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Promis und die Liebe - Schmachtwort der Woche:Wer es abschleckt, darf es behalten

Selbst in unserer modernen Gesellschaft funktioniert der Kuss auf den Mund also noch immer wie ein Stempel mit der Aufschrift "Privatbesitz". Die Geste hat beinahe etwas Archaisches. Wer in einer Großfamilie aufgewachsen ist, erinnert sich mit wohligem Grausen an die gemeinsamen Abendessen mit den sechs Brüdern: Wer sich das größte Stück sichern wollte, musste es nur abschlecken - dann durfte er es behalten.

Unter anderem deshalb küssen sich Paare in der Öffentlichkeit. Leider übertreiben es einige mit der Signalwirkung und erwecken eher den Eindruck, sich gegenseitig zu verdauen. Statt Zeuge einer intimen Zärtlichkeit zu sein, hat man manchmal das Gefühl, einem kannibalistischen Ritual beizuwohnen. Liegt es an der Schamlosigkeit der Menschen? Oder können sie es einfach nicht besser? So was kann doch keinen Spaß machen - jedenfalls nicht beiden.

Die University of Albany (State University of New York) ging dieser Frage auf den Grund und fand heraus, dass Männer und Frauen sowohl aus unterschiedlichen Gründen als auch auf verschiedene Arten küssen. So kam Forschungsleiter Gordon Gallup zu dem Ergebnis, dass Männer das Küssen zwar nicht sonderlich schätzen, es aber tun, um ihre Chancen auf Sex zu erhöhen. Frauen hingegen betrachten Küssen als vertrauensbildende Maßnahme. Deshalb genügt den Damen auch ein romantischer, gesellschaftsfähiger Kuss à la Charles und Diana, während Männer ihr Gegenüber lieber anfeuchten und es mit der Zunge bearbeiten.

Das erklärt immerhin, warum männliche Kusstechniken manchmal an das Würgen eines Python erinnern, der versucht, ein trächtiges Schaf zu verdrücken: Da wird der Kiefer ausgehängt, gesabbert, geleckt und das Zäpfchen so lange mit der Zunge gekitzelt, dass man sich fragt, wann das Opfer endlich um Gnade bettelt. Kein Wunder, dass jede zweite Frau mit den Kuss-Qualitäten der Männer unzufrieden ist. Dabei glaubt jeder fünfte Mann von sich, er sei ein begnadeter Küsser.

Könnte also durchaus sein, dass Hollande einfach zu dusselig ist zum Küssen, sich selbst aber für ein echtes Genie hält. Vielleicht wollte der frisch gewählte Präsident damals im Rausche des Erfolgs bei seiner Gefährtin gerade die Pythontechnik ansetzen, begann sie einzuspeicheln - und glitschte ab. Dann wäre es kein Wunder, dass Valérie mit ihrer Hand wedelte. Vielleicht wollte sie einfach Hilfe holen.

© Süddeutsche.de/leja/rus
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