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Scheidungskinder:"50-50 ist absoluter Unsinn"

Jede Schulferien fährt Lotte zu ihrer Mutter in den Norden, in diesen Herbstferien waren es aber nur vier Tage, denn: "Mir fehlen sonst meine Hunde." Die Haustiere leben im Heim ihres Vaters.

Lotte hat somit drei verschiedene Kinderzimmer. Georg Probst spricht von einem Wechselmodell "mit Schattierungen". Das läuft so, dass er 60 bis 70 Prozent der Betreuungszeit übernimmt, die Mutter, eine Rechtsanwältin, 30 bis 40 Prozent, je nachdem.

Er meint: "Starr 50-50 zu teilen, ist absoluter Unsinn. Das scheitert an unserer Arbeitswelt, wo hohe Flexibilität gefragt ist und ein Elternteil auch mal für das andere einspringen muss."

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Papa zahlt das Essen, Mama das Handy und Klamotten

Lediglich das Sorgerecht ist geteilt, die Kosten des täglichen Lebens für Lotte bestreitet Probst - und er bezieht auch das Kindergeld. Die Mutter zahlt Lotte das Handy samt Vertrag, bei einem 14-jährigen Teenager eine kostspielige Angelegenheit. Ebenso die Shopping-Touren für Kleidung, auf die Mutter und Tochter gehen, wenn sie sich in Bayern oder an der Nordsee sehen.

Scheidungsprofi Probst ist überzeugt vom Wechselmodell. Er sagt: "Die Kinder müssen sich nicht für einen Elternteil und gegen den anderen Elternteil entscheiden. Das entspricht ihrem natürlichen Grundbedürfnis nach Vater und Mutter."

Was die Tochter sagt

Befragt man Lotte alleine, klingen die Schattierungen dieses Modells nicht ganz so rosig. Sie findet, dass ihre Eltern trotzdem nicht wirklich entspannt miteinander umgehen.

Und findet eine Kategorisierung, die aus dem Mund einer 14-Jährigen fast zu abgeklärt klingt: "Es gibt drei Arten von Scheidungseltern. Die, die sich hassen. Die, die sich ignorieren. Und die, die freundschaftlich miteinander umgehen. Das sind die Scheidungseltern, die man haben will."

In der Theorie, meint das Mädchen, finde sie das Wechselmodell "super", in der Praxis sei sie oft innerlich zerrissen.