Sir Richard Branson:Weil ich ein Reicher bin

Ob Rockstar oder Lokführer, Pilot, Astronaut oder Rennfahrer - es sind Kleine-Jungen-Träume, die sich der Milliardär Richard Branson zu erfüllen sucht.

Wolfgang Koydl

Telefonieren und fernsehen, Urlaub machen oder den Blutdruck messen lassen - Briten können kaum noch eine alltägliche Tätigkeit ausüben, ohne Geld an Sir Richard Branson zu überweisen. Denn der extravagante Unternehmer mit dem schulterlangen Blondhaar und dem charakteristischen Kinnbart ist praktisch allgegenwärtig, von der CD bis zur Kreditkarte. Nie hat er sich auf eine Branche konzentriert. Stattdessen folgte er seinen Instinkten und Interessen: Er investierte in das, was ihm gefiel. Wenn er eine neue Idee habe, sagt er, stelle er als Erstes sicher, dass die Buchhalter nichts davon erführen. Sie seien die Totengräber aller Träume.

Sir Richard Branson

Klotzen statt kleckern: Der Großunternehmer Richard Branson gibt sich nicht mit Kleinkram ab. Was er anfasst, wird zu Geld - und geht meistens in die Luft.

(Foto: Foto: AFP)

Insgesamt 360 Firmen hat der Entrepreneur unter dem weltweit bekannten Etikett Virgin gegründet, und an ein Ende denkt der 59-Jährige noch lange nicht. Innerhalb einer Woche hat er mit dem üblichen Publicity-Aplomb seine zwei jüngsten Unternehmungen vorgestellt: VSS Enterprise will von 2011 an zahlende Touristen mit Raumschiffen in eine erdnahe Umlaufbahn befördern; Team Virgin soll in der nächsten Formel-1-Saison vorne mitmischen - unter anderem mit dem deutschen Rennfahrer Timo Glock.

Langweiliges wie Socken hat Branson nie produziert. Aber so vielseitig sie sind, so deutlich lässt sich doch erkennen, welcher rote Faden sich durch alle Unternehmen zieht: Ob Rockstar oder Lokomotivführer, Pilot oder Astronaut, und jetzt auch Rennfahrer - es sind Kleine-Jungen-Träume, die sich Branson auf diese Weise zu erfüllen sucht.

Gerechnet hat es sich für ihn allemal. Branson, der seit 1989 zum zweiten Mal verheiratet ist und zwei erwachsene Kinder hat, steht mit einem geschätzten Vermögen von drei Milliarden Pfund auf Platz neun der Liste der reichsten Briten. In der Schule war der kleine Richard, der in gutbürgerlichen Verhältnissen südlich von London aufwuchs, nur im Sport gut - und im Business. Mit 16 gründete er eine Schülerzeitung, mit Anfang 20 verkaufte er aus dem Kofferraum heraus und per Post Schallplatten, und eröffnete seinen ersten Plattenladen: nicht irgendwo in einer stillen Seitengasse, sondern in der Oxford Street, Londons prominentester Shopping-Meile. Es folgte zunächst das Plattenlabel Virgin Records, das Musiker wie Mike Oldfield, die Sex Pistols und deutsche Krautrocker unter Vertrag nahm.

Dann ging es Schlag auf Schlag: eine Fluggesellschaft, ein Mobilfunknetz, ein Bahnunternehmen, Gesundheitszentren, alternative Treibstoffe, und so weiter und so fort. Die Virgin-Webseite lädt Besucher ein, Vorschläge zu unterbreiten, woran sich Branson noch versuchen sollte. Ein Unternehmer, der sich bescheiden und geheimkrämerisch in der Vorstandsetage versteckt, ist Branson nie gewesen. Ob er nun mit Ballon, Yacht oder Amphibienfahrzeug Rekorde brach oder neben Kevin Spacey, Jackie Chan oder Daniel Craig Mini-Rollen in Filmen übernahm - stets und überall ist er der rührigste Werbeträger seiner selbst und seiner Firma. Branson, der sich seit 1999 Sir Richard nennen darf, beschreibt das so: "Manchmal wache ich morgens auf und glaube, dass ich den unglaublichsten Traum geträumt habe - ich habe mein eigenes Leben geträumt."

© SZ vom 17.12.2009/vs
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