord verhält sich auf der Haut wie Motoröl auf dem Asphalt, etwas penetrant im Abgang und dabei recht rutschig. World Champion ist eine Renn-Devotionalie, die die Welt nicht braucht. Andererseits: nicht so schlimm wie Hunger und Krieg.

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Graf, dpa

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Steffi Graf und Andre Agassi: Aramis Always

"Parfum ist wie die Liebe, ein bisschen ist nie genug", sagte Estée Lauder mal. Aber zu viel ist: zu viel. Schon das romantisch ausgeklügelte Design lässt uns schütteln: Der Herrenflakon präsentiert sich in schelmischem Bubenblau, die Damenvariante in Mädchenrosa, und die silbernen Verschlusskappen symbolisieren die Eheringe, die die Tennis-Profis einst zum Zeichen ihrer Verbundenheit tauschten.

Und es wird noch schmalziger. Der Lusttropfen selbst ist konzipiert als ein Verlaufsprotokoll ihrer Liebe: zu Beginn stürmisch, sich dann verfestigend, schließlich lang anhaltend. Darüber hinaus will Aramis Always zeigen, dass der erste Eindruck der allerwichtigste ist. Wie wahr - und der erste Eindruck hier ist zum Umfallen: Die intensive Note Cornichon im Auftakt des Herrenduftes verleiht dem Träger die beschränkte Aura einer Provinzgurke, die früh vom klassischen Bildungsweg abgekommen ist.

Das kann ein zweiter Eindruck leider nicht mehr retten. Milde Ringelblume, das Mittel der Wahl bei Verletzungen und wunden Hinterteilen, suggeriert, dass körperliche Ertüchtigung für den Sportplatz reserviert ist.

Arme Aramis-Lady! Kleiner Trost: Sie kann ihren fehlenden Sexappeal durch Disziplin wettmachen, wie ihr Salatdressing-Duft aus Wasserkresse, Mandarine, Zitrone und Milch beweist. Gesund? Hach ja. Aber nicht sexy.

Aramis Always: Liebe macht blind, aber auch anosmisch. Out!

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Moeller, dpa

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Ralf Moeller: Ralf Moeller

Der Blick ins Parfumregal stimmt traurig. Deutschland, Land ohne Stars! Nur die immer gleichen Flaschen machen sich mit Düften wichtig, wie Muskelhaufen Ralf Moeller, der so tapfer durch Hollywood irrt wie einst King Kong durch New York.

Im Internet steht über seinen Duft: ,,Der Action-Star in seiner aromatischsten Rolle! Mit ihm wird es nie langweilig und darum ist die Zeit reif für ein Parfum, das seinen Namen trägt.'' Pardon, aber wäre die Zeit denn überhaupt je reif für ein Parfum, das seinen Namen trägt? Nun ist es aber schon mal da, und überrascht: Der harte Ralf ist nämlich in Wirklichkeit ganz zart!

Der Glasflakon, der sich in den Schwimmbeckenkachelfarben Grün und Türkis präsentiert, wirkt wie ein wehmütiges Andenken an seine Welterfolge als Schwimmmeister in Recklinghausen. Der Duft ist gleich schlicht: Der Anfangsakkord mit Veilchen und Hyazinthe steht für ein emotionales Up and Down, während einem die Angebetete den Rücken zuwendet (Hyazinthe heißt in der Blumensprache: ,,Deine Kälte lässt mich verschmachten'').

Die Herznoten Rose und Jasmin klingen aus in einer kernigen Liaison von Zeder und Moschus. Männlich wirkt der Duft zwar, aber auch austauschbar: Ein Eindruck, den Moeller mit ,,Filmen'' wie ,,Hai-Alarm auf Mallorca'' oder seinem Part im Scooter-Musikvideo nicht zuletzt selber befeuert. Immerhin ist das Parfum ein ausgezeichnetes Schmieröl zwischen Moeller und den Illustrierten. Flutscht, gleitet und quietscht nicht.

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Bohlen, AP

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Dieter Bohlen: Provocation

In dieser Galerie darf er nicht fehlen, der Duft des größten Popstars der Welt, der junge Menschen auf RTL so lange faltet, bis sie umfallen.

Der als extravagant, aber zu Recht in keinem Wort als männlich beschriebene Herrrenduft steht seinem Namen in nichts nach. Der Glaskorpus, der aussieht, als habe ein Kindergartenkind mit Knetmasse ein großes D geformt, will modern sein (,,Mehr Design muss nicht sein''), zeigt aber nur, dass Purismus für Bohlen ein Wort aus dem Möbelkatalog ist, das er nicht versteht.

Großspurig wie Lastwagenreifenprofile im Sand ist auch der Duft: Teakholz hatte als Statussymbol schon ausgedient, als der Sprit hier auf den Markt kam, und Zitrusnoten lassen Bohlens Lebensmotto erahnen: Wenn dir das Leben eine Zitrone gibt, mach' Limonade daraus. Bourbon-Vanille sorgt für metrosexuellen Touch. Männlich-herbe Zutaten sind kaum wahrnehmbar, der Herrenduft ist am Ende süß und, kicher: absolut ein verkappter Damenduft.

Provocation für Sie entspricht dem Frauentyp, den Bohlen sich auch sonst hält: Ausgestattet mit einem tollen Vorbau (man beachte die B-Form) und südländisch mit Amber, Vanille und Pfirsich. Das Beste: Die Produktion ist eingestellt. Restbestände sind nur noch schwer zu kriegen. Am besten also gar nicht erst versuchen.

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Berben, AP

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Iris Berben: Iris Berben

Älter werd' ich später, scherzt die Schauspielerin - die schon alles bekam von Bambi bis Bundesverdienstkreuz - kess auf ihrer Homepage. Da kennt sie ihr eigenes Parfum schlecht, denn das ist nun schon ein Zeichen der Zeit.

Optisch erinnert es an den Kleidungsstil, den Leute um die sechzig, im Marketingslang Golden Ager, favorisieren: schlichte Schnitte und schmeichelnde Farben von Eierschale bis Karamell. Das Parfum ist das riechende Pendant zur Verpackung. Neben stimmungsaufhellenden Orangenblüten ist Honig drin, der ob seiner antiseptischen Wirkung gerade bei älteren Semestern beliebt ist.

Nach einem kurzen Intermezzo der Herznoten Jasmin und Zimt rundet Vanille alles ab. So werden totgeglaubte Lebensgeister wieder wach - Vanillin hat ja nicht umsonst chemische Ähnlichkeit mit menschlichen Pheromonen.

Gemeinheit! Der Duft wird seiner tollen Namensgeberin doch gar nicht gerecht. Wer neulich die Zeit mal wieder mit Bunte vertrieben hat, weiß: Die attraktive Aktrice planschte agil und juvenil in der Karibik - Achtung, jetzt kommt's - im weißen (ganz wenig schmeichelhaften!) Badeanzug und mit dem zehn Jahre jüngeren Stuntman ihres Herzens.

Und überhaupt: Laut Umfragen träumt jeder vierte deutsche Mann von einer Nacht mit ihr. Was schadet da ein Parfum mit Vanille von Dr.Oetker! Frei nach Chris Roberts: Man muss ja nicht immer nur rappeldoll und siebzehn sein.

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Taylor, dpa

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Elizabeth Taylor: White Diamonds

Der erste Promiduft aller Zeiten (seit 1992) ist selbst so was wie ein Star. Allein 2006 machte der Hersteller einen Umsatz von 60,7 Millionen US-Dollar. Die Taylor weiß eben, dass sich öffentlich inszenierte Tragik auszahlt.

In der Kopfnote deuten antidepressiv wirkende Bitterorangenblüten auf eine wackelige Psyche hin, die man schlecht heilen, aber gut betäuben kann. So hüllt uns die Herznote in einen schweren, fast narkotisierenden Nebel von Türkischer Rose und Narzisse, in dem man kurz taumelt. Vielleicht auch nur eine Halluzination? Doch das Parfum hat durchaus seine schöne Seiten.

Die sündhaft teure ägyptische Nachthyazinthe ist eine romantische Reminiszenz an ihren Film ,,Cleopatra'', der Elizabeth Taylor zum bestbezahlten Hollywoodstar krönte (eine Million US-Dollar Honorar) und ihr zugleich auch Co-Akteur Richard Burton schmackhaft machte. Was bleibt, ist ein mondäner Rosenduft, der allem widersteht, Wasser, Seife, Wetter, Wind - wie Elizabeth Taylor ihren acht Ehen, Alkohol- und Drogensucht, zwei heiklen Brüchen und einem riesengroßen Gehirntumor.

White Diamonds: Sind sie zu stark, bist du zu schwach.

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Hilton, AP

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Paris Hilton: Just Me

Wasserstoffperoxid, destillierte Diamanten, Energydrinktropfen und ein paar Duftstoffe aus dem Knast: Mit solch einer Mixture könnte sich Hotelerbin und Partyprinzessin Paris Hilton ein olfaktorisches Denkmal setzen. Nur verkaufen würde es sich nicht.

Also entschied Parfumeur Steve Demercado, dass ihr neuer Duft besser mal ,,einen anderen Eindruck ihrer Persönlichkeit geben'' soll. Blöde nur, dass aus einem 1-D-Charakter sonst nichts rauszuholen ist.

Der Rosa (was sonst?) Pfeffer im Auftakt verfliegt so schnell wie alles, was das menschliche Bonbon so tut und plappert. Und auch vom Herzen des Duftes bleibt kaum was übrig - Maiglöckchen, Iris, Freesie verduften fix. Doch wer, der genug Geld hat, braucht schon ein Herz? Geschweige denn überhaupt einen Charakter?

Denn auch die Fondnoten, Ylang-Ylang, tahitianische Vanille und Moschus verhalten sich auf dem Dekolleté, als seien sie nie da gewesen. Ein Splash Just Me riecht nach Veilchen, Veilchen und dann noch Veilchen. Ein schlechter Witz, haben doch die Blume der Bescheidenheit und Paris allenfalls eines gemein: Dass sie gerne blau sind.

Alternative für Preisbewusste: Etwas Lenor Moonflower tut's auch.

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Olsen, dpa

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Mary-Kate und Ashley Olsen: South Beach Chic & Hamptons Style

Ein Duft ist das Letzte, was Hollywoods vermögendste Youngsters nötig hätten; haben sie sich in den vergangenen 17 Jahren doch so brav vermarkten lassen. Heute sind sie Präsidentinnen der Firma ,,Dual Star'', Millionärinnen, und ihre Marke mary-kateandashley, die von Papptellern bis Plastikpuppen Bruttoregistertonnen von Teenieplunder ziert, ist in den USA bei unter 14-Jährigen bekannter als Coca-Cola.

Andererseits: Warum auch kein Duft? Ein bisschen Trinkgeld für ein neues Luxusapartment in L.A., es tut ja nicht weh. Oder doch?

South Beachs Gourmet-Akkorde von schwarzer Johannisbeere, Vanille und - das muss man sich in der Nase zergehen lassen - frischgebackenen Muffins, stellen den knurrenden Magen dar, den Sorgen-Twin Mary-Kate (im Bild rechts) im Magerwahn überhört. Die Nachtisch-Noten stehen darüber hinaus für kindlichen Geschmack und eine unbeschwerte Jugend, die ExKinderstars nur aus Filmen kennen.

Hamptons Style basiert auf Essenzen von eisgekühlten Minzblättern, gelben Wassermelonenblumen, Hibiskus und pinker Pfingstrose: Diese Knallfarben symbolisieren pure Lebensfreude, die man sich leider nicht einmal mit jeweils geschätzten 300 Millionen US-Dollar auf dem Konto kaufen kann.

Die Basisnote Treibholz scheint ein humoristischer Fingerzeig auf die Hirnfüllung der beiden - die sich schon mit neun Monaten die Rolle der schnuffigen Michelle Tanner in der TV-Serie ,,Full House'' teilten und ihre eben beendete Studienzeit in New York primär zum Powershoppen nutzten. South Beach Chic & Hamptons Style: Düfte aus dem Kaugummiautomaten.

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Aguilera, AP

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Christina Aguilera: Christina Aguilera

Von Oscar Wilde ist der Satz überliefert: Talent borrows, Genius steals. Aber ein Geniestreich wird nur jemandem gelingen, der sich beim Klauen nicht erwischen lässt - und es also nicht hält wie Christina Aguilera. Die einst hochgelobte Teenie-Chanteuse ist heute nicht mehr als eine billige Kopie der unnachahmlichen Norma Jean Baker.

Wie auch ihr neues Parfum: Der Flakon trägt Monroes Kurven, ein Minikleid aus Spitze und den obligatorischen roten Bububidu-Mund, der eigentlich der Zerstäuber ist. Im dazugehörigen Werbespot haucht die wasserstoffbleiche Sängerin: ,,Manchmal ist ein Duft alles, was eine Frau tragen muss.'' Klar, dass natürlich auch Marilyn im Bett nichts trug außer zwei Tropfen Chanel No.5.

Den Duft ihres Look-a-like hätte sich Mary angewidert abgewischt, denn der ist eher Christina als Coco. Säuerliche Topnoten von schwarzer Johannisbeere und Mandarine zitieren den Begrüßungscocktail während Christinas Honeymoon auf Bali, Jasmin verbindet sie angeblich mit Filmstarglamour. Und Pflaume, nun . . . Pflaume? Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Oder auch nicht.

Genie in a bottle? Außen Marilyn, innen Christina. Hust!

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(SZ vom 16.02.2008/Verena Stehle)

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