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Schweizer Playboy:Immer Ärger mit Carli

Jungmillionär Carl Hirschmann - von Beruf Sohn und prominentester Playboy der Schweiz - mag es gar nicht, wenn eine Frau seine Annäherungsversuche nicht zu schätzen weiß.

Die Liste der Delikte, die Carl Hirschmann zur Last gelegt wurden, ist fast so lang wie die Liste der Jetset-Frauen und Mannequins, die er verführt haben will.

Jungmillionär Carl Hirschmann

"Ich bin vielleicht etwas heißblütig", sagt Carl Hirschmann. Das ist eine leichte Untertreibung: Der 29-jährige Sohn eines Flugzeugunternehmers rastet gerne mal aus, wenn sich ihm eine Frau widersetzt.

(Foto: Foto: Blick)

Auf der einen steht: Körperverletzungen, sexuelle Nötigung, Verführung Minderjähriger, Rowdytum auf der Straße und mehrmaliger Führerschein-Entzug. Auf der anderen: Bianca Gubser (Unterwäschemodel, Stieftochter des Medienunternehmers Jürg Marquard), Paris Hilton (Societygirl), Sandy Meyer-Wölden (nach Becker, vor Pocher), Whitney Toyloy (Miss Schweiz), Bar Refaeli (Leonardo DiCaprios Freundin).

Sex und ein bisschen Crime: Diese Mischung ist Hirschmann immer gut bekommen. Der 29-Jährige ist der bekannteste Playboy der Schweiz - Gunter Sachs ist ja schon länger außer Dienst. Mit seinem Lotterleben hat sich Hirschmann einen Stammplatz in der Cervelat-Prominenz gesichert. Das sind jene Menschen, die ständig im Gespräch sind, obwohl niemand weiß warum. Es weiß auch niemand mehr, warum sie nach der roten Rostbratwurst benannt sind, die auf Volksfesten mit Semmel gegessen wird. In Deutschland heißen sie B-Promis.

Natürlich haben Hirschmanns Verfehlungen auch Methode, sie sind eine Art Geschäftsmodell. Denn die Klatschmeldungen über den Partykönig locken Gäste in dessen Nachtclub St. Germain an der feinen Zürcher Bahnhofstraße. Und wenn Carli, so sagen Freunde zu ihm, wieder einem auf die Nase gehauen hat ("ich bin vielleicht etwas heißblütig"), dann gibt er dem Geschädigten einfach 5000 Franken. Und Schwamm drüber.

Sein Hauptberuf: Sohn

So war es jedenfalls bisher. In jüngster Zeit hat es Hirschmann übertrieben. Anfang November wurde er auf der Straße in Zürich verhaftet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in mehreren Fällen. Laut Medienberichten zwang der junge Mann Frauen zum Oralsex, eine von ihnen im abschließbaren Platinum Room seines Clubs. Von einer anderen schoss er angeblich heimlich Nacktbilder. Außerdem soll er in Gstaad einen Geschäftsmann gewürgt und geschlagen haben.

Nach vier Tagen Untersuchungshaft kam Carli frei, gegen 500.000 Franken Kaution, die sein Vater bereitstellte. Denn Hirschmann ist eigentlich nicht Unternehmer, wie er selbst behauptet, er ist hauptberuflich Sohn.

Er entstammt einer der reichsten Schweizer Familien, die im Flugzeuggeschäft laut der Zeitschrift Bilanz ein Vermögen von ein bis 1,5 Milliarden Franken aufgehäuft hat. Im Privatjet nach Nizza, mit der Yacht nach Capri - zum Feiern mit den Freunden war immer Geld da.

In welchem Ausmaß sich Hirschmann, der außer ein paar Monaten Wirtschaftsstudium keine Ausbildung hat, vom Vater durchfüttern lässt, erfuhr die Öffentlichkeit vor zwei Wochen in einem Prozess in Basel. Dort soll Carli einem 23-Jährigen in einer Disco das Nasenbein gebrochen haben. Der junge Mann hatte seiner Freundin beistehen wollen, die von Hirschmann geohrfeigt worden war, weil sie sich nicht von ihm abschleppen lassen wollte.

Geringverdienender Porsche-Fahrer

Diesmal funktionierte das mit den 5000 Franken Schmerzensgeld nicht, das Pärchen verlangte 60.000. In der Verhandlung musste Hirschmann Auskunft über seine Vermögensverhältnisse geben. Er verdiene 20.000 bis maximal 30.000 Franken im Jahr, sagte der Porsche-Fahrer; in Zürich liegt das unter dem offiziellen Existenzminimum.

"Da kriegen Sie ja mehr, wenn Sie Einkaufswagen im Supermarkt rumschieben", feixte der Richter. Na ja, sein Vater gebe eben was dazu, murmelte Hirschmann, wie immer im Maßanzug. Auch habe er umsonst in Vaters Haus wohnen können. Bis er vor einigen Wochen eine Suite im frisch renovierten Hotel Dolder auf dem Zürichberg bezog, um sich "vor den Medien zu schützen".

Größenwahn und Tobsuchtsanfälle

Das billigste Zimmer kostet dort 540 Franken. Im Übrigen sei alles ganz anders gewesen in der Basler Disco. Der Richter sagte, er glaube ihm kein Wort und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe in Höhe von 54.000 Franken auf Bewährung. Und zu einer Psychotherapie, "das sind Sie der Öffentlichkeit schuldig". Er sei der Typ Mann, der sich in seinem Ego gekränkt fühle, wenn ihn eine Frau nicht wolle.

Ehemalige Geschäftspartner schildern Hirschmann als größenwahnsinnig. Mit seinen gewalttätigen Neigungen habe er offen kokettiert. Er könne von einer Sekunde auf die andere die Beherrschung verlieren und herumtoben, "bis er endlich bekommt, was er will". Haben wollen: Damit ist wohl auch sein Verhältnis zu Frauen charakterisiert.

Negatives Frauenbild

Er wuchs in Südfrankreich auf, seine französische Mutter nahm ihre beiden kleinen Söhne nach der Trennung vom Vater erst mit nach Paris, schickte sie dann aber zum Ex-Mann nach Zürich zurück. Vertraute schließen küchenpsychologisch: Das Fehlen der Mutterfigur habe Carls Frauenbild negativ geprägt.

In jüngeren Jahren gehörte er der Zürcher Jeunesse dorée an. Die Eltern der Jugendlichen - Unternehmer, Ärzte, Anwälte, Banker - wohnen in Küsnacht, Erlenbach oder Herrliberg, an der Goldküste eben, dem von Sonne und Reichtum verwöhnten rechten Ufer des Zürichsees. Manche scheitern an der Schrankenlosigkeit dieses Lebens, verlieren sich im Drogenwahn, in Frauengeschichten.

Hirschmann steht in Zürich nun ein weiterer Prozess bevor. Um wenigstens die Öffentlichkeit zurück auf seine Seite zu ziehen, hat er den Medienberater Sacha Wigdorovits engagiert. Dessen erster Coup war ein "Dokument", in dem eine 19-Jährige die Oralsex-Vorwürfe gegen Hirschmann als frei erfunden bezeichnet.

Als Nächstes riet Wigdorovits zu einem Exklusiv-Interview. Sicher habe er Fehler gemacht, sagte Carli der Zeitung Sonntag, "aber ich bin ganz anders, als mich die Boulevardpresse beschrieben hat". Privat sei er "ein sensibler Typ, ein Romantiker". Und bis er nicht Frau und Kind habe, sei sein Leben nicht erfüllt.