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Sexuelle Gewalt:Schweden

Massenbewegung gegen alltäglichen Missbrauch

Am Sonntag sind sie wieder auf die Straße gegangen, haben in 20 schwedischen Städten mit Fackelzügen gegen die Diskriminierung von Frauen demonstriert. "Die Me Too-Revolution hat begonnen", schreiben die Veranstalter, und in Schweden kann man mindestens von einer Massenbewegung sprechen.

Die hat dort zwar angefangen, wie in anderen Ländern auch: Schauspielerinnen haben über sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen durch Kollegen berichtet. Doch danach ging es wie eine Welle durch viele Berufsstände, meldeten sich Tausende Juristinnen, Technikerinnen, Journalistinnen, Politikerinnen zu Wort und bestätigten die widerlichen Geschichten vom alltäglichen Missbrauch.

Nun bemüht sich Schweden seit Jahrzehnten wie nur wenige Länder darum, Frauen gleiche Chancen zu geben. Eben erst hat die Regierung dafür eine eigene Behörde, eine Gleichstellungs-Behörde, geschaffen. Umso schockierter sind viele nun, dass auch die schwedische Gesellschaft Frauen offenbar nicht vor sexueller Gewalt schützen kann. Und glauben fest daran, dass die "Me Too"-Bewegung endlich etwas ändern wird. Sogar König Carl XVI. Gustaf hat gesagt, dass diese wohl letztlich zu etwas Gutem führen könne, weil man nun alte Steine umdrehe.

Die Regierung plant neue Gesetze, um Opfer stärker zu schützen und Täter härter zu bestrafen. Ein erster Gesetzesvorschlag sieht vor, Sex strafbar zu machen, wenn er nicht freiwillig ist. Dann muss man vor dem Geschlechtsverkehr sicher sein, oder sich im Zweifel vergewissern, dass der andere auch will. Die Reform ist schon lange geplant, durch die "Me Too"-Debatte hat sie eine neue Dringlichkeit erhalten. Silke Bigalke

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