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Prinzessin Diana:Ein verblasstes Leben

Diese Form der destruktiven Hommage geht auf den Künstler Robert Rauschenberg zurück, der 1953 eine Zeichnung seines älteren Kollegen Willem de Kooning wegradierte. "In der Zeitung stand ein Artikel über die Versteigerung", sagt Roethlisberger, "wir wussten beide sofort, dass wir den Radiergummi kaufen mussten und was wir damit machen würden. Darüber haben Admir und ich nicht mal geredet, das war ein sehr klarer Fall."

Die beiden nahmen den Gummi in die Hand und taten, was Diana Spencer zu Lebzeiten verwehrt geblieben war: Sie räumten in ihrem Leben auf. Mit Bleistift zeichneten sie zunächst Fotografien von öffentlichen Auftritten der Prinzessin ab und radierten sie dann wieder aus. Das Hauptmotiv, ein Triptychon, zeigt Lady Di in festlicher schwarzer Abendgarderobe zusammen mit Prinz Charles auf dem Rücksitz einer Limousine, er kühl geradeaus blickend, sie verdruckst in sich hinein kichernd.

Auf den ersten Blick sieht man nur weiße Blätter hinter Glas, doch aus der Nähe erkennt man die Furchen der getilgten Bleistiftlinien. Die Kratzer im Papier werden zu Sorgen- und Zornesfalten im Gesicht, die roten Radiererspäne zu wundgeriebenen Stellen, die Krümel sammeln sich unten im Rahmen: Erlebtes kann zwar durch eigenes Zutun verblassen, aber niemals ganz ausgelöscht werden.

So erinnern diese "Erased Drawings" auch an Michel Gondrys Film Vergiss mein nicht!, in dem Jim Carrey Erinnerungen an die Geliebte aus seinem Gehirn löschen lässt, und gewissermaßen beim Radieren merkt, dass es ein Fehler war, überhaupt einen Radiergummi zu besitzen. Diana Spencer hätte zusammen mit den Paparazzi-Bildern sicherlich auch manche Situationen und Bekanntschaften und vielleicht sogar sich selbst aus dem Leben im öffentlichen Käfig wegradiert.

Den Glauben an die handstreichhafte Magie kennt jeder Radiergummiveteran von sich selbst. Ob ein misslungener Satzanfang oder eine plötzlich blöd wirkende Person im Adressbuch: Man pustet die Gummikrümel weg und möchte mit dem Geschriebenen auch den Inhalt vergessen. Der Radiergummi wird abgehobelt wie ein Trüffel, der kostbare Lethe spendet, er gibt etwas von seiner Materie, um das Nichts wiederherzustellen. Gut die Hälfte von Dianas Riesenradiergummi ging für das Kunstwerk drauf, der Rest steht nun unter Plexiglas auf einem Sockel, wie ein Pfeil, der zum Ausgang weist.

"Lady Diana: For Big Mistakes. Erased Drawings" wird im Herbst in der Pariser Galerie acte2 gezeigt . Bis dahin kann das Werk im Atelier von Admir Jahic und Comenius Roethlisberger in Basel besichtigt werden.

© SZ vom 10.04.2010/leja
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