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Saubere Studien:Staub, Saug und Sieg

Putzen lohnt sich: Es bringt die Beziehung auf Vordermann, macht schlank, sexy, frei und schiebt außerdem noch die Karriere ordentlich an.

Ines Schipperges

Sobald die Sonne wieder scheint, sieht man jeden Streifen, jede Schliere im nicht mehr ganz so frisch geputzten Fenster. Das gute Wetter versüßt uns den Tag, zugleich aber lässt es uns die Wohnung, die uns mit all ihrem Plunder in den eisigen Wintermonaten noch gemütlich und kuschelig erschien, auf einmal in ihrer ganzen und unerträglichen Enge bewusst werden.

Staubsauger

Man at work: Mit dem wahrscheinlich größten Staubsauger der Welt ist der Frühjahrsputz kein Problem mehr.

(Foto: Foto: ddp)

Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Wir entfliehen dem Dreckloch - kein Problem, wenn es warm ist und wir jede freie Stunde im Schwimmbad, im Biergarten oder auf der nächsten Grillparty verbringen könnten. Oder aber wir reißen uns einmal - nur für ein paar Stündchen - kräftig zusammen und machen aus dem Loch ein Zuhause, in dem wir gerne und angenehm unsere Zeit verbringen. Denn: der nächste Winter kommt bestimmt.

Einiges spricht für die erste Lösung, keine Frage. Doch auch für die Aufräumaktion gibt es gute Argumente: Putzen sei eine Art Wundermittel, versprechen Studien. Es verpasst dem staubigen alten Leben Glanz, der Beziehung neues Glück und obendrein eine Riesenportion Sex-Appeal.

Für die Liebe putzen

Laut einer Umfrage der Partnerbörse FriendScout24, an der über 1700 Singles teilnahmen, sind "geordnete Verhältnisse" ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des Partners. 63 Prozent der Befragten betrachten eine saubere Wohnung als Kriterium für die Liebe - und liegen auch selbst nicht auf der faulen Haut, wenn es darum geht, mit Putzmittel das Objekt der Begierde zu erobern. 27 Prozent der Teilnehmer berichten von Erfolgserlebnissen: In der Vergangenheit konnten sie mit ihrer Reinlichkeit bereits punkten - und hoffen nun auf das nächste Mal. Staub, Saug und Sieg.

Das Augenmerk der kritischen Flirtpartner liegt dabei vor allem auf Küche und Bad. Und wie so oft verschieben sich die Prioritäten, wenn aus Freundschaft Liebe wird. Freunde und Bekannte dürfen in und mit ihrem Schlafzimmer machen, was immer sie wollen - für 12 Prozent der Befragten ist da auch die Reinlichkeit reinste Privatsache. Es verwundert wenig, dass beim ersten Date die Bedeutung der Schlafstätte rasant zunimmt. Für 59 Prozent wird das Schlafzimmer zu einem Sauberkeitstest, der über Gedeih oder Verderb der keimenden Zuneigung entscheiden kann.

Doch die Deutschen putzen nicht nur für die Liebe, sondern auch für das eigene Wohlbefinden. Das beweist die aktuelle Bauknecht-Studie, laut der 96 Prozent der Bevölkerung eine saubere Wohnung als wichtig empfinden.

Kein Wunder also, dass die Putzlust auch dann an erster Stelle steht, wenn aus dem Flirt ein Lebenspartner wird. Das Thema Sauberkeit rangiert, wie eine Umfrage des Playboy ergab, ganz oben auf der Paar-Streitliste und ist für 46 Prozent der Befragten der häufigste Zankapfel in der Beziehung.

Nicht zu Unrecht gibt es heiße Diskussionen: Eine Online-Befragung von Men's Health offenbart erschreckende Details aus der Männerwelt. 49 Prozent der 1314 Teilnehmer wechseln ihre Bettwäsche nur einmal im Monat - sieben Prozent befinden das alle sechs Monate für nötig. Nur jeder dritte Mann beherbergt keinen Bakterienstall in seinem Nachtlager und wechselt die Wäsche, wie es sich gehört, alle zwei Wochen.

Verjüngende Hausarbeit

70 Prozent der Befragten träumen davon, ihrer Partnerin beim Putzen im Evakostüm zuzusehen. Keine große Überraschung. Was viele nicht zu wissen scheinen: Die Rechnung - Putzlappen plus Kehrbesen gleich erhöhte Attraktivität - geht auch umgekehrt auf. US-Wissenschaftler erkannten, dass Männer, die sich im Haushalt betätigen, ein erfüllteres Sexualleben haben als diejenigen, die ihre Macho-Ehre pflegen. Frauen sind Hausmännern weitaus mehr zugetan als Faulpelzen, stellte eine Studie fest.

Die gute Nachricht für alle, die, freiwillig oder gezwungenermaßen, Wert auf Reinlichkeit legen: Nicht nur das Resultat, nein, auch der Putzakt selbst macht glücklich. Eine aktuelle Studie der Universität London beweist, dass Hausarbeit sich äußerst positiv auf die Psyche auswirkt. Schon 20 Minuten intensives Putzen wöchentlich, das ergab die Untersuchung von 20.000 Teilnehmern, zeigt einen heilsamen Effekt gegen Depressionen.

Hausarbeit muss schweißtreibend sein, damit sie ihre volle Kraft entfaltet. Für den Menschen ist sie ebenso nützlich wie eine gemütliche Joggingrunde (und für die Wohnung um einiges nützlicher). Das Zauberwort heißt wie immer Bewegung: Die körperliche Aktivität verjüngt, baut Ängste ab und senkt das Risiko von Entzündungen und Herzkrankheiten.

Sauberkeit ist gut für Körper, Herz und Psyche, Ordnung ist gut für den Geist. Eine Runde Ausmisten macht den Kopf frei und ein aufgeräumter Arbeitsplatz fördert angeblich die Produktivität. Ein entscheidender Faktor ist Ordnung laut einer Studie von Staples, Hersteller von Büromaterialien, nicht nur für die eigene Kreativität, sondern auch für das allgemeine Arbeitsklima und sogar für die individuellen Karrierechancen. Zwar mag Staples ein eigenes Interesse daran haben, Ordnung zum Non-Plus-Ultra der Bürowelt zu deklarieren - doch ist der Gedanke, mit Hilfe eines aufgeräumten Schreibtisches die Karriereleiter hochzuklettern, unterhaltsam und durchaus verlockend.

Der Frühjahrsputz mag altmodisch und überholt erscheinen, doch er behält auch heute noch seine Berechtigung. Von Januar bis April erzielen Hersteller von Putzmitteln ihre höchsten Umsätze. Und danach kann es losgehen, mit dem frischen, sauberen, leicht nach Zitrus duftenden Leben. Alles neu macht der Mai - und alles, das heißt Leib und Seele, Kopf und Herz.

© sueddeutsche.de/imm
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