Schweden: König gibt InterviewCarl Gustaf dementiert Rotlicht-Gerüchte

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Interview mit einem König: Der schwedische Regent Carl XVI. Gustaf gibt dem Druck der Medien nach und äußert sich erstmals zur Affäre um angebliche Skandal-Bilder. Er sagt: "Die gibt es nicht."

Gunnar Herrmann, Stockholm

Schwedens König Carl XVI. Gustaf hat am Montagabend die Skandal-Gerüchte rund um sein Privatleben dementiert. "Da ist nichts dran", sagte er der schwedischen Nachrichtenagentur TT in einem Interview. Insbesondere versicherte er, es gebe es keine kompromittierenden Fotos, auf denen er zu sehen sei.

Muss sich wegen der Kontakte eines Freundes zu Kriminellen unangenehmen Fragen stellen: Schwedens König Carl XVI. Gustaf
Muss sich wegen der Kontakte eines Freundes zu Kriminellen unangenehmen Fragen stellen: Schwedens König Carl XVI. Gustaf (Foto: AFP)

Der ehemalige Nachtclubbesitzer Mille Markovic hatte dagegen mehrfach behauptet, solche Fotos zu besitzen, was für viele Schlagzeilen sorgte. Auf die Frage, ob solche Bilder überhaupt existieren könnten, antwortete der König nun: "Nein, die kann es tatsächlich nicht geben." Es war das erste Mal, dass Carl Gustaf in einem Interview zu den Gerüchten Stellung nahm.

Das schwedische Königshaus stand nach mehreren Skandalen in den vergangenen Monaten zunehmend unter Druck. Einer aktuellen Umfrage zufolge wollen nur noch 44 Prozent der Schweden, das Carl Gustaf im Amt bleibt. 41 Prozent sähen lieber seine Tochter Victoria auf dem Thron.

Die Probleme begannen im Herbst mit dem Erscheinen des Buches "Der widerwillige Monarch". Darin schildert der Journalist Thomas Sjöberg Seitensprünge und wüste Partys des Königs und wirft dem Monarchen Kontakte zur Unterwelt vor. Zuletzt kam heraus, dass Anders Lettström, ein Freund des Königs, sich wegen der Skandale an einen berüchtigten Kriminellen gewandt hatte. Er wollte mit dessen Hilfe die Fotos des Nachtclubbesitzers Markovic kaufen. Lettströms Bitte wurde auf Band aufgezeichnet und der Presse zugespielt.

Der König erklärte nun, er wisse nicht, warum Lettström das getan habe. "Ich lenke ihn nicht." Er habe mit ihm auch länger nicht gesprochen. Es sei "nur traurig", dass Lettström ein schlechtes Urteilsvermögen gehabt habe und mit "gewissen kriminellen Gruppen" in Kontakt gekommen sei.

Im schwedischen Parlament gab es vereinzelt Rufe nach einer Verfassungsänderung. Der sozialdemokratische Abgeordnete Sven-Erik Österberg verlangte am Montag mehr Einblick in die Finanzen des Hofes. Auch über die Immunität des Königs gegen Strafverfolgung wurde diskutiert.

Linksparteichef Lars Ohly, ein bekennender Republikaner, sagte: "Heute kann der König sich sonst wie benehmen, und es hat keine Konsequenzen. Dann kann er es unterlassen, auf Fragen zu antworten." Carl Gustaf hatte wegen der Lettström-Affäre mehrere Pressetermine abgesagt. Die Medien hatten daraufhin gefordert, er solle sich endlich zu der Sache äußern - was er nun also getan hat.

© SZ vom 31.05.2011 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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