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Scheidung:Scheidung bequem vor dem Computer

Bequem vor dem Computer sollen die künftigen Ex-Partner Angaben zu ihren Finanzen machen, ein Online-Sorgerechts-Kalender macht das Aufteilen der Kinderbesuche zu einem Kinderspiel. Also zumindest in der Theorie. Wer online nicht weiterkommt, kann sich gegen Aufpreis per Chat oder Telefon an Mediatoren und Rechtsanwälte wenden. Seit Ende Januar gibt es den Service in New York und Kalifornien, bald will sie ihn auf ganz Amerika und vielleicht sogar international ausweiten.

Wer Laura Wasser in echt anheuern will, muss mindestens zehn Millionen auf dem Konto haben, sich vorab den Anwaltsvorschuss von 25 000 Dollar und anschließend ihren Stundensatz von 850 Dollar leisten können. Verlockend, dass es sie nun als Avatar auch online gibt - manchmal, sagt sie, schalte sie sich tatsächlich selbst in den Online-Chat ein, und das zu einem Gesamtpreis, für den man sonst nicht einmal ein Stündchen in ihrem Büro sitzen darf: ab 750 Dollar.

"Eine wirklich gute Scheidung gibt es nicht", meint Wasser kategorisch, "eine Trennung schadet allen Beteiligten. Aber wenn jemand wütend und rachsüchtig ist, verdienen daran nur wir Anwälte." Also versucht sie, die emotionalen Faktoren auf Fakten herunterzubrechen. Eine Erfolgsprämie erhält sie übrigens nicht: Wenn sie 400 Millionen Dollar für Mel Gibsons Ex-Frau rausholt, bekommt sie trotzdem "nur" ihren Stundensatz. Aber die wahnwitzigen Summen, die da in Hollywood verhandelt werden, erhöhen natürlich ihren Marktwert. Und Kalifornien ist ihr Mekka: 60 Prozent aller Ehen hier werden geschieden.

Wassers Anwaltskarriere wurde ihr quasi in die Wiege gelegt: Ihre Eltern, beide Anwälte, nannten ihre Tochter absichtlich Laura Allison Wasser, damit die Initialen LAW ergeben, das englische Wort für Recht. Eigentlich begann sie als Anwältin für Behindertenrechte, aber mit Mitte 20 heiratete sie einen heißblütigen Spanier. Die Ehe hielt nur ein Jahr und nach der Scheidung brauchte sie einen Job, also fing sie bei ihrem Vater in der Kanzlei an.

Inzwischen hat sie zwei Söhne (acht und zwölf Jahre alt) von zwei verschiedenen Männern und dazu einen Lebensgefährten, den Drehbuchautor Matt Johnson, Vater zweier Töchter, mit dem sie nicht zusammenlebt. "Wir verstehen uns alle fantastisch", schwärmt sie. "Der Vater meines jüngsten Sohnes ist in diesem Augenblick bei mir zu Hause, weil der Kleine eine Grippe hat. Wir sprechen alle mindestens einmal am Tag miteinander."

Wenn sie ein Beispiel für eine ziemlich gute Scheidung finden will, dann nennt sie ihre Eltern. Die ließen sich scheiden, als Wasser 16 und ihr Bruder 13 war. Sie rechnet es ihren Eltern hoch an, dass sie keinen jemals ein böses Wort über den anderen sagen hörte, und dass ihr Vater sogar dann noch freiwillig den Unterhalt an ihre Mutter weiterzahlte, als die längst wieder einen gut verdienenden Lebensgefährten hatte, "einfach nur, weil er wollte, dass es ihr gutgeht."

Sie, die seit mehr als 20 Jahren die Seitensprünge, Exzesse und Ticks von Hollywoods bekanntesten Stars ausschlachtet, hat einen schlichten Tipp, wenn man sie fragt, wie denn eine dauerhaft glückliche Beziehung aussehen kann: "Habt Sex!" sagt sie. "Wenn Sie nicht mit Ihrem Partner schlafen, wird es jemand anders tun." Und zu kommunizieren sei essenziell.

"Manchmal kann ich schon beim Verhandeln des Ehevertrags vorhersagen, was aus dieser Ehe wird. Ich halte natürlich den Mund, aber da sehe ich schon, wie gut die Beteiligten miteinander reden, zuhören, wie das Machtgefüge ist." Sie erinnert sich an einen Mann, der in den Ehevertrag schreiben wollte, in wie vielen Wochen seine künftige Frau nach der Geburt ihr Babyfett verlieren muss. "Das habe ich abgelehnt. Aber geheiratet hat sie ihn trotzdem."

Und wie lässt man sich am besten scheiden? "Da gilt genau der gleiche Rat", sagt Wasser, "Kommunizieren und zuhören, nur ohne den Sex." Laura Wasser hat übrigens einen Schwur abgelegt: Nämlich, dass sie nie wieder heiraten wird. Schließlich weiß sie nur zu gut, was das kostet, wenn's schiefgeht.

© SZ vom 17.03.2018/vs
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