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Skurrile Trennungsgeschichten:Bye-bye, Baby!

Einen professionellen Schlussmacher engagieren, auf einen bröckelnden Felsen klettern oder sich totstellen: Wenn man es richtig anstellt, ergibt sich die schwierigste Trennung manchmal ganz von selbst. Die neun abwegigsten Arten, Schluss zu machen.

"Wir müssen reden": Mit diesen Worten fängt das Ende unendlich vieler Beziehung an. Wer es origineller mag, dem bleiben - laut dem Sänger Paul Simon - noch mindestens 49 andere Arten, dem Partner zu sagen, dass er ab sofort wieder getrost das verwaschene Micky-Maus-T-Shirt zum Schlafen tragen und Tiefkühlpizza zu Abend essen kann. Weil der Stilkritiker und Ernährungsberater sich nämlich hiermit verabschiedet, die Flucht ergreift, aus dem gemeinsamen Bett und dem gemeinsamen Leben verschwindet. Neun abwegige Varianten des Schlussmachens.

[] Den eigenen Tod vortäuschen: Eine Frau erhält eine E-Mail von "Bob", einem Kollegen ihres Geliebten, in der steht, dieser sei unerwartet verstorben. Sie setzt sich ins Auto und fährt mehr als drei Stunden zu seinem mutmaßlichen Elternhaus in Virginia. Als sie dort klingelt, um der Familie ihr Beileid auszusprechen, erfährt sie Erstaunliches: Ihr Liebster war gar nicht verstorben, sondern nur umgezogen, nach Conneticut. Seinen Tod hatte der verheiratete Marine-Offizier vorgetäuscht, um sich elegant aus der achtmonatigen Affäre zu ziehen. Der 43 Jahre alte U-Boot-Kommandant hat mit dieser stümperhaften Aktion erst vor wenigen Tagen vorgemacht, wie man es nicht anstellen sollte, wenn es gilt, den eigenen Tod vorzutäuschen: Nun muss er sich nicht nur mit der unliebsamen Geliebten auseinandersetzen, sondern auch mit seinen Chefs: Denn der Soldat wurde wegen seines unredlichen Verhaltens getadelt und seines Amts als U-Boot-Kommandant enthoben.

[] Sich einem Zirkus anschließen: Ständig unterwegs, nie länger als zwei, drei Wochen am selben Ort - dafür muss man gemacht sein. Früher galten Scherenschleifer oder Zimmerleute als klassisch-romantische Wanderberufe, heute arbeitet man eben auf einer Bohrinsel oder jettet als Unternehmensberater durch die Welt. Der Vorteil: Wer unter dem Deckmantel eines Arbeitsauftrags die Biege macht, spart sich zermürbende Trennungsgespräche. Meist dauert der Job so lange, dass man beim Partner ohnehin in Vergessenheit gerät. Eine kleine Botschaft klärt die Situation. Schreiben Sie zum Beispiel auf einen hübsch verzierten Zettel: "Habe spontan und auf unbestimmte Zeit beim Zirkus Humpapa angeheuert. Da bin ich zwar auch nur der Clown, aber wenigstens für Geld. Warte nicht auf mich. Schönes Leben noch, Dein Hasi."

[] Per SMS: So eine Trennung ist ja immer eine aufwändige Angelegenheit: Reden, Erklären, Trösten, Beschwichtigen - so viel Zeit haben die meisten Menschen einfach nicht mehr, vor allem nicht für jemanden, mit dem sie keine Minute ihres Lebens mehr verbringen möchten. Und bis man da mal einen gemeinsamen Termin gefunden hat! Nur, um zu sagen, dass es aus ist? Kein Wunder, dass die Trennung übers Handy immer beliebter wird. Und so hat Britney Spears ihrem Ehemann Kevin Federline damals ihre Scheidungsabsichten in einer Kurznachricht mitgeteilt und ein paar Monate auch gleich den nächsten Lover, Isaac Cohen, per SMS abserviert.

Selbst Vorzeigeprinz William hat schon einmal das Telefon zum Schlussmachen benutzt, und zwar - wer hätte das gedacht - bei der Frau, die inzwischen seine Gattin ist: 2007 erhielt Kate Middleton, wie sie damals noch hieß, einen Anruf. Als sie erfuhr, dass vier Jahre Beziehung zu Ende sind, stand sie gerade auf dem Parkplatz ihres Büros. Heutzutage sollte man für sowas Skype benutzen. Das wäre ja wohl das Mindeste.

[] Einen Schlussmacher engagieren: Wer zu feige oder zu beschäftigt ist für das Trennungsgespräch und gerade kein Post-it zur Hand hat, das er an einer gut sichtbaren Stelle hinterlassen könnte, engagiert einen Schlussmacher. Das ist ein Beruf, kein Witz. Schon ab 29,95 Euro übernimmt der Trennungsdienstleister die unangenehme Aufgabe - per Brief, am Telefon oder auch persönlich - , dem ahnungslosen Noch-Partner zu verkünden, dass er von nun an wieder Single ist. Zur Untermauerung der Argumentation liest er Gründe, Vorwürfe oder Unterstellungen von einem Zettel ab und verschwindet wieder. Trösten kostet extra.

[] Die Nervensäge spielen: Ist der Partner noch immer verrückt nach einem und untergräbt Trennungsabsichten durch ungetrübte Zuneigung? Dann braucht er dringend Hilfe. Tun Sie ihm und sich selbst einen Gefallen und unterstützen Sie ihn, indem Sie sich von Ihrer übelsten Seite zeigen. Blamieren Sie ihn vor seiner Verwandtschaft, flirten Sie wahllos mit Personen aus seinem engsten Freundeskreis und lästern Sie über seine Mutter. Lassen Sie im Restaurant die Gabel gegen ein Glas fallen und kündigen Sie lautstark an, dass Ihre Begleitung nun eine Rede halten wird. Legen Sie sich mit den Kellnern an und schnäuzen Sie anschließend in die Stoffserviette. Mit anderen Worten: Seien Sie zum Abgewöhnen. Mit ein wenig Glück werden Sie so schnell verlassen, dass Sie zur Entschädigung auch noch das Tafelsilber behalten dürfen.

[]Es das Unterbewusstsein erledigen lassen: Es ist schon ein Kreuz mit dem modernen Beziehungsmenschen: Da ist das Es, dem längst klar ist, das mit diesem Partner weder Trieb- noch andere Befriedigung dauerhaft zu haben ist. Und da sind Ich und Über-Ich, die damit hadern, sich zu trennen - wochenlang, monatelang. Die sich mit Arbeitskollegen und Freunden über jedes Detail dieses Entscheidungsprozesses austauschen, mündlich, per SMS oder E-Mail.

Was aber, wenn in einer dieser endlosen, schlaflosen Nächte, in der man mit dem nervigen Partner und der besten Freundin parallel hitzige SMS-Debatten führt, eine Nachricht im Überschwang der Debatte versehentlich an den falschen Adressaten geht? Wenn der eher ahnungslose Noch-Freund den Text empfängt: "Liebe Susi, morgen sage ich ihm, dass ich ihn nicht mehr liebe. Noch vor dem Fußballspiel." Dann hat es das Es ganz allein erledigt. Freud hätte seine Freude.

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