Richard Branson im Gespräch:Der König der Karibik

Richard Branson, Unternehmer, Milliardär und Sir, ist ein Mann fürs Spektakuläre. Jetzt holt er Kitesurfer auf seine Privatinsel.

Sören Otto

Unter anderem hat Richard Branson als Erster in einem Heißluftballon den Atlantik überquert, mehrere Versuche einer Weltumrundung scheiterten. Beim Gespräch - in Flipflops und Shorts - wollte der britische Sir einfach nur mit Richard angesprochen werden.

SZ: Sie veranstalten Anfang März den BVI Kite Jam auf Ihrer Privatinsel. Fahren Sie selbst mit?

Richard Branson: Selbstverständlich! Das heißt: Wenn ich bis dahin wieder fit bin. Dann möchte ich beim Rennen zwischen Anegada, der nördlichsten Insel der Britischen Jungferninseln, und Necker Island starten. Es wird auch eine Amateurswertung geben - ich werde aber nur aus Spaß an der Freude mitmachen.

SZ: Haben Sie diese Strecke schon mal mit dem Kite zurückgelegt?

Branson: Ja, zusammen mit Larry Page, dem Google-Gründer, und seiner Verlobten. Wir haben zwar kein Rennen draus gemacht und die Zeit auch nicht gestoppt, aber die 20 Kilometer haben ganz schön geschlaucht. Wir sind auf Anegada bei Tageslicht gestartet und kamen im Dunkeln auf Necker an. Da hatten wir die Idee, einen richtigen Kite Jam zu machen, mit Profis, Amateuren, Leuten, die einfach Spaß dran haben.

SZ: Haben Sie auf diesen Mammutritt besonders vorbereitet oder sind Sie einfach losgekitet?

Branson: Wir hatten kein besonderes Material - aber wenn ich das nochmal tun würde, dann nur mit wasserdichtem Handy oder GPS-Boje ausgestattet. Es war schon etwas brenzlig, da Larrys Verlobte auf halber Strecke ausstieg und sich ihre Kite-Leinen im Propeller des Begleitbootes verhedderten. Das fuhr dann nicht mehr weiter mit, und wir waren nur noch auf uns gestellt. Als die Dämmerung einsetzte, verloren Larry und ich uns aus den Augen, schafften es aber noch rechtzeitig nach Necker. Das war nicht gerade vernünftig von uns und ist nicht zur Nachahmung empfohlen. Aber ich habe daraus gelernt und werde meine nächste Überquerung besser planen.

SZ: Wie und wann haben Sie mit dem Kitesurfen angefangen?

Branson: Ich bin mit 15 Jahren schon von der Schule gegangen - ich habe also nicht wie andere Jugendliche die Chance gehabt, zwischen Schule und Uni ein Jahr lang nur zu machen, was ich wollte. Als sich dann mein Sohn vor seinem Studium eine Auszeit genehmigte, habe ich das nachgeholt und bin mit ihm Wellenreiten gegangen, in Byron Bay. Aber ich war nie besonders gut. Dann fing unser Surflehrer Charlie auf Necker Island mit dem Kitesurfen an und ich war sofort Feuer und Flamme. Es sieht so toll aus. Er brachte es mir bei. Seitdem ist Kitesurfen meine liebste Freizeitbeschäftigung.

SZ: Haben Sie es schnell gelernt?

Branson: Es ist wesentlich einfacher, als es aussieht - und Kitesurfen ist ein sicherer Sport. Das war vor einigen Jahren nicht unbedingt der Fall, aber jetzt sind die Sicherheitssysteme wesentlich ausgereifter. Es ist wirklich das Beste, was man auf dieser Insel machen kann. Ein phantastischer Sport, um fit und gesund zu bleiben. So lebensbejahend...

SZ: Apropos lebensbejahend: Vor einiger Zeit ging ein Foto um die Welt, das zeigte, wie Sie kiten - nämlich mit einem sehr dürftig bekleideten Topmodel auf dem Rücken. Machen Sie das immer so?

Branson: Oh nein! Stephane Gautronneau, ein befreundeter Fotograf, fragte mich, ob ich eine Kite-Aufnahme mit seiner Freundin auf dem Rücken machen würde. Ich sagte zuerst nein. Dann fragte er mich, ob ich es machen würde, wenn sie, na ja, nackt sei. Da musste ich ja sagen! Ich bin schließlich ein englischer Gentleman, der das tut, was man von ihm verlangt. Aber Sie müssen wissen, meine Frau stand bei dem Shooting am Strand und schaute zu. Und es gibt das Bild auch mit Bikini. Es war einfach nur ein Spaß.

SZ: Welche lebensbejahende Aktion steht als Nächstes an?

Branson: Eigentlich nichts Großartiges. Im Juli, zu meinem 60. Geburtstag, möchte mit meinem Sohn über den Ärmelkanal kiten.

© SZ vom 01.03.2010/bilu
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