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Pseudo-Allergie:Versteckte Übeltäter

Wenn der Mund beim Verzehr von Aprikosen anschwillt oder die Lippe nach einem Apfel Bläschen wirft, ist nicht unbedingt das Obst der Allergie-Auslöser.

Bestimmte Inhalts- und Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln können Pseudoallergien auslösen: Nach dem Verzehr kann es zu Schwellungen im Mund- und Rachenraum oder zu Magen-Darm-Beschwerden kommen - obwohl keine Allergie gegen die Nahrungsmittel nachtgewiesen werden kann.

Aprikose; iStockphotos
(Foto: Foto: iStockphotos)

"Sehr häufig werden diese Reaktionen durch Nahrungszusatzstoffe wie Konservierungsmittel, Säuerungsmittel sowie Farb- und Aromastoffe verursacht", erklärt Richard Raedsch vom Berufsverband Deutscher Internisten. Aber auch natürliche Inhaltsstoffe etwa in Ananas, Erdbeeren und Aprikosen könnten pseudoallergische Reaktionen hervorrufen.

"Typische Auslöser einer pseudoallergischen Reaktion sind beispielsweise die Konservierungsstoffe Sorbinsäure (E 200 - E 203), Benzoesäure (E 210 - E 213) sowie Schwefeldioxid (E 220 - E 223)", sagt der Leiter der Abteilung für Gastroenterologie am St. Josefs-Hospital in Wiesbaden. Diese Stoffe sind häufig in aromatisierten Getränken, Füllungen von Nudeln, Trockenfrüchten, Fertiggerichten, abgepacktem und geschnittenem Käse, Schmelzkäse, abgepacktem und geschnittenem Brot, vorgebackenen Backwaren sowie flüssigem Süßstoff enthalten.

Farbstoffe wie Tartrazin (E 102), Chinolingelb (E104) oder Azorubin (E122) können laut Raedsch ebenfalls als Pseudoallergene wirken. Sie sind in aromatisierten Getränken, Süßwaren, Speiseeis, Dessertspeisen und Nahrungsergänzungsmitteln zu finden. Ähnliche Reaktionen seien auch beim Verzehr von Äpfeln, Ananas, Erdbeeren, Johannisbeeren, Himbeeren und Brombeeren enthalten, die allesamt Salicylate enthielten.

Eine weitere Gruppe von Substanzen, die Pseudoallergien auslösen könnten, seien die sogenannten biogenen Amine in Sauerkraut, Salami, Thunfisch, gereiftem Hartkäse, Bananen, Rotwein und Schokolade.

Diese körperlichen Reaktionen werden nach Angaben des Internisten als "pseudoallergisch" bezeichnet, da im Gegensatz zu Allergien das Immunsystem nicht beteiligt ist. Zu Beginn einer Behandlung stehe zumeist eine mehrwöchige pseudoallergenarme Diät, an die sich eine sogenannte Provokationskost anschließen könne.

Dabei könnten auch einzelne Substanzen, die bei dem Patienten als Pseudoallergene wirkten, gezielt verabreicht werden. "Eine solche Provokationskost sollte jedoch stets unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden. In einigen Fällen ist dafür auch ein stationärer Aufenthalt notwendig, um sofort auf mögliche körperliche Reaktionen reagieren zu können", sagt der Professor.

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