Sinn und Unsinn "Grundort der Frau ist das Haus"

Sie sind erbitterte Gegner, dabei sind sich Islamisten und Rechtspopulisten oft ähnlicher, als sie denken. Zeit für ein Quiz: Wer hat's gesagt?

Von Ronen Steinke

Als die amerikanische Reporter-Veteranin Karen Elliott House vor vielen Jahren zum ersten Mal nach Saudi-Arabien kam, empfand sie es als seltsam vertraut. Die Wüste erinnerte sie an ihre Heimat Texas, die Mentalität auch. "Der Ort Matador, Texas, mit einer Einwohnerzahl von 900, war so abgeschieden, dass wenige meiner Nachbarn je in einer großen Stadt gewesen oder etwa einen Katholiken kennengelernt hatten - geschweige denn einen Juden oder Muslim." 92,1 Prozent haben dort jetzt für Donald Trump gestimmt. Nur ein Beispiel für jene Geistesverwandtschaft, derer sich die Verwandten oft am wenigsten bewusst sind.

1. "Muslime, die die freiheitlich demokratische Grundordnung akzeptieren, sind keine echten Muslime."

a) Nicolaus Fest, AfD, ehemaliger Vize- Chefredakteur der Bild am Sonntag.

b) Ali Majedi, Botschafter der Islamischen Republik Iran in Deutschland.

2. "Frauen sollten öfter einfach mal den Mund halten."

a) Eva Herman, ehemalige "Tagesschau"-Sprecherin.

b) Nora Illi, durch ihren Niqab-Auftritt bei Anne Will bekannt gewordene Salafistin aus der Schweiz.

3. "Geht ein Fußballer oder ein Politiker hin und sagt öffentlich: ,Ich bekenne mich dazu, dass ich homosexuell bin', dann applaudiert die ganze Welt und sagt: ,Endlich mal stehen Leute auf und geben das preis!', und man hat das Gefühl, dem wird jetzt nächste Woche das Bundesverdienstkreuz verliehen, weil er das jedem mitgeteilt hat."

a) Ken Jebsen (bürgerlich: Moustafa Kashefi), in Iran geborener rechtspopulistischer Internetstar ("KenFM").

b) Abu Adam (bürgerlich: Sven Lau), in Mönchengladbach geborener salafistischer Prediger.

4. "Der Islam war nie eine Religion des Friedens. Der Islam ist eine Religion des Kampfes."

a) Norbert Hofer, Kandidat der FPÖ für das Amt des österreichischen Bundespräsidenten.

b) Abu Bakr al-Bagdadi, Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat.

5. "Im 21. Jahrhundert trifft der lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp auf den selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp."

a) Björn Höcke, AfD-Vorsitzender in Thüringen.

b) Denis Cuspert alias Deso Dogg alias Abu Maleeq, Rapper in Diensten der Terrormiliz "Islamischer Staat".

6. "Wie immer sie geartet sein mag, jede Organisation verliert in den Augen sowohl männlicher als auch weiblicher Betrachter an Ansehen, je höher der Frauenanteil ist und je bedeutender die von Frauen bekleideten Positionen sind."

a) "Für ein freies Österreich". Broschüre, mit der die rechtspopulistische österreichische FPÖ für sich wirbt. Das Vorwort stammt von Norbert Hofer, dem jetzigen Präsidentschaftskandidaten der Partei.

b) "Die wahre Religion". Broschüre, mit der die islamistische "Lies!"-Kampagne des deutsch-palästinensischen Predigers Ibrahim Abou Nagie in deutschen Fußgängerzonen für sich wirbt.

7. "Wir haben eine internationale Konstellation, in der weite Teile der westlichen Welt, insbesondere die USA, dem islamisch geprägten Teil der Menschheit die Selbstbestimmung streitig machen. Sobald im islamisch geprägten Teil der Welt handlungsfähige Strukturen entstehen - wenn wir die Türkei mal außen vor lassen, die für die Amerikaner ja geostrategisch eine bestimmte Rolle spielt -, sobald da funktionierende Strukturen entstehen, werden die US-Amerikaner sofort aktiv, um diese Strukturen zu zerstören. Die USA sind teuflisch meisterhaft darin, Muslime gegeneinander auszuspielen."

a) Manfred Rouhs, Vorsitzender der "Bürgerbewegung Pro Deutschland".

b) Pierre Vogel, salafistischer Prediger, der 2011 ein öffentliches Totengebet für den kurz zuvor getöteten Osama bin Laden in Frankfurt geplant hatte.

8. "Grundort der Frau ist das Haus."

a) Pierre Vogel, salafistischer Prediger aus Nordrhein-Westfalen.

b) Björn Höcke, Thüringer AfD-Vorsitzender aus Nordrhein-Westfalen.

9. "Jeder, der vorgibt, für Demokratie und Frieden einzutreten, muss sich heute gegen den Zionismus stellen: gegen den nationalstaatlichen Zionismus in Israel (...); und noch mehr gegen den infiltrativen imperialistischen Globalzionismus, weil dieser (...) Frieden, Souveränität und Freiheit aller Völker dieser Welt bedroht."

a) Osama bin Laden, Gründer und langjähriger Anführer von al-Qaida.

b) Wolfgang Gedeon, AfD-Abgeordneter in Baden-Württemberg.

10. "Papa und Mama, so lernen es schon die Grundschüler, seien austauschbar, ihr eigenes Geschlecht könnten sie nach Belieben wechseln. Im Aufklärungsunterricht gibt es Fleißkärtchen für Pornokompetenz. Mama kommt nach einem harten Arbeitstag übermüdet nach haus, Papa zappt weiter von einer Schwulensendung zur nächsten. Kein Wunder, dass die Scheidungsrate steigt."

a) Jürgen Elsässer, Chefredakteur des rechtspopulistischen Magazins Compact.

b) Abu Musab al-Sarkawi, langjähriger Anführer von al-Qaida im Irak.

11. "Wie die Türken haben wir Deutschen in der Geschichte schon oft für eine gute Sache gekämpft, obwohl ich zugeben muss, dass meine Großväter bei unserem gemeinsamen Hauptfeind nicht ganz gründlich waren."

a) Andreas Abu Bakr Rieger, Konvertit, Mitbegründer sowohl der Islamischen Zeitung als auch des rechtspopulistischen Monatsmagazins Compact.

b) Pegida-Chef Lutz Bachmann, dessen Twitter-Account im April von Hackern gekapert und für Kampfparolen zugunsten des türkischen Präsidenten Erdoğan genutzt wurde.

12. "Die muslimischen Massen (...) gehen nicht auf die Straße, es sei denn gegen einen äußeren Feind, vor allem dann, wenn der Feind erstens Jude und zweitens Amerikaner ist."

a) Akif Pirinçci, türkischstämmiger Katzenkrimi-Autor, der zuletzt selbst den Pegida-Veranstaltern zu rechts war.

b) Aiman az-Zawahiri, in Ägypten geborener aktueller Al-Qaida-Chef.

13. "Wir müssen den Menschen Stolz und Identität zurückgeben. Wir müssen dafür den Zeitgeist zurückdrehen."

a) Frauke Petry, AfD-Bundeschefin. b) Mohammed Mursi, ägyptischer Muslimbruder.