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Rückkehr des Vintage:Neu? Nee.

Nirgends riecht es nach Mottenkugeln oder nassem Hund; übereinandergetürmte Kleiderberge in ausgefransten Pappkartons sucht man vergeblich. Die dazugehörigen günstigen Preise allerdings auch.

Katy Rodriguez, Besitzerin von "Resurrection" , sagt: "Für mich steht Vintage für Unverwechselbarkeit. Es geht darum, ein außerordentliches Stück Mode für sich zu entdecken. Ob es nun ein Unikat oder handwerklich perfekt gemacht ist: Ich bin ziemlich sicher die Einzige, die in diesem Kleid, mit dieser Tasche oder mit diesen Schuhen auf einer Party erscheint."

Katy Rodriguez führt ihren Shop seit nunmehr dreizehn Jahren, mittlerweile gibt es neben der ersten Filiale auf der New Yorker Lower East Side eine weitere in Soho und einen Ableger in Los Angeles.

Alle haben eines gemein: Sie sehen aus wie begehbare Schmuckschatullen. Rote Wände, fliederfarbener Teppich, strahlendes Licht, das auf ein Sortiment aus raren Azzedine-Alaïa-Schuhen, antikem Chanel-Goldschmuck und Wolljacken von Comme des Garçons fällt. In einem Internetblog kann man das aktuelle Angebot einsehen und anfragen. Katy Rodriguez sagt: "Die Leute kennen sich heute viel besser mit Mode aus als vor zehn Jahren. Sie suchen nach etwas anderem als Wegwerf-Mode."

Tatsächlich steht neue Mode im Vergleich zu alter, exklusiver Mode zusehends auf verlorenem Posten. Patti Bordoni, Miteigentümerin des New Yorker "Amarcord", die sich in ihren weiß möbelierten Läden in Soho, im East Village und in Williamsburg auf Herrenmode spezialisiert hat, sagt: "Designermode wird heute in solchen Massen hergestellt oder nachgeahmt, dass sie jeden Reiz und jede Persönlichkeit verliert."

Knauserige Europäer

Und Emily Current weist auf einen weiteren Aspekt hin: "Die Designer orientieren sich an der Mode vergangener Epochen. Nur ist die Original-Mode handwerklich oft viel besser gearbeitet als das, was uns heute als Neuauflage angeboten wird. Deswegen macht es mehr Spaß, das Original zu tragen."

Die europäischen Konsumenten zögern bisher noch, wenn es darum geht, den Preis für eine solche Mode zu zahlen. "Europäische Kunden wägen lange ab, bevor sie viel Geld für ein Vintage-Stück ausgeben", erklärt Katy Rodriguez. "Amerikanern geht es nur um die Qualität und Exklusivität des Produkts, der Preis ist ihnen eigentlich egal."

Mitterweile muss man auch mit einem schmalen Budget nicht auf Vintage-Mode verzichten. Die amerikanische Marke American Apparel hält so große Stücke auf das Geschäftsmodell, dass sie im letzten Jahr in Berlin, Köln, Calgary, Los Angeles und New York eigenständige "American Vintage"- und "California Select"-Läden eröffnete, in denen es neben einer Handvoll Kollektionstücke gut erhaltene Gebrauchtmode zu kaufen gibt.

Und die ist laut American Apparel exklusiv: "Wir setzen auf Designer-Mode, denn die ist oft einmalig. Mit dieser Vintage-Mode kann sich der Kunde von der Masse abheben."

Und auch was die Bezeichnung alter Mode angeht, gibt es ein Revival. Zumindest wenn es nach Katie Grand, der Gründerin des Hipster-Compendiums Pop geht: Sie verkündete unlängst, dass sie statt "Vintage" wieder lieber den Begriff "Second Hand" verwende.

Die besten Adressen in Deutschland: Berlin: California Vintage, Schönhauser Straße19, 10178 Berlin; Designer-Outlet im Quartier 206, Friedrichstraße 71, 10117 Berlin, Tel.: 03020946800 Hamburg: D'or, Eppendorfer Baum 6, 20249 Hamburg, Tel.: 04046881963; Secondella, Hohe Bleichen 5, 20354 Hamburg, Tel.: 04035 29 31 Köln: Vintage-Rags, Hohenzollernring 47, 50672 Köln, Tel. 02212577991 München: Macy, Johannisplatz 20, 81667 München, Tel.: 08948997744; Vintage Love, Frauenstr. 22, 80469 München, Tel.: 08925542207

© SZaW vom 10.01.2009
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