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Pflege: Fehlende Fachkräfte:Mehr Zeit für die Betreuung alter Menschen

Gesundheitsminister Philipp Rösler will gegen den Fachkräftemangel in der Pflegebranche vorgehen: Neue Hilfsarbeiter sollen das qualifizierte Personal in den Heimen entlasten.

In den Alten- und Pflegeheimen soll es künftig Beschäftigte geben, die sich ausschließlich um den Papierkram kümmern. Nach Plänen von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler sollen die Pflegekräfte dadurch mehr Zeit für die Betreuung der alten Menschen gewinnen. "Zu oft wird noch geprüft, ob Pflegekräfte gut dokumentieren können", sagte der FDP-Politiker am Dienstag nach einem Treffen mit Verbänden, Kassen und Verbraucherschützern. Die neuen Hilfskräfte könnten Aufgaben übernehmen, die nicht unmittelbar mit der Pflege am Menschen zu tun haben.

DIHK rechnet mit 300.000 neuen Stellen fuer 2011

Schon heute fehlen rund 39.000 qualifizierte Fachkräfte in der Pflegebranche, 2025 wird die Zahl auf etwa 152.000 steigen.

(Foto: dapd)

Rösler will mit seinem Vorschlag den Fachkräftemangel in der Pflegebranche mildern. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes fehlen schon heute rund 39.000 qualifizierte Fachkräfte. Die Arbeit wird derzeit häufig durch Seiteneinsteiger erledigt. Weil die Zahl der älteren Menschen im Verhältnis zu den jungen aber kontinuierlich zunimmt, wird sich der Fachkräftemangel künftig noch verschärfen. Nach den Berechnungen der Statistiker werden 2025 etwa 152.000 Beschäftigte fehlen, um die Pflegefälle ausreichend betreuen zu können.

Die Pflegeheime klagen häufig über den hohen Dokumentations-Aufwand, den die Krankenkassen zur Qualitätskontrolle fordern. Diese bürokratischen Anforderungen raubten dem qualifizierten Personal die Zeit, sich intensiver um ihre Patienten zu kümmern.

Das Gespräch am Dienstag soll den Auftakt einer Reihe von Treffen zum Thema Pflege bilden. Rösler will die Pflegeversicherung 2011 reformieren. Der Minister forderte die Pflegebranche auf, die Fachkräfte besser zu entlohnen. "Wer hervorragende Kräfte haben möchte - und die gibt es zum Glück - der muss auch bereit sein, sie hervorragend zu bezahlen", betonte er. Viele Einrichtungen seien schon heute bereit, dafür das notwendige Geld auszugeben. Der Mindestlohn von 8,50 Euro für die Branche spiele bei den tatsächlichen Vergütungen zum Glück keine Rolle. Er kündigte ferner an, die Attraktivität des Pflegeberufs steigern zu wollen, indem die Ausbildungen zum Alten- und Krankenpfleger zusammengefasst würden.

Unterstützung erhielt er in seinen Forderungen von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Sie forderte die Branche auf, nicht einfach nur auf Beschäftigte aus anderen Ländern zu setzen, sondern selbst tätig zu werden. "Auf Dauer werden wir sicherlich auch qualifizierte Zuwanderung in diese Branche brauchen", räumte sie ein. Zuerst müssten allerdings die Hausaufgaben in Deutschland gemacht werden. So sei eine bessere Ausbildung notwendig, denn die bisherigen 12.000 Plätze reichten nicht aus. Zudem müssten die aus Arbeitslosen rekrutierten Pflegehelfer zur Fachkraft weitergebildet werden.

Der Spitzenverband der Kassen appellierte an die Bundesregierung schnell zu handeln. "Damit es in Zukunft keinen Fachkräftemangel in der Pflege gibt, müssen jetzt die notwendigen Schritte eingeleitet werden", sagte Vorstand Gernot Kiefer. Notwendig seien mehr Ausbildungsplätze und attraktivere Rahmenbedingungen, die den Pflegeberuf auch für junge Leute interessant mache.