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Schmachtwort der Woche - Ausreden für Untreue:Volkskrankheit Sexsucht

In prominenten Kreisen gilt es seit längerer Zeit als schick, sich auf seine Sexsucht zu berufen, wenn man nach einer Veranstaltung voll wie eine Haubitze mit einer Horde Models aufs Hotelzimmer verschwunden ist, statt mit der Gattin zurück in die Hollywood Hills zu fahren. Zur Untermauerung der Glaubwürdigkeit tritt man einer Selbsthilfegruppe für Sexaholics Anonymous bei oder lässt sich in der "Promises"-Klinik in Malibu behandeln. Im schlimmsten Fall kann man sich bei der Gelegenheit gleich von seiner Scheidung erholen.

Ein leuchtendes Beispiel für irre Ausreden ist nach wie vor Boris Becker: Dass der einstige Tennisprofi seine flüchtige, aber intime Begegnung mit dem Model Angela Ermakova bis zuletzt abstritt, spricht vielleicht nicht unbedingt für seine Intelligenz - dafür aber umso mehr für seine Phantasie. Immerhin haben wir dem Besenkammer-Quickie eine völlig neue Dimension der Notlüge zu verdanken: die Version vom "Samenraub", an die sich Barbara Beckers untreuer Ehegatte lange klammerte. Er ahnte wohl: Ein Blick auf das blasse sommersprossige Mädchen mit den vollen Lippen, den blauen Augen und den roten Haaren genügte, um den Vaterschaftstest überflüssig zu machen.

Weil es dann auch schon egal war, erzählte er der Sun daraufhin die ganze Wahrheit (Es passierte nicht in der Besenkammer, sondern auf den Stufen zwischen zwei Toiletten!"). Seitdem kursiert die Zeugung der kleinen Anna unter dem Begriff "Treppenwitz". Wir wünschen der aktuellen Ehe mit Lilly wirklich nur das Beste. Aber sollte Boris jemals wieder die Beherrschung verlieren, sind wir jetzt schon gespannt auf die nächste Anekdote.

Manche Menschen können einfach nicht treu sein, selbst wenn sie wollen. Zahlreiche Untersuchungen haben sich bereits der Frage gewidmet, woran das liegen könnte. Eine Studie der Bradley University in Peoria, Illinois mit mehr als 13.000 Teilnehmern aus 46 Nationen hat ergeben, dass bei Fremdgehern meist bestimmte charakterliche Eigenschaften stärker ausgeprägt sind als bei anderen Personen. Demnach fördern fünf psychologische Faktoren - die "Big Five" - den Hang zur Promiskuität: große Extrovertiertheit, geringes Pflichtgefühl, ein geringes Maß an Verträglichkeit, die Offenheit für neue Erfahrungen und ein gewisser Hang zur Neurose - Letzteres gilt allerdings nur für Frauen. Neurotische Männer leben eher monogam. Oder ganz allein.

Diese Erkenntnis muss wirklich tröstlich sein für Maria Shriver: Nun weiß sie wenigstens, dass sie ihr Bett zwar mit einem extrovertierten, pflichtvergessenen, unverträglichen, undwerweißwasnochalles Mistkerl geteilt hat - aber zumindest nicht mit einem Neurotiker. Das könnte Arnie sich eigentlich merken, falls er mal wieder eine Ausrede braucht.

© SZ.de/kaeb/bavo
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