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Rauchzeichen:Verpufft

Der Jahreswechsel ist die Zeit der guten Vorsätze, oft verpuffen sie jedoch ganz schnell. Mit dem Rauchen aufzuhören, gehört zu den Klassikern - wenngleich die Nikotinsucht früher ganz anders toleriert wurde. Warum und seit wann Menschen rauchen.

Eine Erinnerung ans Rauchen: Eine Fahrt mit dem ICE von München nach Berlin, man sitzt selbstverständlich im Raucherabteil und raucht selbstverständlich durch. Bleierne Kopfschmerzen bei der Ankunft, die Rückfahrt verbrachte man trotzdem wieder im Raucherabteil.

Noch eine Erinnerung ans Rauchen: Restaurantbesuche in Bayern, bevor das Rauchverbot erlassen wurde. Der Raum konnte noch so klein sein, man hat geraucht, es war schließlich erlaubt.

Wie lächerlich bescheuert man als Raucher manchmal war.

Kein anderes Genussmittel hat in den vergangenen Jahren einen so drastischen Imagewandel durchlaufen wie das Rauchen. Vom Freiheitssymbol und der jugendlichen Ermächtigungsgeste, vom Künstlertick und Feierabendspaß zum übelriechenden Lasterstengel. Vor allem unter jungen Menschen ist das Rauchen in etwa so angesagt wie das Rülpsen in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Im Radio und im Fernsehen ist es seit 1975 verboten, Werbung für Zigaretten und andere Tabakerzeugnisse auszustrahlen. Die Bundesregierung hat den Spielraum für Tabakwerbung seither immer mehr eingeschränkt. Mit Erfolg: Dem Robert-Koch-Institut zufolge hat sich der Pro-Kopf-Absatz von Fertigzigaretten in Deutschland seit 1991 halbiert. Waren es 1991 noch 1831 Stück je Einwohner, lag die Zahl 2016 noch bei 918.

Auch in Straßen und an öffentlichen Plätzen sieht man immer weniger Raucher. Stattdessen trifft man immer öfter auf kaminöse Menschen. Individuen deren Atem wölkt. E-Zigaretten-Raucher. Mal sehen, wie man sich daran in 20 Jahren erinnert.

© SZ vom 31.12.2019