Süddeutsche Zeitung

Scheidung:Es geht auch ohne Drama

Laura Wasser hilft, Promi-Ehen zu beenden. Amerikas berühmteste Scheidungsanwältin sagt, gute Scheidungen gibt es nicht. Aber leichte. Jetzt bietet sie Online-Trennungen an.

Von Michaela Haas

Wofür Laura Wasser zuständig ist, steht in weißen Großbuchstaben gemalt und gerahmt über dem grauen Edelsofa in ihrem Büro: THE END. Gemeint ist: Das Ende der Liebe. Wenn sie Klienten wie Angelina Jolie, Stevie Wonder, Kim Kardashian, Ryan Reynolds, Maria Shriver, Gwen Stefani, Johnny Depp oder Britney Spears in ihrem Glasturm begrüßt, hat Amerikas berühmteste Scheidungsanwältin einen fabelhaften Panoramablick über Los Angeles - und einen einzigartigen Einblick in das gescheiterte Liebesleben von Weltstars. Deshalb steht unter THE END diskret eine Box Taschentücher zum Reinheulen.

Warum Wasser, 49, so erfolgreich ist, erschließt sich sofort: Sie ist warmherzig, Typ beste Freundin, plaudert gleich locker los und ist trotzdem so tough, dass man sie gerne auf den verdammten Ex hetzen möchte.

Wasser nennt natürlich keine Namen, aber sie hat doch eine ganze Reihe von eindrucksvollen Beispielen auf Lager, wie man sich am besten NICHT scheiden lässt: am besten nicht so wie die Mandantin, die am Valentinstag einem Boten die Tür öffnete, um ein Paket von ihrem Ehemann entgegenzunehmen, das langstielige rote Rosen erahnen ließ. Darin: tatsächlich langstielige Rosen, aber längst verwelkte. Der Mistkerl hatte den Scheidungsantrag auf die Dornen gespießt.

Am besten auch nicht so wie der Ex ihrer Mandantin, für die Wasser ein geteiltes Sorgerecht für die gemeinsame Katze aushandelte - bis klar wurde, dass er dem Tier immer dann Durchfallmittel gab, bevor er es für drei Tage die Woche zu seiner Ex-Frau in deren blütenweißes Apartment schickte. Und schon gar nicht wie die Frau ihres Mandanten, die zustimmte, ihrem künftigen Ex die kostbare Weinsammlung zu überlassen - sein ganzer Stolz - aber dann kurz vor dem Auszug in mühevoller Kleinarbeit mit einem Dampfstrahler alle Etiketten zerstörte, was die exklusiven Tropfen natürlich nahezu wertlos macht. "Er nahm es mit Humor", berichtet Wasser. "Er hat nachher sogar regelmäßig Trinkrunden mit dem Motto veranstaltet: Ratet die Traube!"

Solche Racheaktionen, meint Wasser trocken, brächten nur eines: böses Blut. Wenn es nach ihr ginge, wären Scheidungen ganz einfach. "Eine Scheidung ist einfach eine Business-Transaktion", sagt sie mit einem charmanten Lächeln. "Aber gleichzeitig ist eine Scheidung der große Equalizer: Davor haben alle gleich viel Schiss, egal ob sie Handwerker oder Milliardär sind."

Scheidungen leicht und emotionslos zu machen, ist ihre Lebensaufgabe. In Hollywood nennt man sie die "Disso Queen", also die Königin der Auflösung. Ihr weniger freundlich gesinnte Zeitgenossen, vielleicht die Ex-Partner ihrer Klienten, haben ihr den Spitznamen "Pitbull" verpasst, aber dazu lächelt Laura Wasser nur extra breit und fragt: "Wirke ich auf Sie wie ein Pitbull?"

Sie trägt ein schwarzes Blümchen-Minikleid mit schwindelerregend hohen Louboutin-Stilettos, die hüftlange brünette Mähne gekonnt locker gestylt, und könnte rein optisch auf jeder Hollywood-Party als Schwester von ihrer Klientin Jennifer Garner durchgehen. Einen typischen Scheidungsanwalt in Hollywood stellt man sich vielleicht eher wie ihren Vater vor, den berühmten Scheidungsanwalt Dennis Wasser, der in der von ihm gegründeten Kanzlei sieben Türen weiter sitzt und dessen Stundenhonorar noch mal 100 Dollar höher liegt als ihres: doppelreihiger Anzug, graue Stoppeln, sonore Stimme.

Laura Wasser dagegen geht fast jedes Wochenende in Malibu surfen und redet ihre Klienten mit "Bro" und "Dude" an. Sie ist drahtig, unverblümt direkt und weil sie in die Beverly Hills High School ging, waren Promis immer schon einfach die Eltern befreundeter Kinder. Deshalb ist sie besonders berühmt dafür, ihren berühmten Klienten die Presse vom Leib zu halten. Wer als Journalist in ihrer Kanzlei Wasser, Cooperman & Mandles anruft, wird sofort durchgestellt zu einer automatischen Ansage: "Wir nehmen keine Anrufe von Journalisten entgegen." Klick.

Dass sie nun doch eine Journalistin in ihre exklusive Kanzlei lädt, hat einen guten Grund: Wasser macht Werbung für ihr neues Start-up. Itsovereasy.com verspricht genau, was der Name sagt: ein schmerzloses Ende. Per Klick online. Dafür strahlt sie gerade überlebensgroß von einem blinkenden Billboard am Times Square.

Warum bietet ausgerechnet Hollywoods heißeste Scheidungsanwältin nun eine Billigversion ihrer Dienste an? "Weil ich nach mehr als 20 Jahren in diesem Geschäft davon überzeugt bin, dass es tatsächlich nicht so schwer sein muss, sich scheiden zu lassen", sagt Wasser. "Die Leute wickeln ihre Bankgeschäfte online ab, shoppen online, finden Dates online, warum sollen sie sich also nicht auch online scheiden lassen?"

Ob das klappen kann? Der Online-Service LegalZoom versucht schon seit Jahren mit geringem Erfolg, die Scheidungsformulare online bereitzustellen. Laura Wasser will darum mehr als nur die richtigen Formulare bieten: Hilfe beim Ausfüllen soll es geben, aber auch "einen Rundum-Service, in welches Selbstbräunungsstudio man am besten geht, damit man bei der Scheidung top aussieht."

Scheidung bequem vor dem Computer

Bequem vor dem Computer sollen die künftigen Ex-Partner Angaben zu ihren Finanzen machen, ein Online-Sorgerechts-Kalender macht das Aufteilen der Kinderbesuche zu einem Kinderspiel. Also zumindest in der Theorie. Wer online nicht weiterkommt, kann sich gegen Aufpreis per Chat oder Telefon an Mediatoren und Rechtsanwälte wenden. Seit Ende Januar gibt es den Service in New York und Kalifornien, bald will sie ihn auf ganz Amerika und vielleicht sogar international ausweiten.

Wer Laura Wasser in echt anheuern will, muss mindestens zehn Millionen auf dem Konto haben, sich vorab den Anwaltsvorschuss von 25 000 Dollar und anschließend ihren Stundensatz von 850 Dollar leisten können. Verlockend, dass es sie nun als Avatar auch online gibt - manchmal, sagt sie, schalte sie sich tatsächlich selbst in den Online-Chat ein, und das zu einem Gesamtpreis, für den man sonst nicht einmal ein Stündchen in ihrem Büro sitzen darf: ab 750 Dollar.

"Eine wirklich gute Scheidung gibt es nicht", meint Wasser kategorisch, "eine Trennung schadet allen Beteiligten. Aber wenn jemand wütend und rachsüchtig ist, verdienen daran nur wir Anwälte." Also versucht sie, die emotionalen Faktoren auf Fakten herunterzubrechen. Eine Erfolgsprämie erhält sie übrigens nicht: Wenn sie 400 Millionen Dollar für Mel Gibsons Ex-Frau rausholt, bekommt sie trotzdem "nur" ihren Stundensatz. Aber die wahnwitzigen Summen, die da in Hollywood verhandelt werden, erhöhen natürlich ihren Marktwert. Und Kalifornien ist ihr Mekka: 60 Prozent aller Ehen hier werden geschieden.

Wassers Anwaltskarriere wurde ihr quasi in die Wiege gelegt: Ihre Eltern, beide Anwälte, nannten ihre Tochter absichtlich Laura Allison Wasser, damit die Initialen LAW ergeben, das englische Wort für Recht. Eigentlich begann sie als Anwältin für Behindertenrechte, aber mit Mitte 20 heiratete sie einen heißblütigen Spanier. Die Ehe hielt nur ein Jahr und nach der Scheidung brauchte sie einen Job, also fing sie bei ihrem Vater in der Kanzlei an.

Inzwischen hat sie zwei Söhne (acht und zwölf Jahre alt) von zwei verschiedenen Männern und dazu einen Lebensgefährten, den Drehbuchautor Matt Johnson, Vater zweier Töchter, mit dem sie nicht zusammenlebt. "Wir verstehen uns alle fantastisch", schwärmt sie. "Der Vater meines jüngsten Sohnes ist in diesem Augenblick bei mir zu Hause, weil der Kleine eine Grippe hat. Wir sprechen alle mindestens einmal am Tag miteinander."

Wenn sie ein Beispiel für eine ziemlich gute Scheidung finden will, dann nennt sie ihre Eltern. Die ließen sich scheiden, als Wasser 16 und ihr Bruder 13 war. Sie rechnet es ihren Eltern hoch an, dass sie keinen jemals ein böses Wort über den anderen sagen hörte, und dass ihr Vater sogar dann noch freiwillig den Unterhalt an ihre Mutter weiterzahlte, als die längst wieder einen gut verdienenden Lebensgefährten hatte, "einfach nur, weil er wollte, dass es ihr gutgeht."

Sie, die seit mehr als 20 Jahren die Seitensprünge, Exzesse und Ticks von Hollywoods bekanntesten Stars ausschlachtet, hat einen schlichten Tipp, wenn man sie fragt, wie denn eine dauerhaft glückliche Beziehung aussehen kann: "Habt Sex!" sagt sie. "Wenn Sie nicht mit Ihrem Partner schlafen, wird es jemand anders tun." Und zu kommunizieren sei essenziell.

"Manchmal kann ich schon beim Verhandeln des Ehevertrags vorhersagen, was aus dieser Ehe wird. Ich halte natürlich den Mund, aber da sehe ich schon, wie gut die Beteiligten miteinander reden, zuhören, wie das Machtgefüge ist." Sie erinnert sich an einen Mann, der in den Ehevertrag schreiben wollte, in wie vielen Wochen seine künftige Frau nach der Geburt ihr Babyfett verlieren muss. "Das habe ich abgelehnt. Aber geheiratet hat sie ihn trotzdem."

Und wie lässt man sich am besten scheiden? "Da gilt genau der gleiche Rat", sagt Wasser, "Kommunizieren und zuhören, nur ohne den Sex." Laura Wasser hat übrigens einen Schwur abgelegt: Nämlich, dass sie nie wieder heiraten wird. Schließlich weiß sie nur zu gut, was das kostet, wenn's schiefgeht.

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Quelle:
SZ vom 17.03.2018/vs
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