Dieser Text stammt aus dem Familien-Newsletter der Süddeutschen Zeitung, der jeden Freitagabend verschickt wird. Hier können Sie ihn abonnieren.
Liebe Leserin, lieber Leser,
„und, freust du dich schon auf die Schule?“ – diesen Satz muss meine sechsjährige Tochter zurzeit ständig beantworten und sie tut das immer auf die gleiche Weise: mit einem knappen „Ja“, ohne weitere Ausführungen oder Hinweise auf tiefere Gefühlsregungen. Unsere große Dramatikerin, cool wie ein Eiswürfel. Zumindest in der Öffentlichkeit. Auf der Eltern-Kind-Frequenz sendet sie ein paar Zusatzhinweise: Sie geht wieder öfter an die Decke und knallt die Kinderzimmertür, wobei die Wutausbrüche neuerdings von Buntstift-Nachrichten begleitet werden („KENDACEMA VABOTAN RAIN KUKEN“). Alle paar Tage stellt sie beim Schlafengehen eine Frage zum Schulalltag. Es könnte also gut sein, dass sie sich mehr Gedanken macht, als sie nach außen hin zeigt.
Uns Eltern geht es ähnlich. Wir arbeiten Dokumente und Elternabende ab, tauschen uns mit Freunden aus, die schon Schulkinder haben, und schicken uns gegenseitig Texte zum Thema. Zum Beispiel diesen aus dem Bayernteil der SZ, in dem Experten alle wichtigen Fragen zum Schulstart beantworten (SZ plus). Oder diese Serie zum Umgang mit Hausaufgaben, Noten und Schulstress aus dem SZ Magazin (SZ plus).
Akribische Vorbereitung ist meine Art, mit Unsicherheit umzugehen. Vermutlich hat es mich deshalb vergangene Woche auf merkwürdige Weise glücklich gemacht, Punkt 1 bis 37 der Erstklässler-Materialliste abzuhaken. Wobei ich am „Schreibheft LIN 1, DIN A4 doppelt, farbig hinterlegt“ beinahe gescheitert wäre.
Freue ich mich darauf, dass mein Kind in die Schule kommt? Ja. Gleichzeitig habe ich durchaus Respekt vor den Zwängen des bayerischen Schulsystems. Ich habe mir vorgenommen, mir ein Beispiel an meiner Tochter zu nehmen: cool bleiben. Und zur Not mal eine Tür knallen.
Ein schönes Wochenende wünscht
Felicitas Kock

