Seniorensport Sport im Alter hebt die Lebenserwartung um bis zu 3,8 Jahre

Wenn man Klemens Wittig laufen sieht, könnte man ihn für zwanzig, dreißig Jahre jünger halten. Warum das so ist, das begründet Wittig so: "Ich bin kein besonderes Talent, ich bin nur sehr diszipliniert." Sportwissenschaftler gingen bisher davon aus, dass die maximal mögliche Sauerstoffabnahme des Körpers ab dem 30. Geburtstag stetig abnimmt, pro Jahrzehnt etwa um zehn Prozent. Man wird automatisch langsamer und schwächer. Neuere Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass sich dieser Prozess mit gezieltem Training verlangsamen lässt.

Klemens Wittig setzt auf eine Kombination aus Tempoläufen und langen Regenerationsläufen. Sein Ziel: "Nächstes Jahr könnte ich in meiner Altersklasse Europas Sportler Nummer eins sein." Er wirkt allerdings weniger verbissen, als das klingt. Sein Terminkalender ist zwar gut gefüllt, aber es stehen nicht nur Trainingseinheiten darin. Er hat eine große Familie mit zwei Töchtern, vier Enkeln und einem Urenkel. Wenn kein wichtiger Wettkampf ansteht, unternimmt er große Radtouren, etwa von Dortmund nach Petersburg, nach Santiago de Compostela oder quer durch die USA. Über seine Reisen hält er regelmäßig Vorträge.

Schwedische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Sport im Alter die Lebenserwartung um bis zu 3,8 Jahre steigern kann. Wenn alles gut geht, will Klemens Wittig noch so lange laufen, wie es seine Beine ihm ermöglichen. Er wohnt mit seiner Frau neben dem Brechtener Friedhof, eine Grabstelle hat er sich schon ausgesucht. Aber das muss nichts heißen.

"Wenn ich 100 Jahre alt werde", sagt Wittig, "dann laufen meine Enkeltöchter gemeinsam einen Marathon mit mir. Das haben sie mir versprochen." Noch sind sie langsamer als er.

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