Serie "Reden wir über Liebe":Ist das Paar auch ein Team?

Ines Daun

Ines Daun Ines Daun ist Anwältin für Familienrecht

(Foto: privat)

Das heißt, am Ehevertrag zeigt sich, wie teamfähig ein Paar ist - und welche Befindlichkeiten vorliegen?

Absolut. Wenn sich da bereits einer über den Tisch gezogen fühlt, ist das keine gute Basis.

Aber erzeugt nicht erst der Vertrag dieses Misstrauen?

Wenn, dann aus irrationalen Gründen. So ein Vertrag ist keine Bedrohung, er schafft Klarheit. Beide legen ihre Bedürfnisse und Vorstellungen offen, da lässt jeder die Hosen runter. Glauben Sie mir, wer das vorab nicht vertreten kann, kann das während der Ehe erst recht nicht. Bei den Verhandlungen erarbeitet man gemeinsam eine Lösung, die beiden als gerecht und tragfähig erscheint. Erst dann wird unterschrieben.

Die meisten denken, dass sie ihren Partner gut genug kennen, um sich auch im Falle einer Trennung auf ihn verlassen zu können.

Ja, manche regeln ihre Angelegenheiten sogar ganz friedlich untereinander, da bin ich lediglich der Coach im Hintergrund für die juristischen Belange. Doch die meisten Menschen, die zu mir kommen, können erst einmal gar nicht miteinander kommunizieren. In dem Fall kann der Ehevertrag dazu beitragen, sich schneller zu einigen.

Warum verwandeln sich nette, vernünftige Menschen bei einer Scheidung in Monster?

Eine Scheidung ist der größtmögliche private Konkurs. Wenn der Lebensplan scheitert, führt das zu Trauer, Wut, Hass. Die Verletzungen sind teils derart heftig, da herrscht einfach nur Krieg. Das sind Menschen in Ausnahmesituationen, da brechen die Gefühle unkontrolliert heraus.

Wie soll man auch ruhig bleiben, wenn man womöglich jahrelang betrogen wurde oder einfach ersetzt wird ...

Niemand kann erwarten, dass man in so einem Fall emphatisch und verständnisvoll reagiert. Wichtig ist jedoch, dass man bei sich bleibt, für sich sorgt, und klärt: Was will ich jetzt tun, wie geht es für mich weiter? Es bringt nichts, wenn man sich weiterhin mit dem Leben des anderen beschäftigt, der gerade mit einer anderen Person Wellness-Urlaub macht - womöglich genau in dem Hotel, in dem man vor zehn Jahren selbst als Paar romantische Nächte verbracht hat.

Dennoch tun Menschen in ihrer Verzweiflung unvernünftige Dinge, oder?

Tja, allerdings. Manche stechen dem Partner die Autoreifen auf, spucken ihrer Frau in den Cremetigel, räumen das Konto leer, zerstören Möbel oder werfen Geschirr gegen die Wand. Andere sind einfach nur handlungsunfähig, haben einen Nervenzusammenbruch oder rutschen in eine Depression. Auch sehr interessant: Wenn Paare jahrelang gegeneinander prozessieren, ohne zu einem Ende zu kommen. Das bietet auf eine gewisse Art die Möglichkeit, Einblick ins Leben des anderen zu behalten. Wenn Ex-Partner nach so langer Zeit noch immer so viel Raum im Alltag des anderen einnehmen, kann man davon ausgehen, dass zumindest einer von beiden noch nicht losgelassen hat.

Was haben Sie durch Ihre Erfahrung als Scheidungsanwältin über die Liebe gelernt?

Liebe ist ein Geschenk, an dem man arbeiten muss. Damit meine ich vor allem: an sich selbst.

Was verstehen Sie persönlich unter wahrer Liebe?

Seelenverwandtschaft. Eine tiefe Verbindung, selbst bei getrennten Wegen und unterschiedlichen Meinungen. Verbundenheit spüren, in Kombination mit Begehren - nicht nur in erotischem Sinne, sondern in Form von liebevoller Zugewandtheit. Und die Kraft, den anderen zu lassen wie er ist. Wenn mir das nicht gelingt, obwohl ich an mir arbeite, dann ist er nicht der richtige.

© SZ.de/olkl/rus
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