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SM-Utensilien im Haushalt:"Für Klapse auf den Hintern eignet sich auch ein Rührlöffel"

Kinostart - Fifty Shades of Grey

Der Film 50 Shades of Grey, der jetzt in die Kinos kommt, könnte viele Paare dazu inspirieren, neue sexuelle Praktiken auszuprobieren.

(Foto: dpa)

Britische Baumärkte bereiten sich schon auf delikate Kundenanfragen zu SM-Utensilien vor, weil "Fifty Shades of Grey" in die Kinos kommt. Sexualberaterin Silke Maschinger erklärt, wie man den Film für die eigene Partnerschaft nutzen kann.

Gestern wurde auf der Berlinale "Fifty Shades of Grey" zum ersten Mal in Deutschland gezeigt, heute kommt der Film in die Kinos. Bereits im Vorfeld gab es viele Gerüchte und einen großen Hype. Sex-Spielzeughersteller erwarten Umsatzzuwächse - genau wie vor vier Jahren, als das gleichnamige Buch herauskam. Die Washington Post berichtet, dass es in den vergangenen Jahren in den USA mehr Sexunfälle gegeben habe, mutmaßlich ist "Fifty Shades of Grey" schuld. Wir haben mit der Berliner Sexualberaterin Silke Maschinger darüber gesprochen, wie der Film das Sexualleben anregen kann und welche Praktiken für Neulinge in der SM-Szene empfehlenswert sind.

Süddeutsche.de: Frau Maschinger, für Sie als Sexualberaterin ist der Kinobesuch ja fast eine Pflichtveranstaltung.

Silke Maschinger: In die "Fifty Shades of Grey"-Bücher hab ich damals kurz reingelesen. Aber das war ja keine besonders intensive Sex- oder SM-Geschichte, sondern eher eine Romanze. Über bestimmte Praktiken erfährt man da nicht viel.

Trotzdem gibt es einen Hype um den Film. Millionen Zuschauer werden in den Kinos erwartet. Eine britische Baumarktkette hat ihre Mitarbeiter sogar angewiesen, sich mit "Fifty Shades of Grey" zu beschäftigen, damit sie Kunden, die sich nach Materialien für Sexspielzeug erkundigen, kompetent beraten können.

Ganz abwegig ist das nicht. Es gibt schon einige SM-ler, die sich im Baumarkt eindecken. Sie kaufen zum Beispiel Seile und Ketten oder Material, um sich spezielle SM-Möbel zu konstruieren, etwa Schaukeln und Wippen. Das sind diejenigen, die gerne basteln und auch schon etwas Erfahrung mit SM haben.

maschinger

Silke Maschinger, Jahrgang 1970, Sexualberaterin, Buchautorin und Herausgeberin des Online-Erotikmagazins erosa.de. Bei ihr können sich Paare und Singles coachen lassen, die nach neuen sexuellen Perspektiven suchen, sich aber möglicherweise nicht trauen, darüber offen zu reden. Seit 2005 veranstaltet Maschinger den Erotischen Salon, eine regelmäßige Diskussions- und Vortragsveranstaltung rund um Erotik und Sexualität. Im gerade erschienenen Buch "Sexworker", das Maschinger gemeinsam mit zwei Autorinnen verfasst hat, geht es um 33 Frauen, die von ihrer Arbeit mit der Sexualität erzählen.

(Foto: oh)

Angeblich haben zwischen fünf und 15 Prozent der Bevölkerung SM-bezogene Neigungen. Hat "Fifty Shades of Grey" einen Beitrag dazu geleistet, das Thema aus der Tabuzone zu holen?

Ein bisschen ja. Die Gesellschaft wird zwar schon seit Jahren offener für das Thema. Es gibt immer mehr Bücher und Veranstaltungen und heute haben es SM-ler durch das Internet leicht, Gleichgesinnte zu finden. Aber der Film ist gerade für Leute, die bisher noch nicht damit in Berührung gekommen sind, ein sehr guter Aufhänger, um mit dem Partner zu sprechen. Man kann einfach sagen, ich habe den Film gesehen und finde das spannend. Man muss dann nicht sofort über die eigenen Sex-Fantasien reden, sondern kann sich langsam herantasten und beobachten, wie das Gegenüber reagiert.

Sie bieten Sexualberatung für Paare und Singles an. Rechnen Sie jetzt, wenn der Film herauskommt, auch mit mehr Andrang?

Bei mir persönlich haben sich bisher noch nicht mehr Leute gemeldet als sonst auch. Aber Kollegen, die SM-Stammtische organisieren, haben mir erzählt, dass da seit einiger Zeit viel mehr Leute kommen - und sich dann wundern, dass in der Szene oft härtere Praktiken verbreitet sind, die weit über ein bisschen Fesseln und ein bisschen Hinternverhauen hinausgehen.

Welche Praktik empfehlen Sie denn für Anfänger, die das jetzt einfach mal ausprobieren wollen?

Das erste, was man als neugieriges Paar machen kann, ist, seinem Partner die Augen zu verbinden. Dadurch ist er schon in der Kontrolle der Situation eingeschränkt.

Und darauf kommt es an beim SM?

Ja, das ist ein wichtiger Teil. Das Spiel mit der Kontrolle und mit den eigenen Grenzen. Der zweite Schritt, nach der Augenbinde, wäre dann vielleicht, sich gegenseitig mal die Hände ans Bett zu fesseln oder die Hände aneinanderzufesseln. Das erfordert aber schon sehr viel Vertrauen. Und gerade als Anfänger sollte man darauf achten, nicht zu fest zuzuziehen, so dass sich der andere selbst befreien kann. Außerdem ist ein Codewort wichtig.

Ein Codewort?

Das ist einfach ein Sicherungssystem, wenn es einem der Beteiligten zu viel wird. Das gespielte Nein kommt beim Sex häufig vor, und gerade bei SM-Praktiken ist es dann nützlich, wenn es ein Wort gibt, dass nicht ironisch oder spielerisch gebraucht wird.