Sommerrätsel :Mückes Sommer

Mit den Ferien endet auch unsere Rätselabenteuergeschichte zum Mitraten für die ganze Familie. Wo führt Mückes Reise hin?

Von Georg Cadeggianini und Alex Rühle

Sommerrätsel : Illustration: Eric Reh

Illustration: Eric Reh

Stechmücken sind schon fies. Und das sage ich, Mücke! Mama hatte damit angefangen, mich so zu nennen. Damals, ich konnte schon viele Worte, aber ausgerechnet meinen eigenen Namen habe ich nicht richtig hingekriegt. Aus Micki wurde immer so was wie Mückie. "Hast Recht", meinte Mama, "Mücke passt!" Wenn sie das sagte, knackste das "K" immer ein bisschen am Gaumen. Als ob ich einen eigenen Buchstaben hätte.

Ich habe mal gehört, dass man Mücken platzen lassen kann. Wenn man im richtigen Moment die richtigen Muskeln anspannt, genau dann, wenn sie gerade mit ihrem Stechrüssel in einem drin sind. Dann können sie nicht mehr weg. Die Mücken klemmen dann in den Muskeln fest und laufen mit Blut voll, immer voller, können gar nichts mehr dagegen tun - bis sie platzen. Im Moment steht es im Turnier auf meinem Oberarm Stich gegen geplatzte Mücke 4:0. Kack, Oberkack, Oberarmkack! Brauche ich mehr Muskeln? Stimmt was mit dem Timing nicht?

Quatsch sei das, sagte Papa. Wir saßen wieder an der Isar, auf einer Sandbank mit großen, flachen Steinen. Am Anfang waren wir natürlich am Ditschen, dann versuchten wir, einen Torbogen zu bauen. Zwei Türme, die sich zur Mitte neigen, gegenseitig stützen. Papa setzte den letzten Verbindungsstein, überließ die Brücke sich selbst. Jeder stützte ein bisschen den anderen, wackelte, hielt. Ihn erinnere Mückenplatzen an Mistkäferärgern, sagte Papa. Etwas, wovon ihm sein großer Bruder Theo mal erzählt hatte, als er noch gar nicht so groß war und was er fast mal ausprobiert hätte: Mistkäfer trinken nämlich gern halb vergorenen Kuhdung. Dafür bohren sie sich in stundenlanger Arbeit durch die harte Kruste von nicht ganz frischen Kuhfladen. Fürs Mistkäferärgern braucht man nichts als einen Strohhalm und einen nicht mehr ganz frischen Kuhfladen. Rein stechen, leer saugen, Mistkäfer geärgert.

Das dritte Kreuz hatte Theo bei Wolfratshausen eingezeichnet. Wir fanden dort das Wort "LAGER". Er hatte es einfach aufs Ortsschild geschrieben, daneben eine Rolle Buchstabenturnereien gehängt. Schwierigschwierig.

rundreise

Was soll das alles nur bedeuten? Illustrationen: Malwine Stauss

Wegen des Lagers habe ich im Sägewerk geschaut. Es riecht gut, nach frisch geschnittenem Holz. Alles sieht so aus, als ob es schnell gefährlich werden könnte. Gefunden habe ich mal wieder: nichts. So ein Mistkäfer!

Wir sind dann die Pupplinger Au weiter, haben einen Fuchs mit zwei Jungen gesehen. Papa erzählte mir, dass Füchse die Hinterpfoten in die Spur der Vorderpfoten setzen. Sie schnüren. So nennt man das. Vor allem im Winter ist das praktisch. Denn Spuren zu machen ist immer anstrengend. Wer ist es, der mit vier Beinen nur zwei Abdrücke hinterlässt? Smart fox. Dann kamen die Ballerpflanzen. "Drüsiges Springkraut", sagte Papa und ließ eine Samenkanone zwischen den Fingern explodieren. Bei mir heißen die aber Ballerpflanzen. Ich liebe dieses Kribbeln in den Fingern, diese Ungewissheit: Wie viel Druck brauche ich? Wie weit ballert die? Oder ist die noch gar nicht so weit? Da drüben, die ist dick! Und was passiert eigentlich, wenn eine Biene diese Bomben streift? Wird die weggeballert? Das vierte Kreuz war bei Bad Tölz, wahrscheinlich bei Theo daheim. Das wollten wir uns für morgen aufheben.

Das Schönste, was man machen kann, ist im Zelt schlafen, mit dem Kopf draußen. Der Himmel ist dann selber wie ein Zelt über einem. Die Sterne. Und das schönste Geräusch der Welt ist murmelndes Wasser. Die Luft scheint die ganze Zeit durch einen durchzufließen. Und wenn man dann noch einen Kauz hört - der Wahnsinn.

Am nächsten Morgen klemmte ein Zettel an unserem Zelteingang, Pinguine, Eistüten, Fragezeichen.

Sommerrätsel : Welche Zahl gehört an die Stelle des Fragezeichens? Nimm davon nur die erste Ziffer. Was ist die gesuchte Lösung auf einem Würfel? Illustration: Henriette Artz

Welche Zahl gehört an die Stelle des Fragezeichens? Nimm davon nur die erste Ziffer. Was ist die gesuchte Lösung auf einem Würfel? Illustration: Henriette Artz

Als wir nachmittags dann bei Theo ankamen, stand er am Gartenzaun, schien auf uns zu warten und lachte sein ansteckendes Lachen. "Na? Alles gefunden?", fragte er. "Sarg, Tor, Lager?" Ich musste lachen. Aber leider ohne jede Ahnung. Beim Pflanzen der Obstbäume, damals vor 20 Jahren, lange bevor ich auf die Welt gekommen bin, war Theo vor allem eines wichtig. Sie sollen im perfekten Hängemattenabstand stehen. Das hat er geschafft. Ich nahm drei Zwetschgen vom Baum. Wollte mich in die aufgespannte Matte werfen. Gerade noch rechtzeitig bemerkte ich, dass Wespen dort rumschwirrten, anscheinend über ein paar verfaulten Früchten. Ich nahm die Matte, drehte sie einmal um, ließ die Früchte rauspurzeln und mich reinfallen. "Genau", sagte Theo: "Ganz genau richtig!" Und da dauerte es nur noch ein paar Sekunden, bis ich alles kapiert hatte. Auch Theos Geheimversteck. Das nächste, was ich hörte, war ein Handypiepsen - Theos. "Mus Herd!" erschien als Nachricht. Theo lachte, wuschelte mir über den Kopf. Die Nachricht hatte ich ihm geschrieben.

Jetzt wohnen wir hier bei ihm. Er hat das Dach ausgebaut, Hausnummer 3. Wie wir drei zusammen halt. Und ich finde hier oben, mit dem Blick in den Himmel, das ist wie eine Schiffskajüte. Sagt Papa auch.

Mit Teil 3 endet die Rätselabenteuergeschichte "Mückes Sommer". Wer einen Teil verpasst hat, schreibt an allesgute@sz.de einfach eine kurze Email. Wo hat Mücke den Schlüssel zum Dachgeschoss gefunden? Warum war die Hausnummer aus dem Rechnätsel 3? Und wie lauten die Lösungen für die ganzen Buchstabenturnereien? Alle Auflösungen findet ihr in der nächsten Ausgabe der Kinderseiten.

© SZ vom 11.09.2021
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