Porträt eines Aussteigers Seine Helden waren Hitler, Himmler und Hess

Yonatan Langer, 33, beim Gebet in seiner Wohnung in Berlin-Schöneberg.

(Foto: Copyright 2017 Lene Muench, all)

Yonatan Langer hieß früher Lutz und war Neonazi. Er fühlte sich gut und stark. Dann fragte er sich nach dem Sinn des Hasses - heute lebt er als Jude.

Von Thorsten Schmitz

Seit einer viertel Stunde steht Yonatan Langer auf dem S-Bahn-Steig von Berlin-Adlershof, die Arme verschränkt, als müsse er sich schützen. Ein Mittwochmorgen, halb zehn. Er sieht Menschen, die ankommen und wegfahren. Er hatte eine frühere S-Bahn genommen. "Ich wollte fühlen", sagt er, "wie es hier ist."

Er sieht Frauen mit Kopftuch, einen schwarzen Mann, dann noch einen. "Früher", sagt er, "haben wir uns dafür eingesetzt, dass hier keine Ausländer wohnen. Jetzt sind hier alle Ausländer." In den Sätzen steckt ein ...