bedeckt München 16°

Schön doof:Ein Ort für alle

Illustration: Bene Rohlmann

Getrennte Toiletten gehören zu dieser Welt wie Männer und Frauen. Was für ein Unsinn, findet Christina Berndt. Unisex ist das wahre Klo, zumal für Menschen, bei denen gar nicht so klar ist, welchem Geschlecht sie nun eigentlich angehören.

Getrennte Toiletten gehören zu dieser Welt wie Männer und Frauen. Was für ein Unsinn, findet Christina Berndt. Unisex ist das wahre Klo.

Alle Anmerkungen über Equal Pay Days und Frauen in Dax-Vorständen sind ja schön und gut. Aber das wirklich offenkundige Zeichen der bis heute herrschenden Ungleichberechtigung sind: die Toiletten. Gleich, ob in der Pause im Circus Krone, in gleichberechtigt frequentierten Restaurants und sogar beim Fußballspiel gilt: Schlangen vor den Frauenklos, barrierefreier Zutritt für Männer.

Schon deshalb ist die Idee, die gerade in den USA diskutiert wird, längst überfällig: weg mit den diskriminierenden Männlein- und Fräulein-Zeichen an Toilettentüren, auf denen Frauen Zöpfe haben und immer Röcke tragen, her mit der längst überfälligen Unisex-Toilette für jedermann, die es in Deutschland bisher nur dort gibt, wo der Platz für zwei Toiletten nicht reicht, und die männliche Bauplaner bislang immer zu verhindern wussten - ebenso wie mehr Platz für Damentoiletten ungeachtet aller Schlangen.

Klar, würde mein schwuler Kollege M. jetzt sagen: Während sich die Frauen weiter gängeln lassen, ist es die LGBT-Bewegung, die das Kloproblem jetzt sehr deutlich zur Sprache bringt. Denn nirgends stellt sich so glashart die Frage nach der sexuellen Identität wie vor dem Gang zum WC: außer beim Ausstellen der Geburtsurkunde vielleicht, aber das haben Mama und Papa ja längst geregelt. Was bin ich? Mann? Frau? Wer bei dieser Antwort ein unentschlossenes "Irgendwie nichts davon oder beides zugleich" zu antworten geneigt ist, der ist vor dem Wasserlassen zu einer eindeutigen Position gezwungen. Nix Transgender, queer oder bi. Differenzierte Antworten sind nicht gefragt. Linke Tür. Rechte Tür. Bitte, legen Sie sich fest!

Die Einteilung ist vorsintflutlich, und ihr Hintergrund ohnehin bizarr. Müsste man nicht ganz andere Einteilungen vornehmen, also zum Beispiel echte Edel-WCs mit dem höchsten Schweizer Fünf-Sterne-Standard für ordnungsbewusste, olfaktorisch sensible Sauberkeitsfanatiker und, nun ja, eher bodenständige Erleichterungsorte für all jene, die sich auch in traditionsbewussten Pilspubs aufs Klo trauen. Aber lassen wir das mal lieber, solche Überlegungen führt vielleicht doch zu weit. Also Deckel drauf und Schluss.

Statt geschlechtsspezifischer Toiletten wäre eine andere Geschlechtertrennung auf der Arbeit viel sinnvoller: Küchen, in denen erwiesenermaßen sehr viel mehr Bakterien auf uns warten als auf der Toilette. Wir fordern Küchen für Männer. Und für Frauen. Und bitte ganz hermetisch und sauber abgeriegelt.