Scheidung im Alter:Das verflixte 25. Jahr

Die freundschaftliche Trennung nach langer Ehe gelingt schwer und doch versucht Harro Graf von Luxburg immer wieder zu vermitteln. Der Münchner Anwalt hat den Verein "Humane Trennung und Scheidung" gegründet und weiß, dass bei älteren Paaren die Fronten oft verhärtet sind. Es werde viel erbitterter um Ansprüche gekämpft.

Scheidungskampf mit harten Bandagen

"Existenzängste spielen eine ganz andere Rolle als bei einem jungen Paar", sagt Luxburg, der mit Sissi Traenkner das Buch "Es lief doch gut, was ging denn schief?" zu späten Scheidungen verfasst hat. Er hat Frauen erlebt, die ihre Männer aus Rache ruiniert und die Kindern gegen sie aufgehetzt haben. Meist seien aber immer noch die Frauen die Verlierer.

"Viele haben ihren Beruf aufgegeben, die Kinder großgezogen. Sie haben alles in die Ehe investiert, nichts in die Alterssicherung." Eine Anwaltskollegin sieht eine neue Entwicklung bei solchen Paaren: Trennung ja, Scheidung nein. Man einigt sich auf Unterhalt, Renten-, Erb- oder Lebensversicherungsansprüche bleiben.

Auch erwachsene Kinder leiden

Wenn eine Ehe geschieden wird, trennen sich nicht nur zwei Menschen, es teilt sich auch eine Welt. Nach 25 Jahren kann diese Welt groß sein. Freunde, Nachbarn, Tennisclub. Sein altes Leben hinter sich zu lassen gelingt fast nie, auch, weil es bei älteren Paaren fast immer Kinder gibt. Die leiden unter der Trennung genauso wie kleine Kinder, sagt Psychologin Fooken: "Sie fühlen sich um ihre Kindheit betrogen, fragen sich: War die glückliche Familie, die ich erlebt habe, nur gespielt?"

August, 51, und Angela, 50, aus München sind zusammen zum Anwalt gegangen. Nach einer Zeit der Funkstille haben sie wieder eine Basis für den Umgang miteinander gefunden - auch wegen ihrer Kinder, die beide studieren. Gemeinsam haben sie ihre Scheidung vorbereitet, nur weil das Recht es so vorsieht, gab es einen zweiten Anwalt.

"Das Recht ist nur auf Rosenkrieg ausgelegt", sagt August. Zu verhandeln gab es nichts groß, sagen beide. Es gibt kein Vermögen, keine Schulden. Er arbeitet als IT-Techniker, sie als Angestellte. Es gab keinen großen Knall, aber viele kleine Explosionen, sagt Angela.

Vor fünf Jahren trennten sie sich, vor vier Monaten war die Scheidung, 24 Jahre wurden in drei Minuten abgehandelt. Angela hat geweint, August sagt, dass er die Scheidung nie wollte. Woran es letztendlich gelegen hat, dass die Ehe zerbrochen ist, wissen beide nicht. "Es gibt wohl immer zwei Wahrheiten", sagt August. Immerhin könne man heute drüber reden.

© SZ vom 23.08.2008/viw
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