Rückrufaktion von Schlankheitspille Dünn und depressiv

Die Firma Sanofi muss eine Schlankheitspille vom Markt nehmen, weil sie psychische Störungen hervorrufen kann.

Der Pharmakonzern Sanofi-Aventis hat den Verkauf seiner Schlankheitspille Acomplia wegen möglicher psychischer Nebenwirkungen in ganz Europa ausgesetzt.

Depressionen zählen zu den möglichen Nebenwirkungen des umstrittenen Präparats.

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Damit befolgt der Konzern einen Erlass der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMEA) vom Donnerstag, wonach die Risiken der Pille den potenziellen Nutzen überwiegen. Fettleibige Acomplia-Patienten haben demnach eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, psychische Störungen oder Depressionen zu erleiden, als eine Placebo-Vergleichsgruppe.

Patienten, die das Medikament derzeit nehmen, sollten sich mit ihrem Arzt oder Apotheker beraten, erklärte Sanofi. Acomplia wurde bei Übergewicht und Fettleibigkeit parallel zu Diät und Sportübungen verschrieben, speziell für Diabetiker oder Patienten mit hohem Risiko für Herzprobleme.

Der Wirkstoff Rimonabant unterdrückt im Gehirn Hungergefühle. Acomplia ist seit 2006 in 18 Ländern der EU auf dem Markt. Sanofi wolle nun unmittelbar Gespräche mit Nicht-EU-Ländern führen, in denen das Medikament noch zugelassen sei, hieß es. In den USA hatte die Arzneimittelbehörde (FDA) den Zulassungsantrag bereits im vergangenen Jahr mit dem Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für Depressionen und Angstzustände abgelehnt.

Die französische Arzneimittelbehörde (Afssaps) hatte am 19. Juli von dem Medikament abgeraten, falls ein Patient bereits Probleme mit Depressionen hatte. Offenbar begünstigt Acomplia Rückfälle. Die EMEA äußerte zudem Zweifel im Hinblick auf den möglichen Nutzen des Medikaments. Dieser habe sich in klinischen Test als "begrenzter als angenommen" erwiesen.

Sanofi erklärte, klinische Tests sollten trotzdem fortgesetzt werden. Acomplia war eine der großen Verkaufshoffnungen des Konzerns. Das Medikament sollte schon im Jahr 2010 fünf Milliarden Dollar (3,9 Milliarden Euro) Umsatz generieren, im vergangenen Jahr waren es aber gerade mal 79 Millionen Euro.