Natürlich wussten die Menschen auch schon vor 100 Jahren, wie man lächelt: die Mundwinkel nach oben ziehen, am besten dazu an was Schönes denken (dann lächeln die Augen mit). Es gibt mindestens zwei Gründe, warum auf alten Fotos die Menschen trotzdem fast immer ernst bis düster dreinschauen. Der eine ist ein technischer. Zu Anfang der Fotografie vor mehr als 180 Jahren dauerte ein einziges Foto mehrere Minuten lang. Die Menschen vor der Kamera mussten vor allen Dingen eins: Unbewegt bleiben! Das flüchtige Lächeln, diese zitternde Regung, die einem quer übers Gesicht huscht, hätte also das Ergebnis verpatzt. Der andere Grund ist ein kultureller. Lächeln, vor allem das Lachen, hatte früher einen ziemlich schlechten Ruf. Es galt als sündig und unfein. Vor 100 Jahren etwa kamen dann bezahlbare Kameras auf den Markt. Mit ihnen wurde das Lächeln Fotostandard: Cheese, Sphaghettiiiiiii, Ameisenscheiße!
Mehr zum Musculus zygomaticus major findet ihr in dieser Ausgabe im Liebe&Leben-Teil.
