Dieser Text stammt aus dem Familien-Newsletter der „Süddeutschen Zeitung“, der jeden Freitagabend verschickt wird. Hier können Sie ihn abonnieren.
Liebe Leserin, lieber Leser,
ich erinnere mich noch gut an eine Spielzeugwerbung aus meiner Kindergartenzeit, die kurz vor dem Sandmännchen lief: Ein Vogel, der auf Knopfdruck tanzen, singen und eine Handvoll Sätze sagen konnte. Ich wollte ihn unbedingt haben und bin meinen Eltern damit monatelang in den Ohren gelegen. Wie enttäuscht ich war, als sie mir das Teil einfach nicht kaufen wollten!
Heute verstehe ich natürlich, was sie damals sahen: ein schreckliches Plastikding, das nur Lärm macht und keinen wirklichen Spielwert hat. Aber genau solche Spielsachen erleben gerade – wie es erscheint – ein Revival. Mehr noch: Sie gelten als die Zukunft des Spielzeugs. Dank künstlicher Intelligenz nämlich können Teddybären (oder Vögel) nicht mehr nur singen und tanzen, sondern sich tatsächlich unterhalten und reagieren. Ausgestattet mit großen Sprachmodellen von Open AI und Co. werden sie als smarte Freunde und Lehrer für Kinder ab drei Jahren vermarktet. Bald wird es in den Spielzeugregalen wohl von solchen KI-Freunden wimmeln.
Für mich klang das zunächst nach komplettem Horror – wie der Beginn eines Gruselfilms oder einer neuen Folge von „Black Mirror“. Genau mit dieser Haltung bin ich auch in mein Interview mit der KI-Forscherin Stefania Druga gegangen. Sie hat jahrelang erforscht, wie Kinder mit künstlicher Intelligenz umgehen. Was sie mir erzählte, hat mich überrascht: Ja, KI wird nie hundertprozentig sicher sein. Und nein, Kinder sollte man damit nicht alleine lassen. Aber Druga findet es auch unglaublich wichtig, dass Kinder mit speziell für sie entwickelter KI in Kontakt kommen. Nicht als Babysitter-Ersatz, sondern als Werkzeug, um diese Technologie spielerisch zu verstehen. Dabei sei allerdings wichtig, dass die KI-Spiele die Kinder herausfordern, ihr Denken anregen, statt einfach nur Antworten zu liefern. Das ganze Interview können Sie hier mit einem SZ-Plus-Abo lesen.
Während Sie diesen Newsletter lesen, bin ich übrigens schon mit meiner Familie im Urlaub – ganz ohne KI-Spielzeug. Und auch dieser Newsletter macht die nächsten drei Wochen Sommerpause, bis er am 11. September wieder in Ihr Postfach flattert.
Bis dahin wünsche ich auch Ihnen eine gute Zeit
Marie-Louise Timcke

