Porträt eines Porsche-Sprösslings Jesus Cayenne

Peter Daniell Porsche ist aus der Art geschlagen: Der Enkel ist kein Autonarr, er ist Anthroposoph.

Von Harald Hordych

Du, Herr Porsche, spielen wir um eine Million?"

Peter Daniell Porsche: Er hat 6,5 Millionen Euro bezahlt, damit 35 Kinder, die sehr viel Hilfe brauchen, eine Schule bekommen.

(Foto: Foto: Sandra Hallinger/Wildbild)

Der Mann, der gerade in das Klassenzimmer getreten ist, dreht sich um. Hinter ihm steht ein Junge und streckt ihm eine Ein-Euro-Münze entgegen.

"Okay", sagt der Mann, der sich offenbar daran gewöhnt hat, dass man mit ihm um Millionen und nicht um fünf Euro spielt. Er trägt ein rotes Hemd, dessen oberer Knopf offen ist, und eine schwarze Weste. "Du Wappen, ich Zahl. Aber Spielgeld, einverstanden?"

"Nein, Herr Porsche, eine Million Euro!", sagt der Junge.

Die Münze fällt und sie zeigt die Eins.

Peter Daniell Porsche streicht dem Jungen über den Kopf und führt den Besucher weiter durch die Paracelsus-Schule Salzburg für Seelenpflege-bedürftige Kinder und Jugendliche, weiter vom grünen ins rote Zimmer, vom violetten ins gelbe. Schülerzahl pro Klasse: maximal sechs. Kein Türrahmen gleicht dem anderen, nirgendwo gerade Linien, die Farben der Klassen sind dem Alter der Schüler zugeordnet: je jünger die Kinder, desto wärmer die Farben. Und immer sprechen die wenigen Kinder den Mann mit "Herr Porsche" und "Du" an. Er ist doch fast jeden Tag hier.

Außerdem hat er sechseinhalb Millionen Euro bezahlt, damit 35 Kinder, die so richtig keiner so recht haben will, eine neue Schule bekommen. Peter Daniell Porsche, 33, ist ein Ur-Enkel von Ferdinand Porsche. Seiner Familie gehören 100 Prozent der Stammaktien des profitabelsten Autoherstellers der Welt. Jeder verkaufte Wagen beschert mehr als 20.000 Euro Gewinn. Außerdem leitet diese Familie den größten Autohändler Europas, die in Salzburg residierende Porsche Holding GmbH. Allein den Wert der Familienanteile an AG und Holding schätzte das Manager Magazin auf mehr als 10 Milliarden Euro.

Es handelt sich allerdings um eine sehr große Familie, denn sie besteht aus den Porsches - und den Piëchs. Mittlerweile ist der Clan auf 60 Erben angewachsen. Im letzten Jahr machte allein die Porsche AG einen Gewinn vor Steuern von 1,6 Milliarden Euro. Ein Teil davon floss an die Erben. Grob gerechnet ist der junge Mann mit dem etwas rundlichen Gesicht, den freundlichen braunen Augen und der Locke, die ihm in die Stirn baumelt, ein Sechzigstel Multimilliardär - und: Er ist der einzige Erbe seines Vaters Hans Peter Porsche.

Im Wintergarten des "Schützenwirts" fallen die Sonnenstrahlen auf Flächen, die für Licht und Wärme wie geschaffen sind. Gelb und orange leuchten die Vorhänge, der Kamin hat einen Schornstein, der sich in Form einer Flamme zur Decke windet.

Der "Schützenwirt" gehört ebenso wie die Paracelsus-Schule Salzburg und der Jakobisaal zum Kulturzentrum St. Jakob. Wie alles, was man hier sieht, ist auch die Gastronomie mit Gerichten aus biologischem Anbau Teil des Weltverständnisses von Peter Daniell Porsche - und von Rudolf Steiner. Denn Porsche ist ein Waldorfschüler, und er hat selbst Waldorf-Pädagogik und anthroposophische Musiktherapie studiert.

So kam es, dass sich ein junger Praktikant 2004 bei der Paracelsus-Schule Salzburg vorstellte. Ein Jahr lang wollte er hier Berufspraxis sammeln. Die Räume waren veraltet, der Platz reichte nicht mehr. Eigentlich musste eine neue Schule her. Aber wie sollte das gehen?

Da kümmerte sich der Praktikant um die Sache.

Die Schule zog nach St. Jakob am Thurn, einem Bilderbuchdorf in den Bergen bei Salzburg mit Wehrturm und Kirche und einem Teich mittendrin. Und einer Wirtschaft, die zum Verkauf stand, dem "Schützenwirt". Da sollte die Schule rein, nachdem sie und sehr viel Wiese mit dem Porsche-Geld erworben worden waren. Aber als die Dorfbewohner und der Bürgermeister inständig darum baten, ihnen die Dorfwirtschaft zu lassen, gab Daniell Porsche nach. Ließ er eben das Wirtshaus im Dorf und baute einen neuen Schultrakt neben das Wirtshaus.

Was ist das für einer? Und wie hängt das alles mit einer Familie zusammen, in deren Familiengruft in Zell am See die Firmengründer in einer kleinen Kapelle schlicht, aber effektvoll wie Königskinder begraben liegen. Die ersten drei der Ahnenreihe tragen denselben Vornamen: Ferdinand I. schaffte es, das allernormalste Allerweltsauto, den ersten Volkswagen, und ein wahres Auto von Welt, den Porsche 356, zu erfinden, beide angetrieben vom gleichen Motor. Er hielt es mit den Mächtigen, was ihn umstritten macht: Aber nicht nur Hitler hatte seine Freude am Volkswagen. Auch Stalin bat ihn, einen sowjetrussischen Wagen des Volkes zu bauen.