Psychologie Gefahren nicht wegreden - aber realistisch einschätzen

  • Gefahren möglichst realistisch einschätzen: Anschläge besonders in räumlicher und sozialer Nähe machen schmerzlich bewusst, dass diese Gefahr real ist. Eltern können das nicht einfach wegreden. Aber sie können klarmachen, dass die Möglichkeit relativ gering ist, selbst einmal betroffen zu sein. Das Risiko, verletzt zu werden oder zu sterben, ist etwa im Straßenverkehr weitaus größer. Doch zum einen versucht man, Gefahren zu verringern, etwa durch Polizeiarbeit oder im Auto dank Sicherungssystemen. Zum anderen sperrt sich niemand in der Wohnung ein, weil er vielleicht irgendwann einmal auf der Straße in einen Unfall verwickelt werden könnte.
  • Verhalten in Notfällen durchsprechen: Auch wenn man sich auf Extremsituationen wohl nie wirklich vorbereiten kann, lassen sich mögliche Verhaltensweisen durchsprechen - das hilft auch gegen die Angst und das Gefühl der Ohnmacht angesichts der Attentate. Dazu gehört der Rat, auf seinen Bauch zu hören und etwa Menschenmengen zu verlassen, wenn man sich darin unwohl fühlt. "Eltern sollten aber eine mögliche Katastrophe nicht im Detail durchspielen, sondern sich gemeinsam mit dem Kind auf Lösungen konzentrieren", rät Marion Pothmann: Etwa bei einem Amoklauf in der Schule im Versteck zu bleiben, das Telefon stumm zu stellen und per SMS um Hilfe zu rufen. "So kann man diese Situation der Hilflosigkeit - die hoffentlich niemals eintreten wird - ein Stückchen weit kontrollierbar machen. Damit mehr bleibt als ein diffuses Gefühl der Angst."
  • Erreichbar sein: Es wäre fatal, würden besorgte Eltern die Eigenständigkeit von Jugendlichen einschränken: Teenager müssen selbständig unterwegs sein können. Doch um Ängste auf beiden Seiten zu verringern, könnten Eltern und Teenager beschließen, gegenseitig verstärkt mitzuteilen, wo der andere ist - und im Notfall erreichbar zu sein. So kann das Kind Mutter oder Vater anrufen, wenn es sich unsicher fühlt und Rat braucht. Marion Pothmann berichtet, dass manche mit befreundeten Paaren eine Art privates Notfalltelefonnetz aufbauen, falls die Eltern mal nicht ans Handy gehen können.
  • Aufmerksam bleiben: Auch Kinder, die von Gewalttaten nur erfahren und sie nicht selbst miterleben mussten, können noch länger mit Reaktionen wie Gereiztheit oder Albträumen darauf reagieren. Darauf sollten sich Eltern einstellen, um verständnisvoll bleiben zu können und Sicherheit zu vermitteln.

Die Tipps basieren auf dem Rat der Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Marion Pothmann sowie den Empfehlungen von Harald Karutz vom Notfallpädagogischen Institut, der für das Krisen-Interventions-Team ein Merkblatt für Eltern zusammengestellt hat (hier als PDF).

Kinder, Jugendliche, aber auch Eltern finden zudem Hilfe bei der "Nummer gegen Kummer"-Telefonberatung.

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