Skandal um minderwertige Silikonkissen Fabrikant will weiter Billig-Implantate herstellen

Gegen den französischen Implantathersteller Jean-Claude Mas wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Doch der Gründer der umstrittenen Firma PIP will offenbar weiter billige Silikoneinlagen herstellen - als "technischer und kommerzieller Berater" im Unternehmen seiner Kinder.

Der Gründer der umstrittenen französischen Brustimplantate-Firma PIP, Jean-Claude Mas, will einem Pressebericht zufolge unter dem Dach eines neuen Unternehmens weiter Billigprothesen herstellen. Wie die Zeitung Nice Matin berichtete, führt die im Juni gegründete Firma France Implant Technologie (FIT) den "genialer Schöpfer " Mas als "technischen und kommerziellen Berater". Der Zeitung liegt nach eigenen Angaben ein entsprechender Businessplan von FIT vor, ein "Plan für die Rückeroberung des internationalen Marktes", wie es in dem Artikel heißt.

Die PIP-Fabrik in La Seyne-sur-Mer schloss 2010. Nun will Jean-Claude Mas gemeinsam mit seinen Kindern die Produktion offenbar wieder aufnehmen. (Das Archivbild zeigt ehemalige PIP-Angestellte)

(Foto: dpa)

Das Unternehmen wurde von Mas' Kindern Nicolas und Peggy Lucciardi gegründet und stellt dem Handelsregister von Toulon zufolge chirurgisches und zahntechnisches Material her. Wie aus dem Geschäftsplan hervorgeht, will FIT aber Brustimplantate produzieren - an den alten Produktionsstätten von PIP. Nachdem bekannt geworden war, dass PIP minderwertiges Silikon für die Herstellung der Implantate einsetzte, musste das Unternehmen im Frühjahr 2010 schließen. Etwa 100 Angestellte verloren ihre Jobs.

Nice Matin zufolge will das neue Unernehmen FIT zwei Millionen Euro investieren, um die Fabrik in La Seyne-sur-Mer an der Côte d'Azur wieder flottzumachen - ab Juni 2012 sollen 400 Implantate täglich produziert werden, für den Export nach Südamerika und Europa. Konkurrenzfähig werden sollen die Produkte demzufolge durch den Preis. FIT verspreche in seinem Geschäftsplan, ein Drittel günstiger als die Konkurrenz zu produzieren und die Silikonkissen für einen Preis zu verkaufen, der zehn Prozent unter den Angeboten von Mitbewerbern liege.

Durch den Einsatz von minderwertigem Silikon hatte PIP nach Angaben der französischen Behörden die Produktionskosten sogar auf ein Zehntel des Üblichen gedrückt - und damit möglicherweise die Gesundheit Hunderttausender Frauen weltweit aufs Spiel gesetzt.

Mas hat das Vorgehen von PIP längst eingeräumt - und verteidigt. Alle Silikongele könnten im Körper zu Irritationen führen, sagte sein Verteidiger Yves Haddad. Schon vorher hatte der Anwalt den Einsatz von Billig-Silikon mit den lapidaren Worten gerechtfertigt, es habe sich um eine "kapitalistische Vorgehensweise" gehandelt.

Allerdings sind die aktuellen Karriereaussichten des 72-jährigen Mas ausnehmend trüb: Ende 2012 soll gegen ihn ein Prozess wegen "schweren Betrugs" beginnen. Ermittlungen laufen auch wegen fahrlässiger Tötung. Zudem könnten Entschädigungszahlungen in Millionenhöhe auf den Rentner zukommen: Die staatliche französische Krankenversicherung Cnam erstattete Strafanzeige gegen Unbekannt - wegen "schwerer Irreführung und Betrugs" der Sozialkasse.

In einer beispiellosen Aktion hatten die zuständigen französischen Behörden den 30.000 betroffenen Frauen vergangene Woche empfohlen, die PIP-Implantate vorsorglich entfernen zu lassen. Die Kosten, die für die Versicherer durch diese Operationen entstehen, werden auf etwa 60 Millionen Euro geschätzt.