Prêt-à-Porter-Schauen in Paris:Cool, sexy und hemmungslos hedonistisch

Im Ballsaal des Grandhotels Intercontinental ist die Fangemeinde zwischen Spiegeln, Lüstern und schnörkeligen Landschaften aus Stuck versammelt. Versailles und der Sonnenkönig stünden im Zentrum seiner Kollektion, hat Decarnin zuvor wissen lassen. Die Reise geht dann aber eher Richtung Hollywood und Prince. Der Song "Let's Go Crazy" gibt den Ton vor, da befindet man sich schon mitten in den funkelnden Achtzigern - die Partymädchen können kommen.

Sie tragen schimmernde Brokatmäntel, messerscharf taillierte Leo-Jacken, Lederleggins und superenge, ultrakurze Kleider mit ausgestellten Schultern, die über und über mit Perlen und Pailletten bestickt sind. Goldene Western-Fransen baumeln von den Ärmeln, Glitzernadelstreifen zieren Hosenanzüge, Dekolletés erstrecken sich hinunter bis zum Gürtel. Das Ergebnis ist cool, sexy und hemmungslos hedonistisch - Kleider für Citygirls, die nach einer durchtanzten Nacht ganz bestimmt nicht ins Büro müssen.

So etwas käme der Dior-Frau nicht in den Schrank. Die treibt sich nicht in Discos rum, sondern reitet lieber aus. Schon bei seiner Couture-Schau im Januar hat John Galliano dieses Thema aufgegriffen, und das hat ihm offenbar so großen Spaß gemacht, dass er es jetzt noch weiter treibt.

Das begeistert gefeierte Defilee beginnt mit einem Donnerschlag, gefolgt von Regenprasseln und Pferdegewieher. Gleich das erste Modell hat es in sich: ein weit schwingender mokkabrauner Ledermantel, darunter dieses federleichtes Kokottenkleidchen aus blassrosa Seide, hochhackige Endlosstiefel und obenauf ein lila Samtzylinder.

Der Dior-Chefdesigner kombiniert die britische Aristokratie mit der französischen Romantik, er schlägt den Bogen vom rustikalen Countrylife der Windsors hinüber in die parfümierten Salons der Belle Epoche. Da sind die Tweedhosen, die Reiterstiefel, karierten Westen, Schiebermützen und Cardigans aus grobem Strick. Und da sind, auf der anderen Seite: Volants, Schleifen und Strumpfbänder aus gerüschter Spitze.

Temperamentvoller, verführerischer kann eine Kollektion kaum sein. Galliano hat ihr ein Wort des britischen Dichters John Wilmot vorangestellt: "Weil der Wandel ein Naturgesetz ist, ist aller Stillstand seltsam." Bei Dior muss man sich da keine Sorgen machen. Pferdestärken für einen rasanten Aufbruch sind in ausreichender Zahl vorhanden.

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