Scheinväter:"Ich habe ihn im Stich gelassen"

Sie haben mit ihrer zweiten Ehefrau eine kleine Tochter. Haben Sie da einen Vaterschaftstest verlangt?

Sie hat ihn mir geschenkt. Das war das beste, was sie machen konnte. Denn wenn man einmal so hart betrogen wurde, wird man das nicht mehr los.

Haben Sie Kontakt zu ihrem Sohn aus erster Ehe? Und nennen Sie ihn überhaupt "Sohn"?

Ich sage immer, ich habe einen Sohn, der nicht mein Sohn ist. Das beschreibt es für mich am besten. Ich habe etwa neun Monate nach dem Test die rechtliche Vaterschaft angefochten, weil ich es nicht eingesehen habe, weiter Unterhalt an meine Ex-Frau zu zahlen. Sie hat damit gedroht, dass ich ihn dann nie wiedersehen würde. Und bis auf eine einmalige Ausnahme ist es so gekommen.

Vermissen Sie das Kind?

Ich versuche, das nicht mehr so sehr an mich heranzulassen, sonst gehe ich vor die Hunde. Ich suche keinen Kontakt zu ihm. Aber sollte er irgendwann auf mich zukommen wollen, wird er mich finden können. Mein Name ist nicht so häufig und durch meinen Blog bin ich im Netz präsent. Wenn er später einmal mit mir reden will, bin ich bereit, ihm Rede und Antwort zu stehen. Und wenn er mir dann Vorwürfe macht, ich hätte ihn im Stich gelassen, dann hat er recht. Ich habe ihn im Stich gelassen, denn ich habe nicht mehr um ihn gekämpft.

Weiß er denn, dass Sie nicht sein leiblicher Vater sind?

Ja, er weiß es. Das war die erste Frage, die ich mir gestellt habe, nachdem ich das Testergebnis hatte und wieder klar denken konnte: "Wie sollen wir das dem Kleinen beibringen?" Ich habe dann viel recherchiert und im Netz so gut wie nichts gefunden. Ein paar Geschichten von anderen Kuckucksvätern, ansonsten wird man da wirklich allein gelassen. Deshalb, um anderen in der gleichen Situation zu helfen, mache ich ja auch den Kuckucksvater-Blog, der sich übrigens auch an Kuckuckskinder, deren Mütter und biologische Väter richtet. Mir hat am Ende eine Kinderpsychologin von Pro Familia weitergeholfen. Sie hat gesagt, ich soll es meinem Sohn erklären und ihm gleichzeitig sagen, dass ich ihn sehr lieb habe. Das habe ich gemacht.

© SZ.de/tamo/olkl
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