Russland:Sie tragen den Luxus am Handgelenk

Russlands Politiker und Kirchenfürsten tragen am Handgelenk Luxusuhren im Wert von bis zu 700.000 Euro, enthüllt eine Zeitung.

Sonja Zekri

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François Mitterrand soll gesagt haben, er trage nie Uhren: "Uhren sind Peitschen für jene, die sich als Rennpferde missbrauchen lassen."

Nun, russische Politiker fürchten die Peitsche nicht, sie schmücken sich damit, in Gold, in limitierter Auflage, mit ewigem Kalender und Tourbillon, einem komplizierten Schwerkraftausgleich. Die Zeitung Wedomosti hat dieser Leidenschaft eineinhalb Seiten und eine ganze Bildergalerie gewidmet.

Im Bild: Wladimir Putin - damals war er noch russischer Präsident.

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Französische oder Schweizer Uhrmacher in dieser Preisklasse nämlich sind zwar verschwiegen wie Plutoniumhändler. Doch dank des "Wristwatch Annual 2004 - 2009" konnte das Blatt Modelle und Preise ermitteln.

Folgendes Bild ergibt sich: Wladimir Putin (im Bild, nun russischer Ministerpräsident ), der Schöpfer des Trends, trägt keine Patek Philippe mehr, sondern eine Blancpain Leman Aqualung Grand Date für 7000 Euro und zwar mindestens die dritte. Eine hat er im August einem Hirten in Tuwa geschenkt, eine zweite hat ihm im September in Tula der Schlosser Wiktor Sagajewskij abgeluchst.

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Tschetscheniens Präsident Ramsan Kadyrow trägt eine Bovet, Fleurier Minute Repeater (200.000 Euro) und liegt damit im oberen Bereich. Den Vogel schießt allerdings der Moskauer Vize-Bürgermeisters Wladimir Resin ab mit einer DeWitt Pressy Grande Complication für umgerechnet 700.000 Euro. Überhaupt lässt sich kein Zusammenhang zwischen Macht und Zeit erkennen. Präsident Dmitrij Medwedjew orientiert sich an einer schlichten Breguet Classique Moon Phase (21000 Euro), sein einflussreicher Vizestabschef Wladislaw Surkow sogar nur an einer lumpigen Piaget Altiplano Ultrathin (6000 Euro).

Ramsan Kadyrow und Sergej Abramov (r.), der im Jahr 2004 übergangsweise Präsident Tschetscheniens war, auf einem Archiv-Bild aus dem Jahr 2004.

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Doch der Charme der Wedomosti-Aktion liegt ja ohnehin darin, dass sich eigentlich keiner der Politiker einen Chronometer leisten dürfte, der mehr kostet als eine Sonnenuhr. Die meisten haben in ihren Steuererklärungen winzige Miet-Parzellen und oft nicht mal ein Auto angegeben. Ein Kommentator nörgelte denn auch, es widerspreche "allen ethischen Normen", wenn Politiker eines Landes, in dem 17 Prozent unterhalb des Existenzminimums lebten, einen solchen Luxus zur Schau stellten.

Im Bild: Putin (Mitte) mit Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow (r.) und seinem Stellvertreter Wladimir Resin (l.) Foto: AFP

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Aber würde es den 17 Prozent besser gehen, wenn sie wie zu Sowjetzeiten speckige Anzugimitationen und zahnfleischfarbene Oberhemden zu Gagarin-Uhren trügen? Auch ein Politiker, so könnte man einwenden, muss doch Gefallen an schönen Dingen haben dürfen, wo er schon Tag und Nacht gegen die Korruption kämpft. Und wie sonst als durch die ständige Sorge um das Wohlergehen der Menschen wäre die - von Wedomosti nicht abgebildete - weißgoldene Breguet des Patriarchen Kirill zu rechtfertigen (36.000 Euro)?

Im Bild: Kremlchef Dmitri Medwedew

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Interessanter ist doch eine ganz andere Frage: Warum Uhren? Warum keine Manschettenknöpfe? Schuhe? Immobilien? Die beruhigende Antwort lautet: Die auch. Die Zeitschrift Nowojew Wremja hat vor einiger Zeit einen Überblick über die aktuellen Trends gegeben - Brioni statt Armani, Aspen statt Courchevel und eine Wohnung im Moskauer Viertel an der Ostoschenka, der Quadratmeter für 17.000 Dollar.

Im Bild: Der russische Präsident Dmitri Medwedew und Wladislaw Surkow, Vizechef der Präsidialverwaltung und Putins Mann für die Ideologie.

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(SZ vom 27. Oktober 2009/pfau)

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