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Scientology-Rekruten:Komm zu uns!

Scientology entwickelte eine äußerst effektive Technik, um Prominente zu rekrutieren: Eine Attacke auf die psychologischen Schwachstellen der Stars.

Jürgen Schmieder

Lafayette Ronald Hubbard wusste es schon im Jahr 1955: Die Publicity-Wirkung von Hollywoods-Stars ist nicht zu unterschätzen. Also startete der Scientology-Gründer das "Project Celebrity". Möglichst viele Promis sollten der Sekte beitreten, denn - das vermerkte Hubbard in einem Memo - Schauspieler erregen Aufmerksamkeit, sind glaubwürdig und werden nachgeahmt. Hubbards einfache wie geniale Idee: Je mehr prominente Konvertiten, desto mehr Scientology-Anhänger.

John Travolta

Der Comeback-Film für John Travolta: "Pulp Fiction".

(Foto: Foto: dpa)

Die ersten Versuche, Prominente zu gewinnen, schlugen allerdings fehl - trotz eines ausgeklügelten Plans. In Band 7 des Organization Executive Course, dem neun Bände starken Leitfaden, erläuert Hubbard, wie die Berühmtheiten anzuwerben sind. Auf Hubbards Liste befanden sich 1955 Namen wie Marlene Dietrich, Greta Garbo, Walt Disney und Ernest Hemmingway. Keiner von ihnen konvertierte - und Hubbard wusste auch, warum. In einem anderen Memo legte er nämlich den besten Zeitpunkt für eine Rekrutierung fest. Die Prominenten müssten sich entweder in einer Krise befinden, auf dem absteigenden Ast sein oder noch nicht auf dem Höhepunkt ihrer Laufbahn.

Dennoch: Hubbard hatte keinen Erfolg. Erst als sein Nachfolger David Miscavige das Celebrity Center einrichtete, eine Abteilung, die sich ausschließlich darauf konzentriert, Stars zu rekrutieren und zu pflegen, hatte das Programm Erfolg. Das Center entwickelte eine äußerst effektive Technik. Die Rekruteure recherchieren die psychologischen und emotionalen Schwachpunkte der Stars. Danach versucht ein Mitglied, Kontakt herzustellen. Es beginnt das "Admiration Bombing" - das fragile Star-Ego wird mit Bewunderung und Aufmerksamkeit bombardiert. Der perfekte Köder für einen von Selbstzweifeln geplagten Promi.

Nach dem Rekrutieren hat Scientology ein leichtes Spiel: Es gibt Seminare, luxuriöse Betreuung - und nicht zuletzt Karriereberatung. So kam etwa John Travoltas Karriere erst wieder in Schwung, nachdem er sich Scientology angeschlossen hatte.

Werbung mit allen Mitteln - das ist das Credo von Scientology. So wurde auch Albert Einstein bereits unfreiwillig zur Werbeikone für die Sekte. Neben einem Bild des Physikers steht dessen berühmte Formel "E=mc2" und der Satz "Wir nutzen nur 10 Prozent unseres geistigen Potentials." Obwohl inzwischen bewiesen ist, dass Einstein den Satz nicht gesagt hat, wirbt Scientology damit und nutzte die Aufmerksamkeit, um Werbung zu machen. Der Artikel unter dem Bild beginnt so: "Warum nutzen wir nur 10 Prozent unserer geistigen Möglichkeiten? In dem Buch 'Diänetik' von L. Ron Hubbard finden Sie die Antworten."

Auf diese Weise hat sich die Church of Scientology in Hollywood eine ernstzunehmende Machtposition verschafft. Mitglieder verschaffen anderen Mitgliedern Filmrollen, laden sich gegenseitig in Talkshows ein und positionieren sich auf wichtigen Posten.

Sieht man sich die Liste der Konvertiten an, erkennt man, dass die weltweit operierenden Celebrity Center großen Erfolg haben. Tom Cruise und John Travolta sind zwar die bekanntesten Namen - aber nicht die einzigen. Hier ist eine Liste mit prominenten Konvertiten und in welchem Stadium der Berühmthiet sie rekrutiert wurden:

© sueddeutsche.de/mmk
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